Alle zwei Jahre werden Frauen zwischen 50 und neuerdings 75 Jahren zu einer Mammographie eingeladen. Eine für Kassenpatientinnen kostenfreie Früherkennungsuntersuchung, die kleinste Tumore aufspüren kann und dabei mit einer relativ geringen Strahlenmenge auskommt – wer könnte etwas dagegen haben? Kritik wird immer wieder geäußert: Die Früherkennungsuntersuchung führe zu Überdiagnosen. Das heißt, ein Brustkrebs wird diagnostiziert und behandelt, obwohl er vielleicht einer Frau zu Lebzeiten keine Probleme bereitet hätte, etwa weil der Tumor nur langsam wächst. So würden mehr Frauen zu Krebspatientinnen gemacht als nötig, lautet der Vorwurf. Wie sich ein entdecktes Etwas in der Brust aber tatsächlich entwickelt, kann keiner wissen. Und es findet sich wohl auch kein Arzt, der dafür seine Approbation ins Feuer legen würde. Zu viele falsch positive Befunde? Kritiker wenden außerdem ein, dass die Krebs-Screenings immer wieder zu falsch positiven Befunden führen. Das ist der Fall, wenn bei der Mammographie etwas entdeckt wird, was sich erst in der Nachuntersuchung als unbedenklich erweist. Dazwischen durchleidet die Betroffene Unsicherheit und Ängste, denn die psychische Belastung ist auch bei einer noch unbestätigten Krebsdiagnose hoch. Aber werden solche vorübergehenden Ängste wirklich nicht durch die Erleichterung einer Patientin aufgewogen, die nach einer gründlichen Abklärung sicher sein kann, keinen Brustkrebs zu haben? Und ist die Überdiagnose nicht immer Teil von Früherkennungsmaßnahmen? In Hessen nimmt nur jede zweite Frau, für die das Screening gedacht ist, daran teil. Das sind zu wenige. Wer eine Freundin, Kollegin, Mutter kennt, die an Brustkrebs erkrankt ist, und sie durch eine Krebsbehandlung begleitet hat, sieht die Vorsorge mit anderen Augen. Brustkrebs ist ein sehr reales Risiko für Frauen: Jede achte erkrankt daran im Laufe ihres Lebens, bei einer familiären Vorbelastung steigt das Risiko. Die Röntgenaufnahme, bei der die Brust wie im Schraubstock zwischen zwei Platten fixiert wird, ist alles andere als vergnügungssteuerpflichtig. Wer zur Mammographie geht, weiß um die Schmerzen. Aber die Aufnahme ist immer noch die beste Möglichkeit, Tumore im Frühstadium zu erkennen. Und dient, zusammen mit der unverzichtbaren Selbstabtastung, dem Schutz des eigenen Lebens.
