FAZ 04.02.2026
14:19 Uhr

Restaurator übermalt Engel: Vatikan lässt Meloni-Gesicht entfernen


Giorgia Melonis Gesicht in einer römischen Basilika wurde mit weißer Farbe übermalt, aber jetzt sorgt die Büste des Königs für Ärger: Die Engel sollen in Wahrheit Siegesgöttinnen sein.

Restaurator übermalt Engel: Vatikan lässt Meloni-Gesicht entfernen

Der Engel in der Basilika San Lorenzo in Lucina, dem bei Restaurierungsarbeiten das Gesicht von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni verliehen wurde, hat nun gar kein Gesicht mehr. Der Restaurator Bruno Valentinetti, der mit Pinsel und Farbe die politische Umdeutung des Engels vorgenommen hatte, hat dessen Gesicht mit weißer Farbe überdeckt. „Auf Bitten des Vatikans“ sagte er gegenüber der italienischen Zeitung „Corriere della Sera“. Während die Gläubigen, die die Basilika besuchten, gemischte Reaktionen zeigten und der Pfarrer der Kirche, Daniele Micheletti, versucht hatte, den Eingriff Valentinettis zu relativieren, hatte das Vikariat von Rom schon am Samstag eine klare Position bezogen: „Bilder der sakralen Kunst und der christlichen Tradition dürfen nicht Gegenstand von Missbrauch oder Instrumentalisierung sein , da sie ausschließlich dazu bestimmt sind, das liturgische Leben und das persönliche und gemeinschaftliche Gebet zu unterstützen“ , hieß es in einer Mitteilung. Bruno Valentinetti ist auch der Schöpfer des Originalfreskos aus dem Jahr 2000 und als Sakristan der Basilika tätig. Da Feuchtigkeit das Bild beschädigt hatte, war er mit dessen Restaurierung beauftragt worden. Gegenüber der Denkmalschutzbehörde hatte es geheißen, die Ikonografie und der Dekorationsstil blieben unverändert. Das war offensichtlich nicht der Fall Nun soll es darum gehen, das ursprüngliche Bild wiederherzustellen. Die Suche der Behörden nach Fotos, die den Ursprungszustand des Gemäldes genau dokumentieren, erweist sich schwieriger als angenommen, berichtete Italiens Presse. In den sozialen Netzwerken veröffentlichte ein Architekt ein Foto, auf dem das Fresko vor der umstrittenen Restaurierung zu sehen sein soll. Es wird derzeit von der Denkmalschutzbehörde geprüft. Derweil ist eine Debatte über die übrige Ausgestaltung des Kunstwerks entflammt, das eindeutig Züge eines monarchistischen Denkmals trage. An der Wand zwischen den beiden Engeln, von denen einer wie Meloni aussah, steht eine Büste von Umberto II., dem letzten König Italiens, der nach der Gründung der Republik 1946 ins Exil ging. Die Skulptur stammt aus dem Jahr 1985 und wurde offenbar von einem Rektor in Auftrag gegeben, der für seine monarchistischen Neigungen bekannt gewesen sein soll. Aus diesem Grund seien die beiden Figuren, die im Jahr 2000 an seiner Seite geschaffen wurden, auch keine Engel, sondern geflügelte Siegesgöttinnen. Die eine, die zum Meloni-Engel wurde, hält eine Karte Italiens in der Hand. Die andere überreicht Umberto II. eine Krone und lobt ihn mit einer Inschrift dafür, dass er „das Exil dem Bürgerkrieg vorgezogen” habe. Darüber befindet sich ein Wappen der Familie Savoyen.