FAZ 13.05.2026
10:50 Uhr

Restaurant „Vipho“ in Frankfurt: Schweinebauch, Pfannkuchen und Curry


Das „Vipho“ ist seit vielen Jahren eines der beliebtesten Restaurants mit authentischer vietnamesischer Küche in Frankfurt. Eine eigene Handschrift hat dort aber nicht nur die Küche.

Restaurant „Vipho“ in Frankfurt: Schweinebauch, Pfannkuchen und Curry

Der Abend beginnt mit Schweinebauch. Natürlich. Zur Vorspeise kommt ein Teller „Heo Quay“ an den Tisch: in kleine Stücke geschnittener, frittierter Schweinebauch, wunderbar knusprige Stückchen mit ein bisschen Sesam, frischen Korianderblättern und Hoisinsoße. Nur ein paar Happen, aber das reicht, um die Erinnerung zurückzubringen. Wir waren nämlich vor zehn oder elf Jahren schon einmal hier im „Vipho“, haben nur ein paar Tische weiter in dem oberen Gastraum mit seiner gelochten Holzverkleidung und den zahllosen von der Decke hängenden Mini-Origami-Figuren gesessen. Und haben hinterher allen, die es wissen wollten, und allen anderen auch vom Schweinebauch vorgeschwärmt. Tja, und was sollen wir sagen: Es gibt ihn immer noch, und er ist immer noch ein Gedicht. Ein wunderbarer Auftakt mit knuspriger Deftigkeit, bevor anschließend vor allem viel Gemüse, Nudeln und Reis auf den Tisch kommen. Das pure Schweinebauch-Erlebnis Mit dem Schweinebauch im Allgemeinen ist es so eine Sache. Er ist nicht nur sehr fett, durchwachsen und glibberig, er hat in unserer gesundheits- und kalorienbewussten Welt voller Fleischersatzprodukte auch seinen guten Ruf als ebenso günstige wie sättigende Speise verloren – und wird deshalb von vielen Menschen gemieden wie sonst nur Innereien. Manchen wird schon bei dem Wort ganz anders. Uns zum Glück nicht. Wir könnten ihn statt als Vorspeise (neun Euro) auch als Topping für den Reisnudelsalat „Bun“ wählen (elf plus 7,50 Euro) oder als Hauptgericht „Com Heo Quay“ mit Reis, Brokkoli und Austern-Soja-Soße (18,50 Euro). Aber wir wollen erstens das pure Schweinebauch-Erlebnis gleich zu Beginn des Abends. Und zweitens anschließend noch „Banh Xeo“ essen, einen sehr dünnen, knusprigen Pfannkuchen mit Garnelen, Schweinefleisch, Karotten, Frühlingszwiebeln, Sprossen, Kräutern und Salat (18,90 Euro). Der kommt zwar mit dem Schweinebauch in Sachen Geschmacks- und Knusperintensität nicht mit und hat insgesamt einen recht milden Charakter. Er lässt sich aber mühelos mit dem dazu gereichten Fischsoßen-Dip und einer beim Service georderten Extraportion Chili nach Belieben aufdonnern. Ohne Reservierung geht gar nichts Vor übertriebener Schärfe muss im „Vipho“ ohnehin niemand Angst haben. Seit das Lokal am Oeder Weg 2012 eröffnet wurde, setzt die Küche auf authentische, aber an europäische Gaumen angepasste Gerichte. Einerseits befördert die Milde den Eigengeschmack der frischen Zutaten, mitunter führt sie wie zum Beispiel bei den veganen Sommerrollen „Goi Cuon Chay“ (8,50 Euro) aber auch zu einer gewissen geschmacklichen Langeweile – wenn man der Sache mit zusätzlichen Dips und Soßen nicht ein wenig auf die Sprünge hilft. Aber so ist nun einmal der Stil des Hauses, und der ist nicht nur seit Anbeginn unverändert, sondern wohl auch für die außerordentliche Beliebtheit des Restaurants mitverantwortlich. Mittags wie abends ist es im „Vipho“ oft gerammelt voll, ohne Reservierung geht an vielen Tagen gar nichts. Zu der langjährigen Handschrift des Hauses gehört außer der bewusst unkitschigen Einrichtung und der aromatischen Linie der Küche auch das klar strukturierte und im Vergleich zu so vielen asiatischen Restaurants eher übersichtliche Angebot. Statt einer unüberschaubaren Fülle an Snacks und Curry-, Reis- und Nudelspeisen bieten die Köche im „Vipho“ nur eine Handvoll Vorspeisen, ein paar Pho-Suppen-Varianten, verschiedene Toppings für Reisnudelsalat und nur vier klassische Reisgerichte an. Diese Beschränkung ermöglicht es ihnen nicht nur, den Gerichten ein klares Profil zu geben – es sorgt auch dafür, dass die Speisen in einer Geschwindigkeit an den Tisch kommen, die manchem Gast den Atem raubt. Das gilt im Übrigen auch für die Tropfen von der bemerkenswert gut bestückten Weinkarte mit den Namen vieler bekannter deutscher Winzer und Weingüter. Aber uns soll es recht sein. Denn wenn es nach uns geht, kann es vor allem mit dem wunderbaren Schweinebauch gar nicht schnell genug gehen. „Vipho“, Oeder Weg 21, Nordend, Telefon 069 / 55 67 46, Internet www.vipho.de. Geöffnet sonntags bis donnerstags von 12 bis 14.30 Uhr und von 17 bis 22 Uhr, freitags und samstags bis 22.30 Uhr.