FAZ 24.11.2025
19:25 Uhr

Repilow und Peretjagin: Russische Rodler in Untersuchungshaft


„Wenn er das Gesetz gebrochen hat, spielen seine Verdienste keine Rolle mehr“: Roman Repilow und Alexander Peretjagin sollen elf Millionen Rubel veruntreut haben, die für den Kauf neuer Rennschlitten vorgesehen waren.

Repilow und Peretjagin: Russische Rodler in Untersuchungshaft

Der russische Rodelsport wird von einem Betrugsfall großen Ausmaßes erschüttert, der zwei der bekanntesten russischen Rennrodler der vergangenen zehn Jahre in Sibirien hinter Gitter gebracht hat. Wie das Zentrale Bezirksgericht in Krasnojarsk mitteilte, wurden Roman Repilow und Alexander Peretjagin bis 19. Dezember und 20. Dezember in Untersuchungshaft genommen. Ihnen wird die Veruntreuung von elf Millionen Rubel (rund 120.000 Euro) vorgeworfen, die für den Kauf von Rennschlitten vorgesehen waren. Repilow wurde 2020 auf der Olympiabahn von Krasnaja Poljana Weltmeister im Sprint und im Einsitzer und verteidigte den Einsitzer-Titel im Jahr darauf auf der Bahn am Königssee erfolgreich. 2016/17 und 2019/20 gewann er den Gesamtweltcup, insgesamt gewann er neun Weltcups. Bei den Olympischen Winterspielen 2018 wurde Repilow in Pyeongchang Achter, 2022 in Yanqing Neunter. Seit der Entfesselung des russischen Angriffskriegs ist er im Weltcup nicht mehr am Start. Peretjagin, 33 Jahre alt, hatte 2014 in Sotschi an den Olympischen Winterspielen teilgenommen und war Siebter geworden. 2015 war er Zweiter der ebenfalls auf der Olympiabahn in Krasnaja Poljana ausgetragenen Europameisterschaften geworden. Inzwischen ist er als „Spezialist für die Vorbereitung von Sportausrüstung“ tätig und beim staatlichen „Zentrum für die Sportausbildung russischer Nationalmannschaften“ angestellt, wie das Gericht in Krasnojarsk auf der Plattform VKontakte mitteilt. Das Nachrichtenportal krsk.aif.ru aus der rund 3300 Kilometer östlich von Moskau gelegenen zweitgrößten Stadt Sibiriens berichtet, neben den beiden Rodlern seien auch „Direktoren und Trainer der Sportschule des Olympiastützpunkt für Rodelsportarten“ in Haft genommen worden. Demnach hatte Repilow, 29 Jahre alt, vom Gericht als „Einzelunternehmer“ bezeichnet, sich vertraglich verpflichtet, der Sportschule neue Ausrüstung im Gegenwert von zehn Millionen Rubel zu liefern. Ihm wird nun vorgeworfen, gebrauchte Ausrüstung geliefert zu haben und das Geld veruntreut zu haben. Dem Krasnojarsker Portal zufolge haben die nicht namentlich genannten Beschuldigten ihr Fehlverhalten eingestanden. Die staatliche Nachrichtenagentur Ria Novosti zitiert die Eisschnelllauf-Olympiasiegerin von 2006, Swetlana Schurowa, die in der Partei „Einiges Russland“ des russischen Machthabers Wladimir Putin als Duma-Abgeordnete nach ihrer sportlichen eine politische Karriere einschlug: „Wenn er das Gesetz gebrochen hat, spielen seine Verdienste (als Sportler; d. Red.) keine Rolle mehr. Der Betrag ist sehr hoch, und es muss eine ernsthafte Beweislage für eine solche Gerichtsentscheidung geben. Das bedeutet, dass alle vorgeschriebenen Verfahren durchgeführt wurden und die endgültige Bewertung nur von den Strafverfolgungsbehörden vorgenommen werden sollte.“ Repilows jüngerer Bruder Pawel will am kommenden Wochenende auf der Olympiabahn in Cortina d’Ampezzo an den Start gehen. Im Oktober hatte das Internationale Sportschiedsgericht CAS in Lausanne entschieden, dass der Internationale Rennrodelverband FIL russischen Einzelstartern als sogenannten Individuellen Neutralen Athleten den Start bei Olympischen Spielen ermöglichen muss. Die FIL hatte zunächst eine Teilnahme russischer Rodlerinnen und Rodler mit Verweis auf die Gefährdung des sicheren Ablaufs von Rennen abgelehnt. Wie andere russische Rodler will sich Pawel Repilow nun für die Winterspiele qualifizieren, die am 6. Februar in den italienischen Alpen beginnen.