In der umbrischen Pilgerstadt Assisi in Mittelitalien hat am Sonntag die Zurschaustellung der Reliquien des heiligen Franz (1182 bis 1226) begonnen. Die porösen und dunkel verfärbten Knochen und Knochenreste des vor 800 Jahren verstorbenen Eremiten und Ordensgründers sind in einem Sarg aus dickem Plexiglas ausgelegt. Der durchsichtige Sarg war am Samstag von Franziskanermönchen aus der Krypta der Basilika San Francesco in einer feierlichen Prozession in die Unterkirche der Basilika verbracht worden. Gewöhnlich ruhen die sterblichen Überreste, die seit einer wissenschaftlichen Untersuchung zu deren Authentifizierung von 1978 in dem Plexiglasgefäß liegen, in einem Steinsarkophag mit der Aufschrift „San Francesco“ in der Krypta. Auf dem nun erstmals in der Öffentlichkeit zur Schau gestellten durchsichtigen Sarg stehen die lateinischen Worte „Corpus Sancti Francisci“ (Leichnam des heiligen Franz). Rund 400.000 Pilger werden erwartet Bis zum Abschluss der „ostensione“ der Reliquien am 22. März werden rund 400.000 Pilger erwartet. Am Samstag waren nach Angaben des Franziskanerordens schon gut 370.000 Zeitfenster auf der Website zur obligatorischen Registrierung für den Pilgerbesuch vergeben. Rund 80 Prozent der Anmeldungen zur Verehrung des Heiligen in den kommenden vier Wochen stammen aus Italien. Die übrigen kommen aus allen fünf Kontinenten, wobei die USA mit 5000 Anmeldungen den größten Anteil stellen. An Arbeitstagen werden rund 15.000, an Wochenenden bis zu 20.000 Pilger täglich am Sarkophag des heiligen Franz erwartet. Jährlich registriert die pittoreske Stadt am Fuße des Monte Subasio bis zu fünf Millionen Besucher. Seit Sonntagmorgen ziehen Tausende Gläubige in einer stillen Prozession an dem Sarg vorbei, manche berühren diesen und bekreuzigen sich sodann. Wegen des großen Andrangs bleibt den Pilgern nur wenig Zeit zur Einkehr vor den sterblichen Überresten des vielleicht berühmtesten Heiligen der katholischen Kirche, der zugleich Schutzpatron Italiens ist. In diesem Jahr wird der 4. Oktober, der mutmaßliche Todestag des Heiligen, in Italien erstmals wieder als gesetzlicher Feiertag begangen. Der heilige Franz stammte aus einer Familie wohlhabender Tuchhändler. Er sagte sich in jungen Jahren von seiner Familie los, lebte als Eremit in absoluter Armut und gab sich einem Leben im Dienst des Glaubens hin. Wer zu den sterblichen Überresten des heiligen Franz pilgere, der tue dies „nicht aus Neugierde, sondern um sich von diesen Reliquien zu der Frage bewegen zu lassen: ,Was muss in mir sterben, damit Christus in mir leben kann?‘“, sagte der spanische Kardinal Ángel Fernández Artime, der vatikanische Beauftragte für die Heiligenfeier in Assisi, bei einem Gottesdienst am Samstag vor den am Sarg versammelten Mönchen des Franziskanerordens.
