FAZ 14.02.2026
14:47 Uhr

Rekordauktionen in New York: Alte Meister erklimmen wieder neue Höhen


Bestpreise für Michelangelo, Rembrandt und Artemisia Gentileschi lassen die Versteigerer in New York aufatmen – und in Italien kann man sich über den Ankauf eines berührenden Meisterwerks von Antonello da Messina freuen.

Rekordauktionen in New York: Alte Meister erklimmen wieder neue Höhen

Das an Kulturgütern nicht eben arme Italien ist um einen weiteren Kunstschatz reicher: eine „Ecce homo“-Darstellung von Antonello da Messina (um 1430 bis 1479). Das Gemälde ist eines von nur vierzig überlieferten Werken des sizilianischen Künstlers, der Einflüsse aus der flämischen Malerei in die italienische Frührenaissance aufnahm – und mutmaßlich die letzte Arbeit von ihm, die sich noch in privater Hand befand. Anfang Februar sollte die nur 20 mal 15 Zentimeter messende Tafel bei Sotheby’s in New York im Rahmen der Altmeisterauktionen angeboten werden. Taxiert auf einen Wert von zehn bis 15 Millionen Dollar hätte das Bild, das schon in renommierten Museen wie dem Museo Thyssen-Bornemisza in Madrid und dem Museum of Modern Art in New York ausgestellt worden war, einen Bieterwettstreit zwischen vermögenden Sammlern und kaufkräftigen Privatmuseen auslösen können. Als das Kulturministerium von Italien gesteigertes Interesse signalisierte, wurde das Kunstwerk jedoch kurz vor der Versteigerung zurückgezogen – und für 14,9 Millionen Dollar in einem private sale an den italienischen Staat vermittelt. Kulturminister Alessandro Giuli bestätigte den Ankauf in einer Pressemitteilung und nannte ihn eine „Transaktion von höchster kultureller Bedeutung“. Antonello da Messina bemalte die Tafel – wohl um 1460 – beidseitig. Auf ihrer Vorderseite zeigt sie den gegeißelten Jesus in berührender Menschlichkeit: Sein nackter Oberkörper wird isoliert vor dunklem Grund hinter einer Steinbrüstung präsentiert. Auf der Rückseite ist der heilige Hieronymus bei der Buße abgebildet. Wahrscheinlich war das Kunstwerk zur privaten Andacht vorgesehen, wurde von den einstigen Besitzern womöglich auf Reisen mitgeführt und dem Erhaltungszustand nach auch geküsst. Welches Museum das Werk aufnehmen darf, ist noch nicht bekannt. Hoffnungen machen dürfte man sich in der Galleria Nazionale della Sicilia in Palermo, im Museo di Capodimonte in Neapel und den Uffizien in Florenz. Ungeachtet dieses Auktionsverzichts auf ein Spitzenlos konnte Sotheby’s mit der Versteigerung alter Meister in New York hervorragende Umsätze erzielen. Insgesamt 95 Millionen Dollar kamen inklusive Aufgeld zusammen, wobei allein 20 Millionen auf Zeichnungen und Grafiken entfielen – nach eigenen Angaben mehr denn je in der Abteilung. Herausragendes Objekt war die Zeichnung eines jungen Löwen von Rembrandt, die aus der berühmten Sammlung Thomas S. Kaplans eingereicht wurde. Mit Zuschlag bei 15 Millionen Dollar (brutto 17,9 Millionen) blieb das Blatt zwar unterhalb der ambitionierten Vorabschätzung von 20 Millionen, avancierte aber zur teuersten je von dem Künstler versteigerten Zeichnung. Der Erlös soll einem Schutzprogramm für Wildkatzen zufließen. Insgesamt sorgten moderate Taxen dafür, dass Erwartungen übertroffen wurden. Bei Sotheby’s hat man offenbar aus der Erfahrung des vorigen Jahrs in London, wo die vollmundig angekündigte Altmeisterauktion der Sammlung von Thomas A. Saunders trotz einiger Rekordzuschläge weit hinter den Erwartungen zurückblieb, Schlüsse gezogen. Entsprechend kam nun in New York die vorsichtig taxierte Sammlung Diane A. Nixons von Zeichnungen alter Meister auf eine Verkaufsquote von 95 Prozent und 10,8 Millionen Dollar inklusive Aufgeld; angepeilt waren 7,7 Millionen. Auch bei Christie’s lief das Geschäft mit alten Meistern in New York glänzend. Schon die Saalauktion von Gemälden spielte das beste Ergebnis der New Yorker Abteilung seit zehn Jahren ein: gut 54 Millionen Dollar. Taxgerechte 30,5 Millionen brutto steuerte Canalettos von einer dritten Partei garantiertes Werk „Venice, the Bucintoro at the Molo on Ascension Day“ bei. Zuletzt hatte es 2005 bei Christie’s den Besitzer gewechselt – für 20,1 Millionen Dollar. Ein neuer Auktionsrekord konnte für die italienische Barockmalerin Artemisia Gentileschi aufgestellt werden. Ihr „Selbstporträt als heilige Katharina“ wurde bei 4,6 Millionen Dollar zugeschlagen (brutto 5,7 Millionen), weit über Taxe und ein Zeichen der steigenden Wertschätzung alter Meisterinnen. Der zweite Megastar der Saison war dann aber doch wieder ein Mann: Michelangelo. Um eine neu dem Renaissancegenie zugeschriebene Kreidezeichnung, die einen Fuß der Libyschen Sibylle aus der Sixtinischen Kapelle zeigt, entbrannte bei Christie’s ein dreiviertelstündiges Bietergefecht, in dessen Verlauf das kleine Blatt fast auf das Zwanzigfache seines Schätzwerts getrieben wurde. Mit Aufgeld zahlte der neue Besitzer 27,2 Millionen Dollar – ein neuer Auktionsrekordpreis für Michelangelo.