FAZ 07.03.2026
20:53 Uhr

Rechter TV-Sender: Wie GB News in Großbritannien knallhart Politik macht


Die Verluste des rechtsgerichteten Senders GB News sind auf 130 Millionen Pfund gestiegen. Das stört die Eigentümer nicht. Sie werben für Nigel Farages' Partei „Reform UK“ und machen Druck auf die BBC.

Rechter TV-Sender: Wie GB News in Großbritannien knallhart Politik macht

Der rechtsgerichtete britische Fernsehsender GB News macht weiterhin hohe Verluste, doch sein Hauptinvestor Paul Marshall dürfte trotzdem zufrieden sein. Denn GB News, das bei seinem Start als eine Art „britisches Fox News“ bezeichnet wurde, hat den Diskurs auf der Insel geprägt und im Sinne seiner Gründer verschoben. Der eng mit der Reformpartei von Nigel Farage verbandelte Sender ist politisch wirksamer, als es viele nach dem chaotischen Start vor fünf Jahren erwartet hatten. Damals prophezeiten manche ein baldiges Aus. Allerdings ist GB News finanziell stark defizitär. Im Geschäftsjahr bis Mitte 2025 machte der Sender 22 Millionen Pfund (25 Millionen Euro) Verlust. Zwar stiegen die Einnahmen von 16 auf 26 Millionen Pfund, aber das reichte nicht, um die hohen Kosten des 24-Stunden-Sendebetriebs mit rund 250 Mitarbeitern zu decken. Die Muttergesellschaft musste fast 18 Millionen Pfund neues Kapital zuschießen. GB News baut seine Position im britischen Medienmarkt aus Das Geld stammt überwiegend von Paul Marshall, einem Londoner Hedgefondsgründer und Brexit-Unterstützer, und der in Dubai registrierten Gesellschaft Legatum Ventures. Seit Sendebeginn haben sich die Verluste auf mehr als 130 Millionen Pfund kumuliert. Immerhin können sich die Eigner trösten, dass die Defizite sinken und die Werbeeinnahmen und Zuschauerzahlen wachsen. Ein Werbeboykott, den die Organisation „Hope not ­Hate“ zu initiieren versuchte, verpuffte. GB News hat sich in der britischen Medienlandschaft etabliert, bleibt aber für viele irritierend. Der mit einem kantigen Union-Jack-Design blau und rot dekorierte Sender ist vor allem der politischen Linken ein Dorn im Auge, auch wenn gelegentlich Labour-Abgeordnete zum Interview erscheinen. Nigel Farage hat weiterhin seinen lukrativ dotierten Moderatorenjob, auch etliche Konservative wie der Ex-Minister Jacob Rees-Mogg haben eigene Sendungen. Die Grenzen zwischen Politik, Journalismus und Aktivismus sind hier fließend. Der Moderator Matt Goodwin, ein ehemaliger Politikprofessor, kandidierte jüngst für „Reform UK“ bei der Nachwahl in Gorton und Denton. Der „Sender des Volkes“ und sein Einfluss Erklärtes Ziel von GB News war es seit Gründung, der behaupteten linken Schlagseite des öffentlich-rechtlichen Rundfunks BBC etwas entgegenzusetzen. Geschäftsführer Angelos Frangopoulos jubelt, dies sei gelungen. Er nennt GB News den „Sender des Volkes“. Tatsächlich stiegen die Zuschauerzahlen deutlich. Teilweise überholten sie 2025 sogar die durchschnittlichen Zahlen der Nachrichten von BBC News oder Sky News. Doch bleibt das Publikum des „People’s Channel“ mit rund einer Million Personen doch überschaubar. Gleichwohl ist es GB News gelungen, politische Akzente zu setzen und das Klima im Vereinigten Königreich zu verändern. Mit einem Dauerfokus auf die Themen (illegale) Immigration, Integrationsprobleme, Kosten der Energiewende und das allgemeine Versagen der Labour-Regierung liefert der Sender die Begleitmusik zum Aufstieg von Farages Partei, die seit einem Jahr in Umfragen führt. Paul Marshall hatte sich schon früher als Medieninvestor beim Portal „Unherd“ betätigt. 2024 kaufte er das Magazin „The Spectator“ zum stolzen Preis von 100 Millionen Pfund. Zumindest dieses Investment ist gewinnbringend. Die 1828 gegründete Wochenzeitschrift erfreut sich einer steigenden Auflage von nun – print und digital – mehr als 100.000. Damit hat das Politikmagazin unter dem neuen Chefredakteur Michael Gove, einem früheren Minister der Tories und politischen Schwergewicht, im 198. Jahr seines Bestehens eine Rekordauflage erreicht. Die meisten anderen britischen Zeitungen und Zeitschriften melden Rückgänge. Besonders schlecht geht es der Reach-Verlagsgruppe („Daily Mirror“ und „Daily Express“), die so hohe Verluste macht, dass sie nun 300 Journalisten entlassen muss.