Der Höhenflug der Künstlichen Intelligenz mit ihrem enormen Bedarf an Energie und Rechenleistung verleiht Schneider Electric Flügel. Am Donnerstag vermeldete der französische Traditionskonzern kräftig wachsende Umsätze und Einnahmen in den beiden Kerngeschäftsfeldern Energiemanagement und Industrieautomatisierung, auf die er ähnlich wie der deutsche Wettbewerber Siemens spezialisiert ist. Die Nachfrage im reinen Rechenzentrumssegment stieg stark an, erklärte Schneider Electric. Im vierten Quartal 2025 habe sie gar ein dreistelliges Wachstum im Vergleich zum Vorjahr erzielt. Rechenzentren machen rund ein Viertel des Konzernumsatzes aus, Tendenz stark steigend. Der Konzern liefert dabei die ganze Palette vom Design und Bau der Infrastruktur über die Anlagensteuerung bis zur Analyse von per Sensoren ermittelten Daten in der Cloud. Der Gesamtumsatz von Schneider Electric kletterte im vergangenen Jahr auf mehr als 40 Milliarden Euro, die um Sondereffekte bereinigten Einnahmen vor Steuern und Zinsen erreichten 7,5 Milliarden Euro. Die Geschäftsführung wertete die neuen Zahlen als Bestätigung der eingeschlagenen Strategie. Im Dezember hatte sie bis zum Jahr 2030 ein organisches Umsatzwachstum von sieben bis zehn Prozent im Jahr in Aussicht gestellt. Auch die Rentabilität soll weiter steigen. 5000 Servicemitarbeiter Schneider Electric stehe „im Zentrum der großen technologischen Trends, die sich auf unserem Planeten abspielen“, sagte Vorstandschef Olivier Blum im Gespräch mit der F.A.Z. und anderen Medien. Energie stehe „im Mittelpunkt des Interesses aller Regierungen und natürlich auch aller Unternehmen“. Die zunehmende Verbreitung der Künstlichen Intelligenz erhöhe nicht nur die Nachfrage nach Energieinfrastruktur, sondern auch nach Wärmemanagement. „Es gebe keinen Wettbewerber auf dem Markt, der über ein ebenso breites Sortiment verfügt“, sagte der Schneider-Electric-Chef mit Blick auf die angebotene ganze Palette zur Ausstattung von Rechenzentren. Dabei sei auch die globale Präsenz ein Trumpf. Man sei in der Lage, für die großen Hyperscaler wie Microsoft oder Google Lösungen überall auf der Welt umzusetzen, betonte Blum – und das nicht nur zum Zeitpunkt der Konstruktion, sondern über den gesamten Lebenszyklus hinweg. Schneider Electric habe knapp 5000 Servicetechniker rund um den Globus. Negative Auswirkungen der Künstlichen Intelligenz auf das eigene Geschäft sieht Blum bislang nicht – auch nicht mit Blick auf das vor drei Jahren vollständig übernommene Softwarehaus Aveva, das auf Design- und Konstruktionssoftware von Industriefabriken, Erdölraffinerien und Frachtschiffen spezialisiert ist. Dieses Geschäftsmodell könnte durch die Künstliche Intelligenz ebenso gefährdet sein wie das von Softwarekonzernen wie Oracle, SAP oder Dassault Systèmes, deren Aktienkurse zuletzt kräftig Federn gelassen haben. „Keine sich wiederholenden Aufgaben“ „Wir stehen am Anfang dieser Welle der Künstlichen Intelligenz, die tatsächlich kommen und den Markt für bestehende Software durcheinanderbringen wird, das ist klar“, sagte der Schneider Electric-Chef. Aber im Moment habe diese in Bezug auf die Endmärkte „eher positive Auswirkungen“. Es gebe sehr einfache Software, die sich um repetitive Aufgaben kümmert, und sehr komplexe Software, fuhr Blum fort. „Schneider Electric ist mit Aveva auf dem Feld für komplexe Software tätig, wo wir digitale Zwillinge verwalten, um die Fabrik von morgen, das Rechenzentrum von morgen zu bauen“, sagte er. Das seien „keine sich wiederholenden Aufgaben, die man von heute auf morgen durch Künstliche Intelligenz ersetzen kann“. Deshalb sei er zuversichtlich. Bei Anlegern steht Schneider Electric schon länger hoch im Kurs. Der Aktienkurs notiert nach leichten Rücksetzern im vergangenen Jahr wieder nahe dem Rekordniveau von Anfang 2025. Mit einer Marktkapitalisierung von rund 150 Milliarden Euro ist der Konzern derzeit das viertwertvollste Unternehmen an der Pariser Börse hinter LVMH, Hermès und L’Oréal. Knapp drei von vier vom Finanzdienst Bloomberg befragte Analysten raten zum Kauf der Aktie. Von seinen historischen Aktivitäten wie dem Bau von Zechen, Stahlwerken, Eisenbahnen, U-Booten sowie Aufzügen für den Eiffelturm und Geschützen für die französische Armee im Ersten Weltkrieg hat sich das Unternehmen, 1836 von den Schneider-Brüdern im Burgund gegründet, schon lange verabschiedet. Kopf-an-Kopf-Rennen mit Siemens Dabei hat sich Schneider Electric in den vergangenen Jahren zu einem immer ernstzunehmenderen Rivalen für Siemens gemausert. Der Aktienkurs lieferte sich phasenweise ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Einige Beobachter sahen die Franzosen gar schon vor dem Münchner Konkurrenten, der sich mittelfristig zudem ein niedrigeres Umsatzwachstum von „nur“ sechs bis neun Prozent zum Ziel gesetzt hat. Siemens sei immer ein „Champion im industriellen Bereich“ gewesen und hier weiterhin „unangefochtener Weltmarktführer“, entgegnete der Schneider-Electric-Chef auf die Frage, was die beiden Unternehmen unterscheide. Anders sei es jedoch in der „Welt des intelligenten Energiemanagements, in der Schneider Weltmarktführer ist und ich würde sagen vor Siemens oder anderen“, so Blum weiter. Was Siemens konkret mache, könne und wolle er nicht kommentieren. Klar aber sei: Einige Wettbewerber seien im Produktbereich gut, andere in bestimmten Segmenten, andere wiederum in bestimmten Regionen. Schneider Electric aber sei „das einzige Unternehmen im Bereich Energiemanagement, das sowohl in Rechenzentren, Gebäuden, in der Industrie, in Haushalten als auch in der Infrastruktur tätig ist und über ein breiteres Portfolio verfügt“, unterstrich Blum. „Definitiv eine Beschleunigung zu beobachten“ Deutschland ist mit dieser Ausrichtung ein wichtiger Markt für Schneider Electric. Hier bestehe „erheblicher Investitionsbedarf in Elektrifizierung, Automatisierung und Digitalisierung“, heißt es aus dem Konzern. Rund 5000 der insgesamt 160.000 Mitarbeiter beschäftigt er in Deutschland. Er zählt dort 14 Niederlassungen, davon fünf Produktionsstandorte. Zu den Großaufträgen im vergangenen Jahr zählt ein langfristiger Rahmenvertrag mit dem Stromnetzbetreiber Eon, der den flächendeckenden Einsatz von Schwefelhexafluorid-freien Mittelspannungsschaltanlagen vorsieht. Schneider Electric habe in Deutschland „auf allen Endmärkten eine sehr gute Positionierung“, so Konzernchef Blum. Nach einigen Jahren, in denen der Markt nicht sehr dynamisch war, sei nun „definitiv eine Beschleunigung zu beobachten“. Es sei gleichwohl noch zu früh, um von einer sehr starken Beschleunigung zu sprechen. Spezifische Ziele für den deutschen Markt gibt der Konzern nicht bekannt. Mit dem gebürtigen Saarländer Peter Herweck stand bis November 2024 für 18 Monate ein Deutscher an der Schneider-Spitze, ehe er über Nacht von Blum abgelöst wurde. In diesem Machtkampf spielte der langjährige, charismatische Konzernchef Jean-Pascal Tricoire eine maßgebliche Rolle, der als Verwaltungsratschef immer noch viel Einfluss ausübt.
