FAZ 29.12.2025
12:55 Uhr

Raunächte: Mit Räucherwerk gegen böse Geister


Zwischen Weihnachten und Heilige Drei Könige liegen die Raunächte. Um diese Zeit ranken sich uralte Mythen und Traditionen. Wieso die Raunächte jetzt wieder im Trend sind.

Raunächte: Mit Räucherwerk gegen böse Geister

Die Zeit „zwischen den Jahren“ ist einzigartig im Jahr. In keinem Kalender explizit vermerkt, aber in aller Munde: Man verabredet sich mit all den ehemaligen Schulfreundinnen, die für Weihnachten nach Hause gekommen sind, für nostalgische Gespräche. Manch einer wäscht aus Aberglauben keine Wäsche. Wer kann, lässt es ruhiger angehen „zwischen den Jahren“. Das Datum für diese Zeit variiert. Gemeint ist meist die Zeit zwischen Weihnachten und Silvester beziehungsweise Heilige Drei Könige. Wann sind die Raunächte? Eine andere Bezeichnung für die Tage zwischen dem 25. Dezember und dem 6. Januar ist Raunächte. Die erste Raunacht beginnt am 25. Dezember um 0 Uhr, die letzte Raunacht endet am 5. Januar um Mitternacht. Die unterschiedlichen Daten rühren wohl daher, dass Neujahr je nach Gegend und Zeit auch schon mal am 25. Dezember, am 1. Januar oder 6. Januar gefeiert wurde. Bezieht man sich auf germanische Götter, beginnen die Raunächte mit der Wintersonnenwende, also der Nacht vom 21. auf den 22. Dezember. Besinnt man sich auf die christliche Tradition, liegen die Raunächte zwischen Heiligabend und dem Dreikönigstag. Die Bedeutung der Raunächte ist vielfältig. Traditionell galten sie als eine Übergangszeit, die den Menschen nicht ganz geheuer war. „Und Bräuche bieten in einer Umbruchszeit Sicherheit“, sagte Michael Ritter vom Bayerischen Landesverein für Heimatpflege der dpa. So glaubte man früher, dass zu dieser Zeit Tiere sprechen könnten. Gegen böse Geister sollte Weihrauch helfen, weshalb Häuser ausgeräuchert wurden. Räucherkräuter wie Beifuß, Salbei, Wacholder, Engelwurz und Fichtenharz werden entweder ins offene Feuer geworfen oder auf glühende Kohlenstücke in Schalen. Jedes Kraut soll eine andere Wirkung haben: Salbei löse belastende Gedanken und Gefühle auf. Beifuß erleichtere in Phasen der Veränderung das Loslassen und den Neubeginn. Wacholder soll Konzentration und Willenskraft stärken, Engelwurz wirke kräftigend und revitalisierend. Der Duft des Fichtenharzes sei wärmend und schützend und eine wichtige Zutat bei reinigenden Hausräucherungen. Auch an das Vieh wurde gedacht, und die Ställe wurden geräuchert, um die Tiere zu schützen. Weihwasser kam traditionell ebenfalls zum Einsatz. Im Laufe der Zeit mischten sich christliche und heidnische Brauchtümer. Das alte Jahr abschließen, das neue Jahr starten – viele setzen symbolisch auf eine Reinigung mit Räucherwerk. Dabei steht jede Raunacht für einen Monat des Jahres. Die erste Nacht, am 25. Dezember, für Januar, der 26. Dezember für Februar und der 5. Januar für Dezember. Klassisch esoterisch ist das Kartenlegen, um in die Zukunft zu schauen. Onlinekurse versprechen, frei von Esoterik zu sein und einen Raum zum Innehalten und zur Neuorientierung für das bevorstehende Jahr zu bieten. Zugrunde liegt auch ein Bedürfnis nach Ritualen generell – das früher von der christlichen Kirche gestillt wurde. Warum man „zwischen den Jahren“ keine Wäsche waschen sollte Abergläubische Menschen denken, dass man „zwischen den Jahren“ keine Wäsche waschen sollte. Warum? Das Problem ist weniger das Waschen als das Hängen an der Leine. Denn in der aufgehängten Wäsche könnten sich leicht Dämonen verfangen.