Auf die schweren Ausschreitungen rund um das Zweitligaspiel zwischen dem 1. FC Magdeburg und Dynamo Dresden (1:2) am Samstagabend fordert Sachsen-Anhalts oberster Fußballfunktionär die harte Bestrafung der Täter durch die Justiz, während Polizeigewerkschafter vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) Sanktionen gegen die Vereine in bislang nie dagewesener Schärfe fordern. Angesichts zahlreicher verletzter Polizisten – ihre Zahl wird von der Polizei mit 70 angegeben, 17 seien im Krankenhaus behandelt worden – sollten DFB und Deutsche Fußball Liga (DFL) „mindestens ein Jahr“ Geisterspiele in Magdeburg und Dresden austragen lassen, forderte die Deutsche Polizeigewerkschaft. Der CDU-Politiker Holger Stahlknecht, vormaliger, langjähriger Innenminister (2011 bis 2020) von Sachsen-Anhalt, inzwischen Präsident des Fußballverbands Sachsen-Anhalt (FSA), hatte bereits am Montag im „Mitteldeutschen Rundfunk“ (MDR) „schnelle und harte Urteile“ gefordert. „Strafrecht hat eine generalpräventive Wirkung. Es geht nicht darum, dass man sechs Monate auf Bewährung ausurteilt oder eine Geldstrafe, sondern dass eine zeitige, kurze Freiheitsstrafe ohne Bewährung vielleicht auch mal angemessen wäre. Möglicherweise spricht sich das rum. Diejenigen, die da Krawall machen, sind ganz normale Bürger, die Montag wieder zur Arbeit gehen, liebevolle Familienväter oder Mütter.“ Verdacht des schweren Landfriedensbruchs Während des Spiels, bei dem einem Bericht der „Volksstimme“ aus Magdeburg zufolge in Magdeburg erstmals das Sicherheitskonzept der „Stadionallianz“ zum Einsatz gekommen war, waren nach Angaben der Magdeburger Polizei „mehrere hundert Beamtinnen und Beamte aus verschiedenen Bundesländern sowie Kräfte der Bundespolizei“ im Einsatz. Die „Sächsische Zeitung“ zitiert aus einem „internen Bericht des Bereitschaftszuges Sachsen-Anhalt“, demzufolge Raketen und Böller aus dem mit 2900 Dresdner Fans gefüllten Gästeblock in den daneben gelegenen Magdeburger „Familienblock“ geflogen seien. Daraufhin habe die Polizei in der Halbzeitpause versucht, den Block U, in dem sich die „aktive Fanszene“ des 1. FC Magdeburg aufhielt, zu versperren, da sie damit rechnete, Magdeburger Fans könnten versuchen, den Dresdner Block anzugreifen. In der Halbzeitpause sei es im Umlauf des Stadions zu Ausschreitungen durch Magdeburger Anhänger gegenüber Polizeikräften gekommen. Diese seien „unter anderem mit Steinen, Absperrgittern, Mülltonnen, Stühlen, Toiletten, Gehwegplatten und einem Gullydeckel“ beworfen worden. Ermittelt werde wegen „des Verdachts des schweren Landfriedensbruchs in zwei Fällen und des Verdachts des versuchten Mordes zum Nachteil von polizeilichen Einsatzkräften in drei Fällen“. Weiterhin werde wegen des Verdachts umfangreicher Sachbeschädigungen und Raubverdachts ermittelt. Eine Ermittlungsgruppe soll die Täter identifizieren. Das in Baden-Württemberg entwickelte Konzept der „Stadionallianzen“, das inzwischen in neun Bundesländern eingesetzt wird, soll die Zusammenarbeit zwischen den unterschiedlichen Interessengruppen rund um ein Bundesligaspiel verbessern. Erst im vergangenen November hatte die DFL eine positive Zwischenbilanz des zur Saison 2017/18 erstmals eingeführten Konzepts gezogen. FSA-Präsident Stahlknecht forderte nun, Sicherheitskonzepte müssten überdacht werden. „Die Vereine tragen die Verantwortung für das, was im Stadion passiert“, sagte Stahlknecht.
