FAZ 20.02.2026
19:29 Uhr

Räumung des Osthangs: Darmstadt darf sich nicht blamieren


Für das Besucherzentrum an der Mathildenhöhe wurde der besetzte Osthang geräumt, und Bäume wurden gefällt. Nun muss die Stadt dafür sorgen, dass das Vorzeigeprojekt zu einem Erfolg wird und sich lohnt.

Räumung des Osthangs: Darmstadt darf sich nicht blamieren

Entgegen mancher Befürchtungen ist die Räumung des besetzten Osthangs an der Mathildenhöhe in Darmstadt glimpflich verlaufen. Die Polizei brachte sechs Aktivisten aus dem gesperrten Areal, auf dem bald der Bau eines Besucherzentrums beginnen soll. Eine harte Auseinandersetzung gab es nicht, anders als etwa bei der Waldbesetzung im Dannenröder Forst vor einigen Jahren, wo die Besetzer Steine, Flaschen und Kot auf Polizeibeamte warfen. Im Vergleich dazu ist in Darmstadt alles geradezu beschaulich abgelaufen. Das lag auch daran, dass der Protest gegen die Rodung von Bäumen auf dem Osthang alles andere als eine Massenbewegung ist. Als es am Mittwoch und Donnerstag ernst wurde, als zuerst die Ordnungshüter der Stadt und dann Polizisten, darunter Spezialkräfte, anrückten, kamen nicht Hunderte von Menschen, um die Besetzer zu unterstützen und sich der Polizei in den Weg zu stellen. Die Besetzung war die Aktion einer überschaubaren Gruppe. Dagegen gibt es im Stadtparlament eine breite Mehrheit für das Besucherzentrum für die Mathildenhöhe, für das der Bauplatz gerodet werden musste. Das heißt, wenn gebaut wird, geschieht das, was demokratisch beschlossen worden ist, und zwar in vielen einzelnen Schritten. Idee für Besucherzentrum wird seit mehr als zehn Jahren diskutiert Für die Kritiker, die das Vorhaben ablehnen, gab es genug Gelegenheiten, ihre Argumente anzubringen. Schließlich beschäftigt sich die Stadtpolitik schon seit mehr als zehn Jahren mit der Idee, den Gästen der Jugendstilbauten eine Anlaufstelle zu bieten. Für die Darmstädter war es eine Herzensangelegenheit, dass das in der Jugendstilzeit entstandene Ensemble auf der Mathildenhöhe von der UNESCO zu einem Teil des Weltkulturerbes der Menschheit erklärt wurde. Auf die Bewerbung darum hatte die Stadt jahrelang hingearbeitet. Auf diesem Erfolg darf sich die Stadtregierung nun aber nicht ausruhen. Ebenso energisch muss sie um Gäste für ihre Welterbestätte werben, damit sich das teure Besucherzentrum, das mehr als 20 Millionen Euro kosten wird, nach seiner langen Entstehungsgeschichte auch lohnt. Sehr peinlich wäre es, wenn der gläserne Bau die meiste Zeit leer stünde. Darmstadt darf sich mit diesem Vorzeigeprojekt nicht blamieren.