FAZ 14.01.2026
09:02 Uhr

Rätsel der Astrophysik: Wie macht dieser Zwerg das nur?


Astronomen finden eine farbenfrohe Stoßwelle um einen verglühten Stern. Erklären können sie diese nicht.

Rätsel der Astrophysik: Wie macht dieser Zwerg das nur?

Rot leuchtet der Wasserstoff, das Grün sind Emissionen von Stickstoffatomen, und das Blau stammt von solchen des Sauerstoffs. Das farbenfrohe Quadrat – eingepasst in ein Bild der umgebenden Sterne des Beobachtungsprogramms Pan-STARRS – veröffentlichte die Europäische Südsternwarte ESO am Montag. Aufgenommen hatte es die Spezialkamera MUSE am UT4, dem östlichsten der vier Teleskoptürme des Very Large Telescope der ESO in Chile. Die Farben bilden einen kugelförmigen „Kopf“, der rechts zu einem Schweif auszufransen scheint. Doch ist hier keineswegs ein Komet zu sehen, sondern zum Leuchten angeregtes Gas in der Umgebung des rund 730 Lichtjahre entfernten Sterns RXJ0528+2838 im Sternbild Auriga, dem Fuhrmann. Tatsächlich pflügt dieser sich in Richtung links unten durch das interstellare Medium und bildet in diesem dabei einen sogenannten „bow shock“ aus, eine Bugstoßwelle. Gewaltige Winde Das ist an sich nichts Ungewöhnliches. Auch unsere Sonne erzeugt dort, wo ihr aus geladenen Teilchen bestehender Sonnenwind auf das interstellare Medium trifft, einen bow shock, wenn auch keinen, der von der Energie her in der Lage wäre, Gase aufglühen zu lassen. Trotzdem stehen die Astronomen im Fall von RXJ0528+2838 vor einem Rätsel. Um eine solche Schockfront auszubilden, müssten von dem Objekt gewaltige Materialwinde ausgehen. Doch dieser Stern ist eigentlich eine Leiche, ein sogenannter weißer Zwerg, der langsam verglimmende Überrest eines echten Sterns, dem der nukleare Brennstoff ausgegangen ist. Zwergstern ohne Akkretionsscheibe Doch ist er nicht alleine. Er wird von einem noch aktiven Stern begleitet, von dem immer mal wieder Materie auf den toten Zwerg überfließt und diesem daher weiterhin etwas Aktivität ermöglicht. Normalerweise sammeln sich die transferierten Gase allerdings in einer sogenannten Akkretionsscheibe, bevor sie auf den Zwerg herabregnen. Doch von solch einer Scheibe fehlt jede Spur. Dieser Zwerg hat offenbar keine. Damit ist völlig unklar, wie er seit mindestens tausend Jahren – das legen Form und Größe der Schockfront nahe – ausreichend starke Materiewinde abblasen kann. Die Forscher vermuten in ihrer Veröffentlichung in „Nature Astronomy“ die Beteiligung starker Magnetfelder, doch die genaue Quelle der Energie, die hier die Gase leuchten lässt, bleibt vorerst im Dunklen.