FAZ 14.01.2026
20:00 Uhr

Radverkehr in Wiesbaden: Radschnellwege nach Mainz und Frankfurt


Mit mehreren neuen Verbindungen und einer Fahrradstraße soll es für die Wiesbadener noch attraktiver werden, vom Auto auf das Zweirad umzusteigen.

Radverkehr in Wiesbaden: Radschnellwege nach Mainz und Frankfurt

Die Stadt Wiesbaden investiert weiter in den Ausbau ihrer Radwege mit dem Ziel einer fahrradfreundlichen Kommune. Rund drei Millionen Euro stellt die Stadtverordnetenversammlung bislang Jahr für Jahr bereit und finanziert ein kommunales Radbüro. Auf seiner jüngsten Sitzung hat der Magistrat gleich fünf neue Vorhaben beschlossen. Ihre Verwirklichung soll das Radfahren in der hessischen Landeshauptstadt sicherer, komfortabler und alltagstauglicher machen. Geplant sind mehrere Radschnellverbindungen sowie eine Fahrradstraße. „Das Fahrrad wird immer wichtiger als Alltagsverkehrsmittel und hilft dabei, unsere Straßen zu entlasten“, sagt Verkehrsdezernent Andreas Kowol (Grüne). Der Radverkehrsanteil bei der Fahrt zur Arbeit habe sich in den zurückliegenden Jahren erhöht. Dank E-Bikes sei der Zuwachs auf längeren Strecken besonders stark. Zwischen der Klingholzstraße und dem Theodor-Heuss-Ring soll der erste Abschnitt einer künftigen Radschnellverbindung Wiesbaden–Mainz entstehen. Wiesbaden hofft, dass die Gesamtkosten von rund 900.000 Euro für diesen Abschnitt zu 70 Prozent aus Landesmitteln finanziert werden. Diese Verbindung ist Teil eines Gemeinschaftsprojekts mit Mainz und ist in einer landesweiten Potentialstudie als besonders aussichtsreich bewertet worden. Fahrzeit kürzer, Komfort größer Die Bauvorhaben werden mit den anstehenden Arbeiten der Entsorgungsbetriebe ELW zeitlich abgestimmt, um die Kosten zu senken. Die ELW will westlich der Gleise vor dem Hauptbahnhof einen Bau- und Wartungsweg für einen neuen Hauptsammler errichten. Dieser Weg soll asphaltiert und als Radschnellweg genutzt werden. Einer Revitalisierung der Aartalbahn werde das nicht entgegenstehen, heißt es. Nach den Ergebnissen einer im Jahr 2020 in Auftrag gegebenen Machbarkeitsstudie für eine Radschnellverbindung Wiesbaden–Frankfurt gilt eine leistungsfähige Route zwischen Wiesbaden, Hofheim, Kriftel, Hattersheim und Frankfurt nicht nur als ökologisch, sondern auch als volkswirtschaftlich sinnvoll. Der Magistrat hat sich für die „Vorzugsvariante“ entschieden, die die Fahrzeiten um bis zu 26 Prozent verkürzen und den Fahrkomfort erhöhen soll. Rund zehn Kilometer dieser Strecke liegen auf Wiesbadener Gemarkung. Nun kann in Abstimmung mit den übrigen Anrainerkommunen geplant werden. Auf der ehemaligen Bahntrasse zwischen den Straßen An der Käßmühle und dem Mittelpfad in Erbenheim entsteht eine neue Radstrecke, die Teil der geplanten Radschnellverbindung Wiesbaden–Frankfurt ist. Der Ausbau kostet mehr als 700.000 Euro und wird vom Land gefördert. Ziel ist eine direkte, abseits des Straßenverkehrs verlaufende Verbindung, die die Sicherheit deutlich erhöht und die Berliner Straße entlastet. Das Projekt trägt nach Ansicht von Kowol zur Luftreinhaltung und Verkehrswende bei. Die natur- und landschaftsschutzrechtliche Genehmigung stehe bevor. Einen Termin für den Baubeginn gibt es aber noch nicht. Lücke im Wegenetz wird geschlossen Innerhalb des Stadtgebiets plant Wiesbaden eine neue Fahrradstraße in der Rüdesheimer Straße zwischen Kaiser-Friedrich-Ring und Loreleiring. Durch die direkte Anbindung an die ebenfalls geplante Fahrradstraße in der Adelheidstraße soll eine Lücke im Radnetz geschlossen und eine übersichtliche Verkehrsführung hergestellt werden. Insgesamt fließen 35.000 Euro aus dem städtischen Garagenfonds in das Vorhaben, das den Durchgangsverkehr verringern und den Radfahrern den Anschluss an die Fahrradstraße Adelheidstraße erleichtern soll. Einem Wunsch des Ortsbeirats Wiesbaden-Südost zur Erhöhung der Verkehrssicherheit entspricht laut Kowol die Neuaufteilung des Straßenraums entlang des Theodor-Heuss-Rings. Dieser gilt als wichtige Verbindung für die Stadtteile Biebrich, Südost und Erbenheim sowie Bierstadt und ist die einzige Möglichkeit zur Überquerung der Gleise auf einer Länge von mehreren Kilometern. Die Kosten in Höhe von 192.000 Euro werden über das kommunale Radwegprogramm finanziert. Laut Kowol stärkt Wiesbaden damit den „Umweltverbund“ aus Rad- und Fußverkehr sowie öffentlichem Nahverkehr. Die Vorhaben schafften durchgängige, attraktive Routen für Pendler, förderten die Verkehrssicherheit und leisteten einen Beitrag zum Klimaschutz: „Wir investieren Schritt für Schritt in ein Radnetz, das den Bedürfnissen einer wachsenden und klimafreundlichen Stadt gerecht wird.“ Ebenfalls den Radverkehr fördern soll die seit Langem geplante „Auffahrtsspindel“ zur Kaiserbrücke, mit der eine komfortable Verbindung über den Rhein nach Mainz geschaffen wird. In der Seerobenstraße werden als Verlängerung des Radwegs auf dem ersten Ring schon bald stadtauswärts Radstreifen markiert. In der Adelheidstraße wird die schon erwähnte Fahrradstraße eingerichtet, und der Knotenpunkt mit der Wörthstraße wird zu einem Minikreisel umgebaut.