FAZ 11.02.2026
13:29 Uhr

RB-Kapitän und Hobby-DJ: Gut aufgelegt mit David Raum


Die Rolle als Kapitän gibt David Raum „extra Energie“. Der Hobby-DJ ist verantwortlich für den inzwischen wieder „guten Vibe“ bei RB Leipzig. Doch nun geht es im DFB-Pokal zurück nach München.

RB-Kapitän und Hobby-DJ: Gut aufgelegt mit David Raum

Leipziger Nachtschwärmern ist der junge Mann mit den vielen Tattoos bereits aufgefallen. DJ Roomer nennt er sich, und wer sich neben Tanzmusik auch für Fußball interessiert, der kann relativ leicht entschlüsseln, dass es sich dabei um David Raum handelt. Tatsächlich legt der Verteidiger von RB Leipzig neuerdings in angesagten Clubs der Stadt auf. Ein Nationalspieler hinter den Decks, wo gibt es das sonst zu sehen? „Ich mache das zum Spaß und nur an trainingsfreien Tagen“, sagt Raum. Anzeichen, dass ihn sein ungewöhnliches Hobby in der Ausübung seines Berufs beeinträchtigt, gibt es ohnehin nicht. Im Gegenteil. Viel besser als in dieser Saison könnte es für David Raum kaum laufen. FC Bayern besiegte Leipzig schon mit 6:0 und 5:1 In der Bundesliga hat er sich mit Leipzig nach der schwachen Vorsaison wieder in der Spitze etabliert. Aktuell ist RB Vierter, das würde für eine Rückkehr in die Champions League reichen. Im DFB-Pokal läuft es ebenfalls, Leipzig hat sich bis ins Viertelfinale vorgekämpft. Dort kommt es am Mittwochabend (20.45 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zum DFB-Pokal, in der ARD und bei Sky) zum Auf­einandertreffen mit dem FC Bayern in München. Schwerer hätte die Aufgabe nicht ausfallen können, erst recht nicht in Anbetracht der beiden Ligaspiele, die Bayern 6:0 und 5:1 gewann. „Ganz ehrlich, ich hätte schon lieber bei uns zu Hause gespielt, aber ein DFB-Pokalspiel ist immer anders. Für uns wird es wichtig sein, dass wir mit der richtigen Einstellung ins Spiel gehen und versuchen, es so lange wie möglich offen zu halten. Auch wenn es ein hartes Stück Arbeit wird, wir wollen natürlich weiterkommen“, sagt Raum. Sein Optimismus, seine positive Art, werden in Leipzig geschätzt. Als der gerade verpflichtete Trainer Ole Werner im Sommer einen neuen Kapitän suchte, fiel die Wahl auf Raum. Seitdem führt er RB an. Mit der Rolle hat er sich schnell angefreundet. Wie im Club, wenn er hinter den Decks steht, versucht er, gute Stimmung aufkommen zu lassen. „Mir ist wichtig, einen guten Vibe in der Mannschaft zu verbreiten und für jeden ein offenes Ohr zu haben. Ich bin für jeden da, unterstütze viel, pushe auf dem Platz und gehe voran“, sagt Raum. Den Respekt seiner Mitspieler hat sich der 27 Jahre alte Verteidiger aber nicht als Stimmungskanone verdient, sondern durch seine Leistungen auf dem Platz. Dort zählt Raum seit zwei Jahren zu den beständigsten Leipzigern. Als Linksverteidiger kommt er bereits auf drei Tore und vier Vorlagen, sein Zweikampfverhalten offensiv wie defensiv gilt als vorbildlich. David Raum traf auch schon für Deutschland Kein Vergleich zu seinem ersten Jahr in Leipzig, als er sich nach einer ­beeindruckenden Saison in Hoffenheim zunächst schwertat. Der Sprung zu einem Champions-League-Teilnehmer war dann doch größer als gedacht. Vor allem unter der Woche, wenn die Gegner Liverpool, Madrid oder Manchester hießen, wurden Raum die Grenzen aufgezeigt. Davon kann keine Rede mehr sein. Inzwischen zählt er nicht nur zu den besten Linksverteidigern der Bundesliga, sondern ist auch in der Nationalmannschaft auf dieser Position gesetzt. Den Zweikampf mit dem Stuttgarter Maximilian Mittelstädt hat er schon länger für sich entschieden. Beim wichtigen Qualifikationsspiel gegen Luxemburg erzielte er im Herbst per Freistoß das 1:0. Raum trifft neuerdings nicht nur den Ton, sondern auch das Tor. Sollte in den kommenden Monaten kein größerer Leistungseinbruch erfolgen, wird er als Stammspieler zur Weltmeisterschaft in die USA reisen. „Ich habe in den letzten Monaten viel an mir gearbeitet. Dazu kommt das Thema meiner neuen Rolle, die mir noch einmal extra Energie gibt“, sagt er. Dabei sah es zunächst nicht danach aus, dass es sein Jahr und das von RB Leipzig werden könnte. Nach dem 0:6 zum Bundesligaauftakt in München schien vieles darauf hinzudeuten, dass sich die neu zusammengestellte Leipziger Mannschaft auf ein schmerzhaftes Lehrjahr einstellen muss. Neuer Trainer, neue Spieler – wenig schien zusammenzupassen. Dann folgte allem Pessimismus zum Trotz eine erfolgreiche Hinrunde. „Wir haben mit der Zeit ein besseres Verständnis dafür bekommen, was der Trainer von uns verlangt. Die Abläufe mit und gegen den Ball greifen besser, gleichzeitig ist die Mannschaft enger zusammengerückt und hat sich weiterentwickelt“, sagt Raum, der mit RB zum zweiten Mal den DFB-Pokal gewinnen will. So wie in seiner ersten Saison, als Leipzig das Finale gegen Eintracht Frankfurt für sich entschied. Es war sein erster nationaler Titelgewinn, begleitet von einem Hochgefühl, dass David Raum unbedingt wieder erleben möchte, genau wie die Feier danach. Um einen DJ für die mögliche Pokalparty muss sich RB ohnehin keine Gedanken machen.