FAZ 24.11.2025
16:02 Uhr

Putin als „Zitternder Opa“ Besungen: Junge Musiker fliehen vor Repressionen aus Russland


Dreimal mussten Diana Loginowa und Alexandr Orlow schon ins Gefängnis. Nun verlassen die Mitglieder der Band Stoptime Russland. Vertreter des Putin-Regimes fuhren sie in Autos fort.

Putin als „Zitternder Opa“ Besungen: Junge Musiker fliehen vor Repressionen aus Russland

Die Sängerin und der Gitarrist der Sankt Petersburger Straßenmusikgruppe Stop­time haben nach einer Serie von Arreststrafen Russland verlassen und sind nun „in Sicherheit“, wie unabhängige russische Medien am Sonntagabend berich­teten. Früher an dem Tag waren die unter dem Pseudonym Naoko auftretende 18 Jahre alte Diana Loginowa und der vier Jahre ­ältere Alexandr Orlow aus der Administrativhaft entlassen worden. Dabei fuhren Kräfte des Regimes die beiden in Autos fort, sodass die Musiker nicht mit wartenden Journalisten sprechen konnten, wie das Petersburger Portal Fontanka berichtete. Womöglich haben Präsident Wladimir Putins Strafverfolger die Ausreise zur Bedingung dafür gemacht, von weiterer Repression abzusehen. Eine Reihe von Solidaritätsauftritten Loginowa, Orlow und ihr Perkussionist, der 18 Jahre alte Wladislaw Leontjew, waren Mitte Oktober festgenommen worden, nachdem sie bei zahlreichen Straßenkonzerten Aufsehen insbesondere damit erregt hatten, Lieder exilrussischer Musiker zu spielen, die das Regime als „auslän­dische Agenten“ verfemt, so das Lied „Kooperative Schwanensee“ des Rappers ­Noize MC, das Putin als „zitternden Opa“ schildert. Videos der Auftritte verbreiteten sich über soziale Medien, Denunziationen durch regimetreue Aktivsten folgten. Die Stoptime-Mitglieder wurden die ersten Straßenmusiker in Russland, die infolge solcher Darbietungen zu Arrest­strafen verurteilt wurden – bei Loginowa und Orlow, die sich in der Zeit verlobten, wurden es jeweils drei nacheinander, Leon­tjew wurde nach zwei solcher Strafen am 9. November entlassen. Gegen die jungen Leute wurde unter anderem ein im Angriffskrieg gegen die Ukraine eingeführter Zensurtatbestand der „Diskreditierung der Armee“ angeführt, was die Gefahr auch strafrechtlicher Verfolgung aufzeigte. Das Vorgehen gegen die Musiker löste eine Reihe von Solidaritätsauftritten in Petersburg und anderen russischen Städten aus, die das Regime mit weiterer Strafverfolgung stoppte. Ebenfalls am Sonntag wurde eine junge Sängerin, die ein solches Konzert in der Stadt Perm organisiert hatte, nach einer auch schon zweiten Arreststrafe auf freien Fuß gesetzt.