Es kommt wieder Bewegung in die Nachhaltigkeit. Seit die EU ihr dickes Regulierungspaket zu einer klimaschonenden und fairen Wirtschaft entschlackt hat, macht sich auch Deutschland endlich an die Umsetzung der Brüsseler Regeln in nationales Recht. Deshalb wird jetzt diskutiert, die Prüfung der Nachhaltigkeitsberichte für alternative Prüfdienstleister wie den TÜV oder die Dekra zu öffnen. Nach bisherigem Stand hätten Unternehmen nur Wirtschaftsprüfer mit dieser Aufgabe betrauen können. Befürworter der Marktöffnung argumentieren unter anderem mit der Dominanz weniger Großprüfer, die den Wettbewerb einschränke. Doch der Wettbewerb muss nicht nur schrankenlos, sondern auch fair ablaufen. Dazu gehört, dass jeder Anbieter die gleichen Anforderungen erfüllt. Noch erfüllen alternative Prüfdienste aber bei Weitem nicht die gleichen Anforderungen wie Wirtschaftsprüfer, für die strenge Berufsregeln und Haftungsanforderungen gelten. Zum Wirtschaftsprüfer bestellt der Staat nur Fachleute, die genug Praxiserfahrung gesammelt und ein schweres Berufsexamen absolviert haben. Vor allem müssen Wirtschaftsprüfer unabhängig sein, damit sie unparteiisch urteilen. Das gilt für die klassische Bilanzprüfung genauso wie für die Prüfung von Nachhaltigkeitsberichten. Es wäre verheerend, an die Prüfung der Informationen zur Nachhaltigkeit laxere Anforderungen zu stellen als für die Prüfung klassischer Finanzkennzahlen. Die Nachhaltigkeit ist bei Weitem kein idealistisches Weichthema, sondern ein ökonomisch und rechtlich überaus relevantes Feld, das mindestens ebenso dicht mit Tretminen gepflastert ist wie eine Konzernbilanz. Internationale Investoren haben schon gezeigt, dass sie keinen Spaß verstehen, wenn Unternehmen sich grüner rechnen und darstellen, als sie wirklich sind. Daher ist der im Anhörungsverfahren vorgeschlagene Kompromiss sinnvoll, gesetzliche Regeln für die Anforderungen an alternative Prüfdienstleister zu schaffen. Sobald diese Regeln existieren, könnten die Wettbewerber in die Prüfung der Nachhaltigkeitsberichte einsteigen. Denn dann wären sie auf Augenhöhe.
