Die mutmaßliche Entführerin Olga, nach der im Fall Block lange gefahndet wurde, ist von der Staatsanwaltschaft Hamburg vernommen worden. Das teilte die Vorsitzende Richterin im Prozess um die Entführung der beiden jüngsten Kinder von Christina Block zu Beginn des 29. Verhandlungstages überraschend mit. Die Frau sei am 8. und 12. Januar befragt worden. Ein Vernehmungsprotokoll liege noch nicht vor. Näheres wurde nicht mitgeteilt. Wie die „Bild“ berichtete, wurde zuvor der internationale Haftbefehl gegen sie ausgesetzt. Die Frau, die sich in Hamburg „Olga“ nannte, war laut Anklage „die rechte Hand“ von David B. Er ist Chef der israelischen Sicherheitsfirma Cyber Cupula, die für die Entführung verantwortlich sein soll. In den Monaten, die die Israelis in der Hansestadt wohnten, war Olga eine enge Vertraute der Unternehmerin Block geworden. Als „Doris White“ im Hotel gewohnt Block hatte die Frau in ihren Einlassungen zu Beginn des Prozesses im Sommer als Freundin bezeichnet. Olga, die unter einem zweiten Decknamen („Doris White“) im Hotel der Blocks, dem Grand Elysée, wohnte, sei ihre „Ansprechpartnerin“ rund um die Firma Cyber Cupula gewesen. Ihr habe sie auch ihre Sorgen um die beiden Kinder anvertraut, die seit Sommer 2021 beim Vater lebten. Olga sei diejenige gewesen, die sie nach dem Jahreswechsel angerufen und mit der Nachricht überrascht habe, dass die Kinder sich nicht mehr in Dänemark befänden, sondern in Süddeutschland. Christina Block ist angeklagt, die Entführung ihrer Kinder aus Dänemark am Wohnort ihres Vaters in der Silvesternacht 2023/24 in Auftrag gegeben zu haben. Sie bestreitet das. Nach ihrer Darstellung war die israelische Sicherheitsfirma ausschließlich zur Überprüfung der Cybersicherheit des zur Block-Gruppe gehörenden Elysée-Hotels angeworben worden und handelte ihr zufolge bei der Rückholaktion auf eigene Faust. Der Tat war ein jahrelanger Sorgerechtsstreit zwischen den geschiedenen Eltern vorausgegangen. Im November war bereits David B. von den Ermittlern in Hamburg vernommen worden. Auch in seinem Fall wurde im Gegenzug der internationale Haftbefehl ausgesetzt. Im Dezember hatte er an mehreren Verhandlungstagen als Zeuge im laufenden Prozess ausgesagt, seine Vernehmung ist noch nicht abgeschlossen. Olga und David B. waren kurz nach den Geschehnissen in der Silvesternacht abgetaucht. Sollte die Staatsanwaltschaft Anklage gegen sie erheben, würde ihnen der Prozess in einem unabhängigen, zweiten Verfahren gemacht.
