FAZ 05.01.2026
11:39 Uhr

Prozess in Paris: Transgender-Gerüchte um Brigitte Macron – zehn Angeklagte verurteilt


Neun der zehn Angeklagten haben Bewährungsstrafen zwischen vier und acht Monaten erhalten. Sie hatten online behauptet, Frankreichs First Lady sei eigentlich ein Mann und zudem pädophil.

Prozess in Paris: Transgender-Gerüchte um Brigitte Macron – zehn Angeklagte verurteilt

Im Prozess wegen Cybermobbings von Frankreichs First Lady Brigitte Macron haben die Richter am Montag in Paris neun der zehn Angeklagten zu Bewährungsstrafen zwischen vier und acht Monaten verurteilt. Die 72 Jahre alte Macron war bei der Urteilsverkündung nicht anwesend. Es ist der erste Justizerfolg in der Affäre um böswillige, im Internet gestreute Gerüchte über ihr Geschlecht. Eine zweite Klage ist in den Vereinigten Staaten anhängig. Das Pariser Strafgericht sah es als erwiesen an, dass die zehn Angeklagten – acht Männer und zwei Frauen – wiederholt böswillige Behauptungen über die Präsidentengattin verbreitet hatten. Der Wille, der Klägerin zu schaden, sei „erwiesen“, sagte der Vorsitzende Richter während der Urteilsverkündung. Die Angeklagten hatten in den sozialen Netzwerken behauptet, Brigitte Macron sei eigentlich ein Mann und habe eine Geschlechtsumwandlung vornehmen lassen, die sie geheim halte. Zudem wurde der First Lady Pädophilie vorgeworfen, da sie die Beziehung zu Emmanuel Macron eingegangen sei, als dieser noch minderjährig war. Nur einer der zehn Angeklagten hatte sich entschuldigt Der Werbetexter Aurélien Poison-Atlan, der unter dem Pseudonym Zoé Sagan die Gerüchte befeuert hatte, wurde zu einer Bewährungsstrafe von acht Monaten verurteilt. Eine unter dem Namen Amandine Roy bekannte Frau, die sich als Medium ausgibt, erhielt eine Bewährungsstrafe von sechs Monaten. Ihre Social Media Konten werden zudem für sechs Monate gesperrt. Ihr X-Konto war schon zuvor gesperrt worden. Auch der Galerie-Inhaber Bertrand Scholler, der eine Fotomontage mit einem beharrten Oberkörper Brigitte Macrons verbreitet hatte, wurde zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Die weiteren Angeklagten gelten als Mitläufer und erhielten Bewährungsstrafen von vier Monaten. Von den zehn Personen hatte sich nur einer, Jean-Christophe D., bei der Präsidentengattin entschuldigt. Er muss sich nur einem Seminar über Online-Missbrauch unterziehen. Brigitte Macron hatte den Ermittlern bei der Einreichung ihrer Klage gesagt, dass das Gerücht, sie sei eine Transfrau, „sehr starke Auswirkungen\" auf ihr Umfeld und auf sie selbst gehabt habe. Sie berichtete, dass ihre Enkelkinder gehört hätten, dass „ihre Großmutter ein Mann\" sei. Ihre Tochter Tiphaine Auzière sagte vor Gericht, die weltweit verbreiteten Falschbehauptungen hätten Auswirkungen auf die Gesundheit ihrer Mutter, die angesichts der ständigen Infragestellung ihrer „Identität\" „ständig auf der Hut\" sei. Außer in Frankreich klagen Präsident Macron und Ehefrau Brigitte auch in Amerika wegen Verleumdung gegen die Influencerin Candace Owens. Die Klage im Bundesstaat Delaware richtet sich unter anderem gegen Owens Behauptung, Brigitte Macron sei als Mann geboren worden. Die Franzosen werfen ihr vor, wissentlich Falschbehauptungen verbreitet zu haben. Die Macrons seien durch diese Behauptungen zum Opfer einer „globalen Erniedrigungs-Kampagne\" geworden, die „invasiv, entmenschlichend und zutiefst unfair\" sei, heißt es in der Klage. Owens hielt nach Bekanntwerden der Klage an ihren Aussagen fest.