FAZ 16.01.2026
13:39 Uhr

Prozess gegen Influencerin: Chiara Ferragni: Das ist kein halber Freispruch


Der Betrugsprozess gegen Italiens bekannteste Influencerin hat mit einem Freispruch geendet. Trotzdem erntet Chiara Ferragni weiterhin Kritik. Nun hat sie versucht, sich zu erklären.

Prozess gegen Influencerin: Chiara Ferragni: Das ist kein halber Freispruch

Die italienische Influencerin Chiara Ferragni hat mit einem umfangreichen Eintrag auf Instagram auf ihren Freispruch reagiert. Ein Gericht in Mailand hatte sie am Mittwoch vom Vorwurf des schweren Betrugs freigesprochen. Die Staatsanwaltschaft hatte in dem Verfahren im Zusammenhang mit Verkaufsaktionen zu vorgeblich wohltätigen Zwecken (Pandoro-Gate) eine Freiheitsstrafe von 20 Monaten gefordert. Unmittelbar nach dem Urteilsspruch hatte sich die 38 Jahre alte Geschäftsfrau erleichtert gezeigt und vom „Ende eines Albtraums“ gesprochen. In dem Post auf Instagram weist Ferragni die Darstellung zurück, das Urteil sei nur ein „halber Freispruch“. Diese Lesart war in den Medien verbreitet worden. Denn der Richter hatte das Urteil damit begründet, dass die besondere Schwere des Betrugs nicht habe bewiesen werden können. Nur bei schwerem Betrug kann und muss die Staatsanwaltschaft in Italien diesen als Offizialdelikt verfolgen, bei einfachen Betrugsfällen muss eine Anzeige des oder der Geschädigten vorliegen. Die Entscheidung von Mailand sei gerade „kein ‚Teilfreispruch‘ gewesen, wie manche es dargestellt haben“, schreibt Ferragni. Das Urteil sei „im Gegenteil noch deutlicher: Es bedeutet, dass dieses Verfahren in seiner jetzigen Form gar nicht erst hätte stattfinden können.“ Ferragnis Auslegung des Urteils ist fragwürdig Diese Auslegung des Urteils ist fragwürdig. Denn zu Beginn des Verfahrens hatten die Voraussetzungen für dessen Anstrengung durchaus vorgelegen, nämlich in Form einer Betrugsanzeige durch den Verbraucherschutzverband Codacons. Der Verband zog die Strafanzeige aber zurück, nachdem Ferragnis Anwälte vereinbart hatten, dass die Unternehmerin 200.000 Euro zugunsten eines Projekts zum Schutz von weiblichen Gewaltopfern spenden würde. Schon zuvor hatte Ferragni nach einer Einigung mit der Wettbewerbs- und Kartellbehörde Straf- und Spendenzahlungen in Höhe von 3,4 Millionen Euro geleistet. Die weitere Spende in Höhe von 200.000 Euro interpretieren Juristen als besonders klugen Schachzug der Anwälte Ferragnis. Mit der Rücknahme der Anzeige der Verbraucherschützer war die rechtliche Grundlage für eine mögliche Verurteilung wegen einfachen Betrugs nicht mehr gegeben. Stattdessen mussten die Strafverfolger besonders schweren Betrug nachweisen, was ihnen nach Ansicht des Richters nicht gelungen war. Ferragni hatte zu Ostern 2021 und 2022 und zu Weihnachten 2022 bei Verkaufsaktionen für Schokoladeneier und den Weihnachtskuchen Pandoro zu deutlich überhöhten Preisen den Eindruck erweckt, dass der Erlös anteilmäßig wohltätigen Zwecken zugutekomme. Stattdessen war von den beteiligten Unternehmen jeweils schon vor Beginn der Aktionen eine Spende in überschaubarer Höhe geleistet worden, während der Zusatzerlös in Millionenhöhe in die Kassen Ferragnis und der Hersteller der Süßigkeiten floss. „Ich habe bezahlt, den Fehler korrigiert und mich entschuldigt!“ In ihrem Instagram-Post bekräftigt Ferragni, es habe sich dabei „um einen Verwaltungsfehler, nicht um eine Straftat gehandelt“. Die vergangenen zwei Jahre seien „gelinde gesagt schwierig“ für sie gewesen – jedoch nicht, weil sie an sich selbst gezweifelt hätte, sondern weil ihr Leben „unter ständiger Beobachtung“ gewesen sei, ohne dass sie sich habe verteidigen oder erklären können. „Ich habe stets die Verantwortung für die irreführende Werbung übernommen. Ich habe verstanden, dass es ein Fehler war, und es war richtig, ihn einzugestehen. Das habe ich getan: Ich habe bezahlt, den Fehler korrigiert und mich entschuldigt“, schreibt Ferragni. Durch „Pandoro-Gate“ hat die Karriere der bekanntesten und erfolgreichsten Influencerin Italiens einen Knick erfahren. Ihre Unternehmen sollen seither Verluste in Höhe von mindestens zehn Millionen Euro erlitten haben, Shops in Rom und Mailand mussten geschlossen werden. Auch das Ende der 2018 mit dem Rapper Fedez geschlossenen Ehe soll durch den Skandal verursacht worden sein. Die seit 2025 geschiedenen Eheleute, über viele Jahre eines der bekanntesten Promipaare Italiens, teilen sich seither das Sorgerecht für die beiden gemeinsamen Kinder.