FAZ 05.02.2026
16:57 Uhr

Prozess gegen Høiby: „Ich habe, soweit ich weiß, noch nie jemanden unter Drogen gesetzt“


Filmaufnahmen sollen die Vergewaltigungsvorwürfe gegen Marius Borg Høiby belegen – der gibt vor Gericht an, er könne sich an nichts erinnern. Der Sohn von Mette-Marit äußert sich allerdings zu seinem Porno-Konsum.

Prozess gegen Høiby: „Ich habe, soweit ich weiß, noch nie jemanden unter Drogen gesetzt“

Ich habe, soweit ich weiß, noch nie jemanden unter Drogen gesetzt“, sagte Marius Borg Høiby am Donnerstag vor dem Amtsgericht in Oslo. Da wurde er zu der möglichen Vergewaltigung einer Frau im Dezember 2018 befragt. Sie hatte angegeben, mit ihm nach einer Party in Skaugum, der Residenz des Kronprinzenpaars, ­einige Sekunden lang Sex gehabt, das aber abgebrochen zu haben. Danach soll er sie laut Anklage vergewaltigt ­haben. Die Zeit danach sei für sie wie ein „großes schwarzes Loch“ gewesen, hatte die junge Frau vor Gericht gesagt. Sie glaube, unter Drogen gesetzt worden zu sein. Zu Aufnahmen von ihr, die bei Høiby gefunden worden waren, sagte sie: „Sehen Sie mein Gesicht: Es ist doch klar, dass ich völlig bewusstlos bin. Es sieht sogar so aus, als würde ich nicht atmen.“ Die Anklage wirft Høiby vor, die Frau im Geschlechtsbereich berührt und davon Aufnahmen gemacht zu haben. Fotos und Videos, die auf Høibys Computer gefunden wurden, sollen die Frau mit geschlossenen Augen auf einem ­Sofa liegend und mit entblößtem Unterleib zeigen. Gefunden wurden die Aufnahmen offenbar auf seinem Computer in einem Ordner namens „porrrr“. Wegen der Filmaufnahmen ist er nicht angeklagt, der Fall ist verjährt. Vor Gericht gab er an, sich nicht an den Vorfall erinnern zu können. In der Nacht, als die mutmaßliche Vergewaltigung geschah, sollen auch das Kronprinzenpaar und Høibys Geschwister, Prinzessin Ingrid Alexandra und Prinz Sverre Magnus, in Skaugum gewesen sein. „Ich habe mir schon viele seltsame Dinge angesehen“ Nach Angaben der Staatsanwaltschaft soll Høiby die Frau mehrfach gefilmt und dazwischen Nachrichten an einen Freund verschickt haben. Høiby gab dazu laut norwegischen Medien an, dass es für ihn nicht ungewöhnlich sei, während des Sex Nachrichten zu verschicken oder zu telefonieren. Er bestritt die Schuld an der Vergewaltigung, die laut Anklage ohne Geschlechtsverkehr erfolgte, ebenso wie er weiterhin auch die Schuld an den anderen drei Vergewaltigungen abstreitet, die ihm zur Last gelegt werden. Laut der Zeitung „Aftenposten“ sagte er, er könne sich nicht daran erinnern, die Frau gefilmt zu haben. Doch gab er an, die Videodateien am nächsten Tag bei sich gefunden zu haben. Der Sohn von Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit war im August 2024 erstmals verhaftet worden. Die Vorwürfe der Vergewaltigungen streitet er ab, andere Vorwürfe aber gestand er ein, darunter etwa Körperverletzung, Drohung und Sachbeschädigung. Die Ermittler stellten bei ihm mehrere digitale Geräte sicher, die er so eingestellt hatte, dass sich die Inhalte aus der Ferne ­löschen lassen. Doch dies erfolgte offenbar nicht. Aus den Geräten geht hervor, dass er sich Pornofilme mit Begriffen wie „Vergewaltigung“ und „ohnmächtig“ im Titel angesehen hatte. „Ich habe mir schon viele seltsame Dinge angesehen“, sagte Høiby dazu vor Gericht. Aber beim Anschauen von Pornos habe er sich nicht auf den Text, sondern auf die Bilder konzentriert. Er habe keine Vorliebe für Vergewaltigungen. Der Anklage zufolge googelte er nach dem Unterschied zwischen Missbrauch und Vergewaltigung. Demnach suchte er auch nach seinem eigenen Namen und dem Begriff der Vergewaltigung sowie nach „Vergewaltigung“, „bewusstlos“ und „betrunkene Frau“. Dazu sagte Høiby am Donnerstag, er habe danach gesucht, weil er Gerüchte gehört habe, er habe eine Frau vergewaltigt. Dazu ­seien „völlig verrückte Dinge“ geschrieben worden, etwa auf der Plattform Reddit. Zuvor hatte er zu dem Thema gesagt: „Ich bekomme alles mit. Ich lese ­alles, was geschrieben wird, nicht nur in den Medien, sondern auch in Foren und sozialen Medien.“ Høibys Vernehmung hatte am Mittwoch begonnen, dabei gestand er, ein Leben im Exzess mit „viel Sex, viel Drogen und viel Alkohol“ gelebt zu haben. Grund dafür sei sein „ex­trem hohes ­Bedürfnis nach Anerkennung“, das er schon sein gesamtes Leben lang gehabt habe.