FAZ 18.02.2026
14:43 Uhr

Prozess gegen Høiby: „Es schien, als wäre er nur auf eine Sache aus“


Insgesamt 27 Videos soll Marius Borg Høiby in einer Nacht von einer teils schlafenden Frau gemacht haben. Die Betroffene berichtet vor Gericht in Oslo von einer „ekelhaften und unangenehmen Situation“.

Prozess gegen Høiby: „Es schien, als wäre er nur auf eine Sache aus“

27 Videos von sexuellen Handlungen an einer Frau in Oslo soll Marius Borg Høiby in einer Nacht aufgenommen haben – unter anderem während sie schlief. Am Mittwoch sagte die Betroffene vor dem Osloer Amtsgericht gegen den Sohn der norwegischen Kronprinzessin aus, als letzte von vier Frauen, die Høiby vergewaltigt haben soll. Dabei erhob sie schwere Vorwürfe: Nach einvernehmlichem Sex sei sie in der Nacht im Herbst 2024 in einem Hotel im Zentrum Oslos eingeschlafen, aber mehrmals davon geweckt worden, dass er seine Finger in ihre Vagina eingeführt haben soll. Ein weiteres Mal habe sie einen harten Schlag gegen ihre Vagina gespürt. Einmal habe sie sich umgedreht und einen Blitz gesehen, danach habe Høiby schnell sein Handy weggenommen. Sie habe Angst gehabt, sagte die Frau auf eine Frage der Staatsanwaltschaft, die Situation sei so „ekelhaft und unangenehm“ geworden, dass sie nichts zu Høiby sagen wollte, als dieser ging. Im Hotel soll Høiby sich plötzlich anders gezeigt haben Sie sei damals wegen eines Konzerts in Oslo gewesen, auf einer After-Party habe sie Høiby kennengelernt. Damals waren gegen den Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit schon Gewaltvorwürfe im Falle einer früheren Freundin erhoben worden, er war zwischenzeitlich kurz festgenommen worden. Auf der Party habe es viel Mitgefühl für Høiby gegeben, sagte die Frau. Sie hätten auch Trinkspiele gespielt. Eine Aufgabe an sie sei gewesen, nackt dazusitzen. Das habe sie abgelehnt, aber ihr Oberteil ausgezogen. Høiby nahm demnach Kokain, die Frau war betrunken, aber nicht extrem. Gegen 4.30 Uhr sei sie mit ihm in ein Hotel gegangen. Dort soll er, der sich zuvor sehr fürsorglich gezeigt habe, sehr anders gewesen sein. „Ich hatte mir vorgestellt, dass es schön sein würde, ihn mit ins Hotel zu nehmen. Aber als wir dort ankamen, wirkte er sehr gestresst und kalt. Es schien, als wäre er nur auf eine Sache aus“, zitierte die Zeitung „Aftenposten“ die Frau. Als einzige der vier Betroffenen hatte sich die Frau später selbst an die Polizei gewandt, nachdem sie gelesen hatte, dass auf Høibys Handy eine große Menge Videos und Fotos sichergestellt wurden. Schließlich hatte sie den Verdacht, gefilmt worden zu sein. Sie sei dann schockiert darüber gewesen, wie viele Aufnahmen Høiby gemacht hatte. Høiby will sich nicht erinnern können Auch im Falle der drei anderen Frauen, die in den vergangenen Tagen in Oslo gegen Høiby ausgesagt haben, soll es zunächst zu einvernehmlichem Sex gekommen sein, stets nach Alkoholkonsum. Danach soll Høiby sie vergewaltigt haben, meist im Schlaf. Eine der Frauen, die er auf den Lofoten getroffen hatte, gab an, sie sei aufgewacht, als er „in Aktion“ gewesen sei. Sie habe sich gedacht, sie verstehe nicht, wie jemand Sex mit einer Person haben könne, die schlafe. Dann habe sie die Augen wieder geschlossen, um das Geschehen auszublenden. Sie habe das Gefühl gehabt, den eigenen Körper zu verlassen. Høiby ist der vierfachen Vergewaltigung angeklagt, insgesamt 38 Punkte umfasst die Anklageschrift, darunter mehrere Fälle heimlicher Filmaufnahmen. Høiby bestätigte, die Videos aufgenommen zu haben, gab aber mehrfach an, sich an nichts mehr erinnern zu können. Teils stritt er auch ab, dass die Frauen während der Aufnahmen schliefen.