FAZ 02.01.2026
16:24 Uhr

Proteste in Iran: Trumps Drohung


Trump droht mit einer Intervention in Iran, aber der Schutz von Demonstranten wäre etwas anderes als die Bombardierung von Atomanlagen. Das weiß auch das Regime in Teheran.

Proteste in Iran: Trumps Drohung

Die aktuellen Demonstrationen in Iran zeigen, wie schwer sich das Regime tut, das Land dauerhaft unter Kontrolle zu halten. Die jüngste Protestwelle liegt gerade einmal drei Jahre zurück, und auch davor gab es immer wieder Unruhen. Im Jahr 2022 waren die Frauenrechte der Anlass, diesmal ist es die wirtschaftliche Lage. Aber auch die lässt sich nicht von der Politik des Regimes trennen. Die Sanktionen, die Iran so zusetzen, sind eine direkte Folge der Atom- und Rüstungspolitik des Landes, seiner Unterstützung von Terrororganisationen wie der Hamas und der Hizbullah sowie von Menschenrechtsverletzungen. Die Repression, mit der die Führung auch jetzt wieder reagiert, dürfte weder die Bevölkerung auf Dauer ruhigstellen noch zu einer Abmilderung der westlichen Sanktionen führen. Zurück zur neokonservativen Politik? Das zeigt auch die Reaktion Trumps. Seine Drohung mit einer Intervention wird man schon allein deshalb nicht auf die leichte Schulter nehmen, weil der Präsident im Sommer gezeigt hat, dass er zu militärischem Handeln in Iran bereit ist. Die Bombardierung von Atomanlagen ist allerdings etwas anderes als der Schutz von Demonstranten in einem großen Land. Trump nähert sich hier rhetorisch wieder der neokonservativen Regimewechsel­politik, von der (nicht nur) er eigentlich nichts mehr wissen wollte. Das wiederum weiß man auch in Teheran, was die Aussichten für die Demonstrationen nicht verbessert.