Nadia Doukali blickt glücklich auf den vollbepackten Tisch. Mehrere ihrer blauen und lilafarbenen Ramadankalender sind auf einem Tisch in der Confiserie-Abteilung im Warenhaus Galeria in Frankfurt aufgebaut. Daneben stehen Dattelpackungen ihres Unternehmens Maison Slilou. Ein blaues Schild mit Halbmond und Laternen und der Aufschrift „Ramadan Kareem“ pendelt über den Leckereien. Sie sind anlässlich des muslimischen Fastenmonats im Einkaufszentrum prominent platziert. Der Ramadan beginnt nach dem islamischen Mondkalender in diesem Jahr am 18. Februar. „Viele Menschen sind sehr neugierig, und einige haben sogar Kalender für Ostern mitgenommen“, erzählt Doukali. Vor zehn Jahren hat die 54 Jahre alte Frankfurter Unternehmerin ihren ersten „Iftarlender“ produzieren lassen. Der Name ist eine Wortschöpfung aus Iftar (Fastenbrechen) und Kalender. Sie hat ihn sich patentieren lassen. 30 Türchen mit einer Schokodattel, eine für jeden Tag des Ramadans, angelehnt an den christlichen Adventskalender. Etwas Vergleichbares gibt es in der muslimischen Welt nicht. „Ich habe ihn damals für meine Kinder und mich erfunden“, sagt die dreifache Mutter. Deko-Artikel bei Ikea, Action und Woolworth Der Inhalt soll für die Fastenden eine süße Belohnung nach einem Tag des Verzichts auf Essen und Trinken von Morgendämmerung bis Sonnenuntergang sein. Rund 1000 Stück waren es im Jahr 2016, die in einigen Rewe-Märkten im Rhein-Main-Gebiet und über Doukalis Webshop verkauft wurden. „Die Palette war damals bei mir im Keller gelagert“, erinnert sich die Unternehmerin. In diesem Jahr hat Doukali 30.000 Stück für die größeren Galeria-Filialen produzieren lassen. Ein kleiner Rest ist noch im Webshop erhältlich. Der Kalender kostet 20 Euro. „Unser Anspruch ist es, die Vielfalt unserer Gesellschaft auch im Sortiment widerzuspiegeln und unterschiedliche saisonale Bedürfnisse zu berücksichtigen“, teilt Galeria mit. Der Ramadankalender sei in ausgewählten Filialen erhältlich und richte sich an Kunden, für die der Fastenmonat ein wichtiger Bestandteil des Jahres sei. In vielen großen Geschäften spielt der Ramadan heute eine Rolle, die Händler haben die rund 5,5 Millionen Muslime in Deutschland als wichtige Kundengruppe für sich erkannt. Die schwedische Möbelhauskette Ikea wirbt mit Dekorationen, Geschirr und Textilien zum Ramadan. Die Haushaltswarenketten Action und Woolworth haben ebenfalls jede Menge Dekorationsartikel wie Tischdecken, Servierschalen im Mond-und-Sterne-Design, Keksdosen, Tabletts oder Duftkerzen im Angebot. „Wenn man zurückblickt, war von Orient im Handel früher gar nichts zu sehen“, sagt Doukali. Doukali hat auch zwei Kinderbücher geschrieben Die Unternehmerin kann sich heute als Vorreiterin fühlen, da sie schon früh versucht hat, Produkte für Muslime in der Öffentlichkeit sichtbarer zu machen. Die habe es früher nur in den türkischen oder marokkanischen Supermärkten gegeben. „Ich habe wirklich darum kämpfen müssen, dass der Ramadan in die Geschäfte kommt“, erinnert sie sich an ihre Anfänge. Sie ist überzeugt, dass ihr Kalender geholfen habe, Muslime als Konsumenten sichtbar zu machen. Sie habe mit ihrem Ramadankalender sehr naiv angefangen, erinnert sich die gebürtige Marokkanerin, die im Alter von vier Jahren nach Deutschland kam. Doukali hat als Sekretärin gearbeitet, aber die kreative Ader war und ist bei ihr stark ausgeprägt. Sie hat zwei Kinderbücher geschrieben: „Muhammad, Prophet des Friedens“ und „Fayzal, der Krebsfänger“. Dann kam ihr die Idee mit dem Ramadankalender. In der prophetischen Tradition brechen Muslime in vielen Teilen der Welt mit einer Dattel ihr Fasten. So war eine Schokodattel für Doukali am naheliegendsten. Ihr war von Anfang an wichtig, dass die Schokolade aus fairem Handel kommt und kein Palmöl benutzt wird. Doukali hat viel recherchiert, viele Unternehmen gefragt, viele Abfuhren kassiert, bis sich erste Türen geöffnet haben. Der erste Kalender ist rund zwei Jahre nach der Idee bei ihrem damaligen Unternehmen Honeyletter erschienen. Andere Unternehmen haben Schokokalender für Kinder rausgebracht In den darauffolgenden Jahren seien es zwischen 50.000 und 100.000 Kalender gewesen. „Das hört sich viel an, aber es waren rund 1000 Filialen aus Deutschland, England und Frankreich, die bestellt haben“, erzählt Doukali. Sie habe nur nach Bestellung verkauft. Zwischenzeitlich war ein Investor interessiert. Er habe aber nur die Zahlen und nicht das Produkt im Kopf gehabt, sagt die Unternehmerin. Zuletzt hat sie zwei Jahre komplett auf die Herstellung des Kalenders verzichtet. Der Grund: In der Zwischenzeit haben viele Unternehmen die Chance gewittert und reine Schoko-Ramadankalender in Drogerien und großen Supermarktketten, die zwischen sieben und zehn Euro kosten, auf den Markt gebracht. „Die haben sich an Kinder gerichtet, und nicht an die Erwachsenen“, sagt Doukali. In diesen Wettbewerb habe sie nicht einsteigen wollen. Stattdessen hat sie sich auf den Ausbau ihres im Jahr 2021 gegründeten Unternehmens Maison Slilou konzentriert. In der Braubachstraße hat sie seit vergangenem Jahr ein Ladengeschäft mit Handwerk aus Marokko und orientalischer Feinkost. Sie hat sich auf die Einfuhr von Datteln aus dem Nahen Osten spezialisiert und in den vergangenen Jahren verschiedene Confiserie-Produkte wie Schokolade und Pralinen entwickelt. Diese werden mit belgischer Callebaut-Schokolade in der Slowakei hergestellt. Unter dem Label Slilou werden die verschiedensten Dattelsorten in Rewe- und Edeka-Märkten und bei Galeria verkauft. „Der Kalender muss eine hohe Qualität haben“ Den Verantwortlichen von Galeria hat sie auch ihre Idee des „Iftarlenders“ präsentiert. „Der Ramadan ist mir so wichtig, dass der Kalender eine hohe Qualität haben muss“, sagt Doukali. Ihr Ansporn sei es immer gewesen, etwas für die Fastenden zu machen. Um die Spiritualität des Fastenmonats hervorzuheben, stehen auf den einzelnen Türchen religiöse Begriffe. Zum Beispiel das Wort Sabr, das auf Deutsch Geduld bedeutet. Nadia Doukali hat schon weitere Ideen. Einen hochwertigen Kinderkalender mit Süßem und einem Puzzle, den sie schon einmal im Sortiment hatte, soll wieder aufgelegt werden. Um diese Projekte weiterverfolgen zu können, muss sich der Ramadankalender aber erst einmal gut verkaufen. Bei einer Verköstigungsaktion hat sie viel Zuspruch erfahren. „Auch viele Nichtmuslime kaufen die Kalender, um sie vielleicht ihren Freunden oder Nachbarn zu schenken“, sagt Doukali. Wenn sie nicht nur den Fastenden, sondern auch für die Verständigung der Menschen etwas Gutes tun kann, freue sie das. Und wenn die Verkaufszahlen stimmen, kann es auch im nächsten Jahr vollgepackte Tische in den Warenhäusern Deutschlands mit ihren Kalendern geben.
