FAZ 09.12.2025
17:14 Uhr

„Pride Match“ bei Fußball-WM: Das Spiel des Präsidenten


Im „Pride Match“ der Fußball-WM 2026 trifft Ägypten auf Iran. Im Westen wird sich darüber nun amüsiert, doch die entscheidende Botschaft gilt nicht der arabischen Welt. Sie ist umso wichtiger.

„Pride Match“ bei Fußball-WM: Das Spiel des Präsidenten

Wer offen lesbisch, schwul, bi, trans oder queer ist und in Ägypten oder Iran lebt, muss um sein Leben fürchten. Und sehr wahrscheinlich wird keiner dieser Menschen weniger fürchten müssen, weil während der Fußballweltmeisterschaft 2026 in der Stadt Seattle an dem Tag das sogenannte „Pride Match“ veranstaltet wird, an dem dort, wie sich nun herausgestellt hat, die Nationalmannschaften aus Ägypten und Iran aufeinandertreffen werden. In dem Teil der Welt, den wir den Westen nennen, wird sich nun über diese angebliche Pointe amüsiert. Ägypten, Iran, LGBTQ+, ätschbätsch. Doch das, was in Seattle passieren soll, ist aus einem anderen Grund hervorhebens- und auch unterstützenswert. Dort haben die WM-Organisatoren der Stadt die Veranstaltung des „Pride Matches“ schon lange vor der Auslosung des Spielplans angekündigt — und damit deutlich gemacht, wo die Botschaft ankommen soll: vielleicht schon auch in Ägypten und Iran, vor allem aber im Weißen Haus. Als der Philosoph Jürgen Habermas kürzlich in der „Süddeutschen Zeitung“ analysiert hat, wie Donald Trump in seiner zweiten Amtszeit als Präsident der Vereinigten Staaten die Machtverhältnisse zwischen Exekutive und Judikative verschiebt, hat er seiner Analyse auch diesen Kommentar hinzugefügt: „Das erstaunlichste und bisher nicht plausibel erklärte Phänomen dieser schleichenden, aber zielsicher verfolgten Machtübernahme ist überhaupt der Kleinmut einer weithin widerstandslosen Zivilgesellschaft […].“ Das, was in Seattle passieren soll, ist nicht der Widerstand, den Habermas sich wünscht, und sicher auch nicht der Widerstand, der nötig sein wird. Doch es ist schon das Ergebnis einer widerstandsfähigen Zivilgesellschaft, die sich schon lange für LGBTQ+-Rechte einsetzt. In Seattle spielen sie das Spiel, das auch der Präsident spielt. Sie nutzen die Aufmerksamkeit, die das größte Sportereignis der Welt bietet, um dieser Welt ihr Bild zu zeigen. Sie werden dieses Bild nicht im Stadion präsentieren, das dürfen sie nicht und das sollten sie auch nicht dürfen. Doch dass dieses Bild dennoch sichtbar sein wird, sieht man nun schon daran, dass der Präsident des iranischen Fußballverbandes, Mehdi Taj, laut der Nachrichtenagentur Isna gesagt hat, dass sowohl sein als auch der ägyptische Verband Protest eingelegt haben. Und was macht Präsident Trump? Für den Fall, dass er sich im Widerstand gegen das „Pride Match“ mit Iran, mit dem Staat, den er in diesem Jahr hat angreifen lassen, verbünden würde, wäre das wirklich eine amüsante Pointe: Weil er dafür wohl seinen Stolz überwinden müsste.