FAZ 16.01.2026
12:48 Uhr

Präsidentenwahl: Ugandisches Militär umstellt offenbar Haus von Bobi Wine


Nach der Präsidentenwahl in Uganda sieht die Wahlkommission Langzeitmachthaber Museveni weit vorn. Sein Kontrahent kann sich nicht mehr frei bewegen, teilt seine Partei mit.

Präsidentenwahl: Ugandisches Militär umstellt offenbar Haus von Bobi Wine

Der ugandische Oppositionspolitiker Bobi Wine wird nach Angaben seiner Partei mit seiner Frau in seinem Haus in der Hauptstadt Kampala festgehalten. Wie ein Führungsmitglied der National Unity Plattform (NUP) dem Fernsehsender NTV mitteilte, hat das Militär das Haus umstellt. In ähnlicher Weise hatten Sicherheitskräfte Wine schon nach der Wahl vor fünf Jahre unter Hausarrest gestellt, damals dauerte die Belagerung mehrere Tage lang. Die Wahlkommission verkündete am Freitagmorgen einen deutlichen Vorsprung des amtierenden Präsidenten Yoweri Museveni in der Präsidentenwahl. Nach Auszählung der Stimmzettel aus der Hälfte der Wahllokale habe Museveni 76 Prozent erreicht, Wine befinde sich mit 20 Prozent auf dem zweiten Platz. Das endgültige Ergebnis wird an diesem Samstag erwartet. Die Wahl fand am Donnerstag in einer angespannten Atmosphäre und mit hoher Militär- und Polizeipräsenz auf den Straßen statt. Bereits zwei Tage vorher hatte die Kommunikationsbehörde die Telekommunikationsunternehmen angewiesen, den Zugang zum Internet zu sperren. In einer Pressekonferenz in seinem Haus in Magere nördlich von Kampala sagte Wine, die Wahl finde „im Dunkeln“ statt. Massiver Wahlbetrug sei zu befürchten. Spitzname „Ghetto-Präsident“ Museveni, der das Land seit 40 Jahren mit zuletzt immer härterer Hand führt, tritt im Alter von 81 Jahren für eine siebte Amtszeit an. Der 43 Jahre Wine, ein ehemaliger Pop-Musiker, der mit bürgerlichem Namen Robert Kyagulanyi Ssentamu heißt, fordert ihn zum zweiten Mal heraus. Aus seiner Sicht hatte er bereits die Wahl 2021 klar gewonnen. Damals war ebenfalls das Internet blockiert worden. Es kam zu Protesten, die von den Sicherheitskräften brutal niedergeschlagen wurden. Mehr als 50 Menschen wurden nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen getötet. Vor dieser Wahl versuchten die Sicherheitskräfte abermals, fast alle Kundgebungen des Oppositionspolitikers zu stören. Sie blockierten Zufahrtsstraßen und vertrieben seine Anhänger mit Stöcken und Tränengas. Mehrere Hundert Menschen wurden seit Jahresbeginn verhaftet, unter ihnen viele Mitglieder der NUP.  Wine trat im Wahlkampf stets in Helm und schusssicherer Weste auf und konnte trotz der Repressionen nahezu alle geplanten Auftritte absolvieren. In sozialen Netzwerken kursierten Fotos, die ihn umringt von jubelnden Menschenmengen zeigen. Vor allem unter jungen Ugandern hat er viele Anhänger, die von der 40 Jahre langen Herrschaft ihres Präsidenten genug haben, über ihre Lebensbedingungen frustriert sind und Wine als einen der ihren sehen, der den Aufstieg geschafft hat. Die Hälfte der Bevölkerung in Uganda ist jünger als 16 Jahre. Weil Wine aus ärmeren Verhältnissen stammt, wird er von seinen Unterstützern auch „Ghetto-Präsident“ genannt oder – seit der aus ihrer Sicht gewonnen Wahl 2021 – „Präsident“. In den Wahlkampf gegen den amtierenden Präsidenten war er mit dem Aufruf zu einer „Protestwahl“ gezogen, wobei er in einem mehr als 90 Seiten lang Wahlprogramm eine bessere Infrastruktur, ein besseres Bildungs- und Gesundheitswesen und zehn Millionen Arbeitsplätze binnen fünf Jahren versprach. Außerdem kündigte er an, die Korruption zu bekämpfen und die Verträge der Museveni-Regierung mit der Ölindustrie zu überprüfen. Hartes Vorgehen auch am Wahltag Der Wahlkampfslogan des Präsidenten lautete indes „die Errungenschaften schützen“. Museveni, der einst gegen das Terrorregime von Idi Amin gekämpft hatte, hat insbesondere unter älteren Ugandern treue Anhänger, die nicht zuletzt die Unwägbarkeiten eines Regierungswechsels fürchten. Zweimal änderte er die Verfassung, um lange an der Macht bleiben zu können. Wie in früheren Jahren profitiert er zudem von einer zersplitterten Opposition. Vor der Abstimmung zeigte er sich gegenüber Reportern zuversichtlich, diese Wahl mit 80 Prozent zu gewinnen, „wenn nicht betrogen wird“, fügte er hinzu. Am Wahltag öffneten einige Wahllokale erst mit Verspätung, weil die neu angeschafften Geräte zur Überprüfung der biometrischen Daten nicht funktionierten. Selbst der Präsident hatte bei der Stimmabgabe zunächst Schwierigkeiten. Wie lokale Beobachter der F.A.Z berichteten, wurden einige Wahllokale vom Militär und der Polizei bewacht. Mancherorts hätten die Sicherheitskräfte Tränengas und härtere Gewalt gegenüber Oppositionellen und Journalisten eingesetzt. An einigen Orten seien Reporter auf Motorrädern geflüchtet. Die Regierung rechtfertigte das harte Vorgehen im Wahlkampf regelmäßig mit dem Verweis auf die öffentliche Sicherheit. Auch mehreren Organisationen, die sich mit Demokratie und Menschenrechten befassen, wurde mit dieser Begründung vorübergehend ihre Zulassung entzogen. Aus Angst vor Ausschreitungen und Polizeibrutalität waren viele Ugander in den Tagen vor der Wahl zu Hause geblieben oder ins Ausland gereist. In der Pressekonferenz vor seiner Stimmabgabe sagte Wine, es gehe bei dieser Wahl nicht um ihn persönlich, sondern darum, dass die Menschen „ihre Stimmen verteidigen“. Nach der ugandischen Verfassung sei friedlicher Protest erlaubt, doch die Behörden seien der Meinung, dass jeder Protest mit Gewalt beantwortet werden müsse. Seine Partei sei zuversichtlich, dass die „Menschen in großer Zahl zur Wahl gehen werden, um für einen Wandel zu stimmen“. Fraglich sei jedoch, ob das von der Wahlkommission verkündete Wahlergebnis den Tatsachen entspreche.