Unverbindliche Preisempfehlung: 14.500 Euro. Jetzt steht die Wohnzimmerschrankwand mit Fernsehecke für weniger als 3000 Euro da. Alois Kobler weiß, das liegt jetzt unter Einkaufspreis. Der Deutschlandchef des österreichischen Möbelriesen XXXLutz streift gerade durch die Gänge des Möbelhauses in Hennef. 32.000 Quadratmeter, allein 80 Mitarbeiter am Standort. Keine Großstadt, dafür nah an der Autobahn. „Wir trauen uns zu, die richtigen Produkte zum richtigen Preis zu verhandeln, weil wir nahe genug am Kunden sind, dass wir nur wenig falsche Entscheidungen treffen“, sagt Kobler. Und wenn es doch mal einen Ladenhüter gibt, dann kommt da eben ein Preis zur Mitnahme drauf, zu dem sich auf jeden Fall jemand findet, der die Schrankwand oder die Fernsehvitrine nimmt und damit Platz macht für neue Produkte im Möbelhaus. Die Kunden bauen die Möbelstücke dann selbst ab und transportieren sie nach Hause, mit der Vitrine wird es genauso sein. Das XXXLutz Müllerland ist eines von 58 Möbelhäusern des Unternehmens in Deutschland, 2018 wurde es übernommen. Im Eingang lockt die Aktionsfläche, nebenan gibt es eine Porzellansektion und natürlich die Babyabteilung wie in jedem Lutz-Möbelhaus. Die Leuchten sind im Erdgeschoss eher hinten, weil es ein Zielkauf ist, genauso wie Küche oder Schlafzimmer. Acht Wochen dauert es im Schnitt, dann kommt nach der Küche der Leuchten-Nachkauf. Enorme Breite im Sortiment Alleine an dem Standort bietet XXXLutz mehr als 100.000 Artikel an, im Onlineshop sind es gar siebenmal so viel. In einem Ikea liegt das Sortiment eher bei einem Zehntel eines klassischen Lutz-Sortiments. Dort gibt es aber schließlich nur die eigenen Marken, die Österreicher hingegen bieten vom Preiseinstieg bis Luxus und von der Eigenmarke bis zu Premiumprodukten wie Hülsta oder Rolf Benz alles an. Beide Strategien sind erfolgreich: Hinter dem schwedischen Möbelhaus ist XXXLutz der zweitgrößte Anbieter in Deutschland, gut 60 Prozent seines Umsatzes von 6,4 Milliarden Euro erzielt das Unternehmen in seinem wichtigsten Markt. Und dort will der Möbelhändler kräftig wachsen. Durch die Übernahme der Porta-Gruppe. Im Januar 2025 kündigten die Familienunternehmen die Transaktion an. Bei der EU-Kommission angemeldet wurde der Kauf allerdings erst Anfang dieser Woche. Denn das Geschäft ist schon vor der offiziellen Prüfung komplett durchleuchtet worden. Das hängt mit der starken Marktposition von XXXLutz und Porta zusammen. Wettbewerber hatten Bedenken angemeldet, auch die Kommission hat schon vorab untersucht, ob Porta und XXXLutz schon zu früh zu eng miteinander sprechen. Im Fusionskontrollverfahren hat die Europäische Kommission nun 25 Tage Zeit, die Transaktion in der ersten Phase zu bewerten. Folgen kann eine zweite Phase mit noch einmal 90 Arbeitstagen. Angesichts des breit gefächerten Möbelmarktes gibt sich Deutschlandchef Kobler optimistisch, was die Übernahmeprüfung angeht. Es geht um Fragen nach der Marktmacht Die Branche sei vielfältig und der Wettbewerb intakt: Es gebe Küchenstudios, Fachgeschäfte für Polstermöbel oder Betten, Gartenmöbel verkauften auch Baumärkte. Schon in der Vorprüfung seien mehrere hunderttausend Datenpunkte nach Brüssel geflossen. „Das macht uns auch zuversichtlich. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir im ersten Quartal 2027 die Zustimmung bekommen werden“, sagt Kobler. Porta, ein in zweiter Generation familiengeführtes Einrichtungsunternehmen, hat rund 140 Standorte in Deutschland, der Tschechischen Republik und der Slowakei. Durch den Verkauf sollen die Gründerfamilien Gärtner und Fahrenkamp aus dem Unternehmen ausscheiden. Mit dem Verkauf gehe es darum, die Zukunft der Unternehmensgruppe „nachhaltig abzusichern“, hieß es zur Begründung. Das Wettbewerbsumfeld, vor allem auch im Onlinemöbelhandel, erfordere neben hohen Investitionen auch starke Partnerschaften. „Zwei Drittel unserer Häuser sind Übernahmehäuser. Da treffen sich Inhaber mit Inhabern auf Augenhöhe“, sagt Kobler. „Heute weiß jedes familiengeführte Unternehmen, dass Lutz eine gute Anlaufstelle ist, weil der Name und die Idee hinter dem Geschäft ordentlich weitergeführt werden.“ Neben der Marke Porta zählen zur Unternehmensgruppe noch Möbel Boss, Asko und Möbel Letz dazu. Zum Kaufpreis machen die Unternehmen keine Angaben. Porta erzielt rund eine Milliarde Euro Jahresumsatz. XXXLutz verweist auf die Zukunftsaussichten für die Geschäfte Kobler etwa verweist auf die Integration von Märkten wie Müllerland in Hennef. „Das ist auch eine Sicherheit für Arbeitnehmer, weil wir an Standorten, die wir übernehmen, immer mehr Umsatz generieren, als vorher erzielt wurde.“ Doch gerade der Discountbereich mit dem SB-Möbelhändler Boss stärkt eine ohnehin schon bedeutende Position von XXXLutz, der auch günstige Möbel über seine Mömax-Märkte und Poco sowie Roller verkauft. Im Discountsegment in Deutschland bleibt dann als größerer Spieler noch Sconto übrig, der zur Krieger-Gruppe gehört. Zu den größten Kritikern des Geschäfts gehörte der Möbelverband VDM, in dem sich die vor allem mittelständischen Hersteller zusammengeschlossen haben. In der vergangenen Woche verwies der VDM-Präsident Jan Kurth abermals darauf hin, dass die Transaktion die Konzentration im Möbelmarkt „nochmal empfindlich steigern“ werde. „Aber wir haben jetzt anderthalb Jahre auf die offizielle Anmeldung gewartet. Das ist eine Unsicherheit, die das wirtschaftliche Handeln nicht einfacher macht. Wir hoffen auf Klarheit für die Unternehmen“, sagte Kurth. Die Möbelhersteller verwiesen zuletzt auf die starke Konkurrenz aus Asien, möglicherweise ist eine starke Stellung eines europäischen Händlers für deutsche Marken auch von Vorteil. Die Möbelhersteller sehen vor allem die Einkaufsgemeinschaften kritisch, geben sie den Händlern doch eine Verhandlungsmacht. XXXLutz gehört zu Giga, Porta bislang zum Einkaufsverband Begros. „Wir sind natürlich gute Verhandler, aber das muss man in dem Geschäft auch sein“, sagt Kobler. „Wir sind aber auch ein verlässlicher Partner. Viele Hersteller und Lieferanten sind sehr froh, dass wir Jahresabnahmemengen garantieren. Gerade in der heutigen Zeit, wo die wirtschaftliche Lage nicht einfach ist.“ XXXLutz halte Versprechen ein und zahle pünktlich. „Es gibt bei uns ein ungeschriebenes Gesetz: Keine Rechnung wird einen Tag zu spät bezahlt, und kein Gehalt wird einen Tag zu spät überwiesen. Das hat es noch nie gegeben, und das wird es nicht geben.“ Die Welser Möbelkette befindet sich noch immer im Besitz der Familie Seifert, die Firmenanteile liegen in Privatstiftungen. Bis heute tritt die Familie nicht öffentlich in Erscheinung. Zuletzt hatte XXXLutz den deutschen Onlinemöbelhändler Home 24 einschließlich der Einrichtungskette Butlers übernommen. „Wir sind bereit, in jeder Übernahme etwas dazuzulernen, indem wir uns die Stärken des übergehenden Betriebs genau anschauen“, sagt Kobler. „Auch bei Porta werden wir sicher einige Impulse mitnehmen, was die gesamte Marke XXXLutz wertvoller und besser macht.“
