Sie sei brutal gewesen und habe andere Menschen manipuliert. Das sagt Allison Mack heute über sich selbst, nachdem sie 21 Monate in einem kalifornischen Gefängnis verbrachte. Im Podcast „Allison Mack after NXIVM“ erzählt die Schauspielerin erstmals ihre Geschichte selbst: vom Star der Serie „Smallville“ zur Kriminellen. Die vom kanadischen Sender CBC produzierte Serie folgt ihr in den NXIVM-Kult, der Frauen zu sogenannten „Sklavinnen“ machte, viele Jahre lang mit Macks Hilfe. Ihr ehemaliger „Guru“ Keith Raniere wurde 2020 in New York zu 120 Jahren Haft verurteilt. Er hatte zwischen 1998 und 2018 Hunderte Menschen mit vermeintlichen Selbsthilfe-Seminaren dazu gebracht, ihm zu folgen, ihm Geld zu geben und seine sexuellen Wünsche zu erfüllen. Gewalt von Männern durch Entgegenkommen ausweichen Raniere nötigte Frauen mit dem Versprechen der persönlichen Entwicklung zum Sex, soll einige von ihnen vergewaltigt haben und wurde letztlich zum Teil wegen „sex trafficking“, also Sexhandels, verurteilt. Mack half ihm seit 2006 dabei, Frauen zu rekrutieren. Und sie ließ sich nicht nur selbst mit Ranieres Initialen „branden“, sondern brachte auch andere Frauen dazu. Ursprünglich wurde sie dafür 2021 zu drei Jahren Haft verurteilt. Ihre Strafe fiel im Vergleich zum möglichen Maß von 15 Jahren bis lebenslänglich gering aus, weil sie gegen Raniere aussagte. Im Podcast folgen die Journalistinnen Natalie Robehmed und Vanessa Grigoriadis Macks Lebensgeschichte – dabei steht vor allem die Innenwelt der heute 43 Jahre alten Schauspielerin im Fokus. So kommen Opfer von Raniere und Mack zu kurz, wie viele Kritiker angemerkt haben. Mack erzählt streckenweise packend von ihrem Weg in den Kult, dadurch wird sie aber auch zur dominanten Erzählerin dieser Geschichte. Die einst für ihr sonniges Lächeln berühmte Schauspielerin wurde im schleswig-holsteinischen Preetz geboren, wo ihre Familie zeitweise lebte, und wuchs in Kalifornien auf. Sie modelte und schauspielerte schon als Kind. Mack lernte früh, wie sie Anerkennung bekommen konnte, indem sie das einsetzte, was manche Erwachsene auch schon bei Kindern als Charme lesen. In einer Beziehung wurde ein Partner gewalttätig. Ihre Geschichte ist auch die einer Frau, die versucht, Gewalt von Männern durch Entgegenkommen auszuweichen. Die Suche nach Sinn im Leben und eine ausgeprägte innere Unsicherheit führten Mack in den NXIVM-Kult. Raniere verlangte bald täglichen Sex von ihr, der angeblich bei ihrer Persönlichkeitsentwicklung helfen sollte. Dass sie diese Interpretation auch anderen Frauen verkaufen half, die sich zum Teil nur sehr widerwillig auf den „Guru“ einließen, tue ihr heute leid, sagt Mack. Allerdings sei es ihr darum gegangen, Menschen zu helfen. Aus dem Gefängnis entlassen, versuchte sie sich deswegen zuerst an einem Studium in Gender Studies. Einige Kommilitonen weigerten sich allerdings, mit ihr in einem Seminarraum zu sein. Daraufhin wechselte sie zu Psychologie. Robehmed und Grigoriadis kommentieren Macks Erzählung sehr sparsam, äußern aber auch gelegentlich Skepsis. Auch den Podcasterinnen scheinen Zweifel zu bleiben – hat Mack dem Bedürfnis, andere Menschen zu manipulieren, tatsächlich abgeschworen? Ein ehemaliger Neonazi als Kronzeuge für die Läuterung Einer kommt als Kronzeuge für ihre Läuterung ausführlich zu Wort: Ihr Ehemann ist der ehemalige Neonazi Frank Meeink, auf dessen Lebensgeschichte der Film „American History X“ von 1998 zum Teil basiert. Meeink saß drei Jahre im Gefängnis, schwor anschließend dem Nazitum ab und will durch einen Gentest eine jüdische Familie entdeckt haben, woraufhin er zum Judentum konvertierte. Als er Mack kennenlernte, hätten ihn seine Freunde gewarnt. Doch wer könne sie besser verstehen als ein Ex-Nazi, der sich heute gegen rechte Gewalt engagiere, folgert der Podcast. Letztlich kann Mack den Eindruck nicht ganz abstreifen, dass sie sich mitten in dem befindet, was Kritiker manchmal „redemption tour“ nennen: eine Reihe öffentlicher Auftritte, um sich zu rehabilitieren. Podcasts eignen sich dafür besonders gut, weil sie niedrigschwelliger sind als Fernsehauftritte und gleichzeitig so großen Raum für die Binnenperspektive der Interviewten geben. Ein solches Format aus Täterinnen-Perspektive ist zwar spannend, aber die Macherinnen geben eben auch einer Frau eine Plattform, die jahrelang andere Frauen missbraucht hat.
