Es geht also doch: Der Hessentag kann nicht nur Menschen verbinden, sondern auch die Stadtkasse schonen – wenn Planung, Unterstützung und Wetterglück zusammenspielen. Bad Vilbel hat in diesem Jahr gezeigt, dass das Landesfest lebt und ökonomisch funktionieren kann. Nach mehreren schwierigen Jahren, zuletzt in Pfungstadt mit erheblichem Defizit, ist der Überschuss von 7,75 Millionen Euro fast eine kleine Sensation. Natürlich kommt der Erfolg nicht aus dem Nichts. Das Land Hessen hat kräftig mitfinanziert und die Stadt auch nach dem coronabedingten Ausfall des Fests im Jahr 2020 unterstützt. Einem operativen Defizit von 4,9 Millionen Euro standen in Bad Vilbel nach Angaben des Kämmerers letztendlich 12,65 Millionen Euro an Zuschüssen für Investitionen gegenüber. Ein realistisches Konzept Aber das schmälert die Leistung der Gastgeberstadt kaum. Denn gerade angesichts steigender Sicherheitskosten und des allgemeinen Kostendrucks war die erfolgreiche Organisation keine Selbstverständlichkeit. Bad Vilbel hat vorgemacht, wie man Großveranstaltungen im besten Sinn „kommunalverträglich“ gestalten kann – mit einem realistischen Konzept, professioneller Planung und einem klaren Blick dafür, was die Stadt langfristig davon hat. Lange war der Hessentag für viele ein Liebhaberthema mit zweifelhaftem Preis-Leistungs-Verhältnis: Emotionen und Ehrenamtsgeist auf der Haben-Seite, rote Zahlen auf der Soll-Seite. In Bad Vilbel ist es gelungen, die Balance zwischen Feierlaune und Finanzdisziplin zu halten. Über die Jahrzehnte betrachtet ist der Hessentag ohnehin eine Erfolgsgeschichte. Er hat Generationen vernetzt, Gemeinschaft gestärkt und immer wieder Mut gemacht, Neues zu wagen. Das Landesfest ist ein Stück hessische Identität, eine Bühne für Kultur, Ehrenamt und regionale Wirtschaft. Die zehntägige Mammutveranstaltung erzeugt Strahlkraft weit über die Gastgeberstadt hinaus und bringt gerade kleineren Kommunen Aufmerksamkeit, die sonst kaum Schlagzeilen machen. Jetzt kommt eine erfreuliche Erfahrung hinzu: Landesfeste müssen jedenfalls nicht zwangsläufig Zuschussgeschäfte sein. Der Hessentag ist längst mehr als ein Traditionsfest. Er ist Schaufenster und Treffpunkt zugleich – ein Ort, an dem Ehrenamt, Politik, Kultur und Wirtschaft zusammenkommen. Und er ist, bei allem Stolz auf das Land zwischen Odenwald und Reinhardswald, auch eine Herausforderung für jede Gastgeberstadt. Bad Vilbel hat sie angenommen und gemeistert. Künftigen Ausrichtern – im nächsten Jahr findet der Hessentag in Fulda statt – sollte das eine Lehre sein. Schaut auf diese Stadt!
