FAZ 17.02.2026
10:46 Uhr

Play-off bei Olympia 2026: Wir gewinnt beim deutschen Eishockeyteam


Das Eishockey-Nationalteam kann bei Olympia trotz mäßiger Vorrunde noch viel erreichen. Doch dafür müssen sie das Zusammenspiel über individuelle Brillanz stellen – und zwar schnell.

Play-off bei Olympia 2026: Wir gewinnt beim deutschen Eishockeyteam

Die Vorrunde des deutschen Eishockey-Nationalteams bei den Olympischen Spielen hinterließ ein Bild, das weder zu Jubel noch zu Panik Anlass gibt. Es verlangt eine nüchterne Bestandsaufnahme. Die 1:5-Niederlage gegen die USA spiegelte den qualitativen Unterschied zwischen beiden Eishockey-Nationen. Die Amerikaner, deren Kader durchweg aus Granden der Branche besteht, nutzten jede Ungenauigkeit schonungslos aus. Die Deutschen waren trotz der sieben Spieler, die ebenfalls in der Profiliga NHL etabliert sind, nicht in der Lage, mit Tempo und Präzision des Goldmedaillen-Aspiranten Schritt zu halten. Zuvor war das 3:1 gegen Dänemark ein Sieg ohne vollständige Überzeugungskraft; das Team um Kapitän Leon Draisaitl dominierte die Partie phasenweise, ließ aber klare Chancen ungenutzt, sodass der Erfolg an einem dünnen Faden hing. Gegen Lettland wiederholte sich das Muster. Deutschland unterlag 3:4, weil die Absicherung der eigenen Gefahrenzone unzureichend war. Das Turnier geht nun in die entscheidende Phase – und die Arithmetik des Spielplans meint es dabei nicht so schlecht mit den Deutschen. Dafür müssen sie aber rasch mehr von ihrem Talent nutzen. Die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes, die in der Weltrangliste aktuell Achter ist, verfügt im Angriff über herausragende Klasse: Draisaitl, Tim Stützle, JJ Peterka oder Lukas Reichel bringen die Fähigkeit mit, Partien durch ihre Geistesblitze zu entscheiden. Doch reichten punktuelle Aktionen bislang nicht, um gemeinschaftlich auf höchstem Niveau zu bestehen. Defensiv wie offensiv blieb vieles lückenhaft. Passwege wurden nicht konsequent zugestellt und das Umschaltspiel der Gegner fand zu oft Räume, die die Abwehr nicht schließen konnte. Auch der Aufbau über die neutrale Zone ist zu langsam. Dazu beträgt die Powerplayquote unterdurchschnittliche elf Prozent; im Penalty-Killing ist die Mannschaft statistisch Letzte. Heißt also: Nur in einer von zehn Überzahlsituationen trafen die Deutschen, während keine Mannschaft mehr Tore in Unterzahl hinnehmen musste. Der Umbau muss an der Bande beginnen, auch wenn Bundestrainer Harold Kreis auf Eigenständigkeit der Spieler setzt. Aus den Erkenntnissen der vergangenen Tage gilt es, Prioritäten abzuleiten; die Mannschaft hat sie umzusetzen. Seine Leute sind durchweg erfahren genug, um trotz der Belastung eine bessere Balance zwischen Risiko und Absicherung zu finden. Die Mahnung von Moritz Müller zu mehr Teamgeist, mehr Geradlinigkeit und weniger Schnörkelei zielt in die richtige Richtung. Das Play-off-Spiel gegen Frankreich an diesem Dienstag (12.10 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zu Olympia 2026, in der ARD und bei Eurosport) wird zeigen, ob die Deutschen die sichtbaren Defizite kompensieren können. Die zeitnahe Abreise aus Mailand lässt sich nur vermeiden, wenn die Mannschaft mehr Zweikämpfe gewinnt, Abschlussaktionen konsequenter verwertet und das Zusammenspiel über individuelle Brillanz stellt. Der erste Teil dieser olympischen Eishockey-Show war aus deutscher Sicht keine Blamage, aber er zeigte eben auch ihnen, dass der Abstand zwischen Außenseitern und Top-Teams vor allem von jenen verkleinert wurde, die es verstanden, Einzelstärken zu einem geschlossenen Ganzen zu formen. Der weitere Weg der Nationalmannschaft hängt daher von einer simplen Frage ab: Wird schnell genug nachjustiert?