FAZ 05.01.2026
10:38 Uhr

Platz fünf in der Liga: Eintracht-Frauen zwischen Anspruch und Wirklichkeit


Während die Vereinsspitze der Eintracht den Frauenfußball reformieren will, haben die Frankfurter Frauen den Anschluss an die Spitze verloren. Die Probleme sind hausgemacht.

Platz fünf in der Liga: Eintracht-Frauen zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Die Hinrunde der Fußballspielerinnen von Eintracht Frankfurt in der Bundesliga war nach dem Umbruch im vergangenen Sommer (elf Zugänge, zehn Abgänge) eher von Ernüchterung als von neuem Schwung geprägt. Die Hessinnen hinken ihren eigenen Ansprüchen hinterher: Nach einer Reihe von schwachen Spielen im Dezember stehen sie nur auf Rang fünf. Dabei hatte sich die Chance geboten, einen Schritt nach vorn zu machen. In der vergangenen Saison waren die Eintracht-Frauen kurz davor, die jahrelange Dominanz des FC Bayern und des VfL Wolfsburg zu durchbrechen. Doch statt diesen Moment zu nutzen, ist der nächste Entwicklungsschritt ausgeblieben. Offensiv zu harmlos, hinten fehlerhaft Auf dem Platz zeigen sich die Versäumnisse deutlich. Während die Offensive zu wenig aus ihren Möglichkeiten macht, erlaubt sich die Defensive zu viele individuelle Fehler. Hinter Bayern (54 Tore) und Wolfsburg (49) haben die Eintracht-Frauen zwar die meisten Tore geschossen (34), nach 14 Bundesliga-Spielen aber auch bereits 28 Gegentore hinnehmen müssen. Zum selben Zeitpunkt in der vergangenen Saison stellten sie mit nur sieben Gegentoren die beste Defensive der Liga. Die Hessinnen sind zwar oft überlegen, verpassen es aber, die Spiele frühzeitig zu entscheiden, und bringen sich dadurch um Punkte. Vor allem gegen Mannschaften, die die Eintracht eigentlich besiegen müsste, patzt sie immer wieder. „Ich habe das Gefühl, dass wir ein bisschen gegen uns selbst spielen“, sagte Kapitänin Laura Freigang nach dem 2:2-Unentschieden bei Union Berlin. Von der Stabilität, die nötig wäre, um zur Spitze aufzuschließen, ist bislang nichts zu sehen. Wer tabellarisch aufschließen will, muss es auch finanziell tun Diese Probleme sind auch ein Resultat der Kaderplanung. Wichtige Spielerinnen wie Sara Doorsoun und Sophia Kleinherne gingen, wurden aber nicht gleichwertig ersetzt. Dass Doorsoun nach nur einem halben Jahr in den USA zurückkehrt, ist ein Eingeständnis eigener Fehler – auf beiden Seiten. Nach einer Saison, in der die Eintracht gezeigt hat, dass sie – zumindest phasenweise – mit den Spitzenklubs mithalten kann, ist die Zurückhaltung, das Budget für die Mannschaft zu steigern, nicht nachzuvollziehen. Wer die Lücke zu Bayern und Wolfsburg schließen will, muss bereit sein, zu investieren. Wie weit Anspruch und Wirklichkeit auseinanderklaffen, zeigte sich Mitte Dezember bei der Gründung des Frauen-Ligaverbandes (FBL): Eintracht Frankfurt war mit der Frauenfußball-Direktorin Katharina Kiel, die zur FBL-Präsidentin gewählt wurde, und dem Vorstandssprecher Axel Hellmann als Stimme einer selbstbewussten Bundesliga vorangegangen. Am Abend verlor das Team 3:5 beim Aufsteiger Nürnberg. In der Rückrunde, die am 25. Januar mit einem Heimspiel gegen RB Leipzig weitergeht, geht es deshalb weniger um die Frage, wie weit es nach oben gehen kann, sondern vielmehr um eine Bewährungsprobe für den eigenen Anspruch. Will die Eintracht dauerhaft mehr sein als der „best of the rest“, müssen die Leistungen auf dem Platz wieder stärker der Selbstdarstellung des Vereins entsprechen.