FAZ 19.12.2025
15:41 Uhr

Plattform eingerichtet: Damit Forscher Risiken besser einschätzen können


Mit wem können wir bedenkenlos kooperieren? Vor Fragen wie diesen stehen Wissenschaftler immer öfter. Eine neue Einrichtung soll sie unterstützen.

Plattform eingerichtet: Damit Forscher Risiken besser einschätzen können

Lange war unter den Wissenschaftsorganisationen umstritten, ob es eine nationale Plattform für mehr Forschungssicherheit geben soll. Schon die Ampelregierung hatte für mehr Forschungssicherheit sorgen wollen, das aber nicht zu Ende gebracht. Im Sommer hatten die Wissenschaftsminister der Länder eine Lösung bis zum Jahresende gefordert, die jetzt gefunden wurde. Damals knirschte es in den Verhandlungen, denn die Allianz der Wissenschaftsorganisationen weigerte sich, ein vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) vorgelegtes Memorandum zu unterzeichnen, weil sie befürchtete, dass das Ministerium in die Autonomie der Wissenschaft eingreifen wollte. Bund, Länder und die Allianz der Wissenschaftsorganisationen folgen nun einem Vorschlag des Wissenschaftsrats vom Frühjahr dieses Jahres zur Einrichtung einer Nationalen Plattform für die Forschungssicherheit. „Sie soll eine koordinierende und integrierende Funktion übernehmen und die Wissenschaft dabei unterstützen, Chancen und Risiken angemessen bewerten und abwägen, sowie Risiken reduzieren zu können“, kommentierte Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) die Lösung. Servicestelle für Wissenschaftler Die einzelnen Forscher, Fakultäten oder Forschungsbereiche, Universitäten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen müssen sich trotzdem in erster Linie selbst um Forschungssicherheit kümmern. Sie müssen sich genau überlegen, ob der Kollege aus China, mit dem sie gern kooperieren würden, tatsächlich so harmlos ist, wie er erscheint. Die Plattform soll dabei helfen, informierte Entscheidungen zu treffen und einzelfallbezogene Abwägungen zu treffen, die einzelne Forscher überfordern. Der Bund will dafür Ressourcen bereitstellen, nicht aber in Forschungsentscheidungen eingreifen. Es geht also nicht um eine staatliche Prüfstelle, sondern eine Serviceeinrichtung für die Wissenschaftler, die im Zweifel auch den Kontakt zu Sicherheitsbehörden hat, um Zusatzinformationen zu beschaffen, die ansonsten nicht zugänglich wären. Der Vorsitzende des Wissenschaftsrats, der Heidelberger Neurologe Wolfgang Wick, erhofft sich von der Plattform unbürokratische und rasche Hilfe bei der Einschätzung von Risiken. Der Sprecher der Allianz der Wissenschaftsorganisationen und Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft Holger Hanselka sagte, der Technologietransfer sei ein wichtiger Faktor zur Stärkung der Innovationskraft „und gerade hier wird es entscheidend sein, dass wir Wissen und Know-how wirksam schützen“. Die Präsidentin der Wissenschaftsministerkonferenz, Mecklenburg-Vorpommerns Wissenschaftsministerin Bettina Martin (SPD) sagte, „in einer Welt wachsender geopolitischer Spannungen braucht es klare politische Leitplanken, die unsere Interessen und unser Wissenschaftssystem schützen, ohne Abschottung zu betreiben“.