James Jungeli hat einen Traum: Mitten in der Natur will er Kindern und Erwachsenen unterhaltsame und unbeschwerte Stunden ermöglichen – „einen geschützten Ort für Familienvergnügen“. Dafür plant der Unternehmer, der einen Gartenbaubetrieb und das Varieté Da Capo verantwortet, unter dem Namen „Lumax“ einen neuen Freizeitpark im Rhein-Main-Gebiet. Neben einer Erlebnisgastronomie soll es Baumhäuser, einen Campingplatz sowie Spiel- und Freizeitangebote für Groß und Klein geben. Das Grundstück dafür hat der Unternehmer schon: das ehemalige Gelände des „Clubhotels“ an der Roßdörfer Straße nahe der Grube Messel, die nordöstlich von Darmstadt liegt. In den Siebziger- und Achtzigerjahren befand sich dort ein exklusiver Bordellbetrieb. Auch ein Gepardenpärchen soll in einem Käfig gehalten worden sein. Nach der Verurteilung des Betreibers wegen Prostitution wurde das Gelände 1991 für drei Millionen Mark zwangsversteigert. Mit dem Varieté Da Capo hat sich Jungeli schon einen Traum erfüllt Ein Investor plante ein Freizeitbad, das aber nicht genehmigt wurde. Anfang 1994 brannte das Hotelgebäude dann ab. Das Gelände wurde danach für verschiedene Zwecke genutzt, unter anderem von einem Paintball-Sportclub, verkam aber immer mehr zu einem Lost Place und einer illegalen Müllkippe. Der letzte Besitzer wollte dort eine Reitanlage betreiben. Dafür wurde ein Bebauungsplan erstellt. Doch weil nicht alles seinen Wünschen entsprechend genehmigt wurde, gab er den Plan wieder auf. Er habe das Potential erkannt, das in dem verwilderten Gelände im Wald stecke, sagt Jungeli. Es gebe dort große, alte Bäume, man höre Vögel zwitschern. Im Laufe der Zeit sei ein Biotop mit Echsen und Fröschen, aber auch Maulwürfen, Wildschweinen und Rehen entstanden, schwärmt er. Das wolle er erhalten und zugänglich machen. Einen anderen Lebenstraum hat sich Jungeli schon vor Jahren erfüllt: Seit 2005 führt er das Varieté Da Capo, das zur Weihnachtszeit in Darmstadt und Aschaffenburg gastiert und dessen Zelte auch für andere Veranstaltungen gebucht werden können. Als Auftritte in der Corona-Pandemie nicht möglich waren, fokussierte Jungeli sich auf ein anderes Geschäftsfeld: Im Jahr 2021 holte er Mitarbeiter seines nach eigenen Angaben vor 27 Jahren in den Niederlanden gegründeten Gartenbauunternehmens Baule nach Münster im Kreis Darmstadt-Dieburg. Weil das Geschäft gut lief, kehrten nicht alle zurück. Heute beschäftigt er 21 Mitarbeiter dauerhaft in Münster. In der Weihnachtszeit kommen bis zu 160 Saisonkräfte für das Varieté hinzu. Mit 150 Mitarbeitern kalkuliert er für den geplanten Freizeitpark. Bürgermeister unterstützt Jungelis Freizeitparkpläne Für die nur gut 4000 Einwohner zählende Gemeinde Messel, die wegen der 1995 als UNESCO-Weltnaturerbe ausgezeichneten Grube Messel international bekannt ist, wäre der Freizeitpark nach Ansicht von Bürgermeister Thorsten Buhrmester (CDU) ein Gewinn. Er freue sich, wenn das seit 1992 leer stehende Gelände „wieder mit Leben gefüllt wird“, sagte er auf Anfrage. Der Ort könne von der touristischen Belebung profitieren. Dass der Park das Weltnaturerbe stören könnte, glaubt Buhrmester nicht. Die Verantwortlichen der Grube Messel, die im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben mehr als 40.000 Besucher zählte, wollen sich nicht zu dem Freizeitpark äußern. Jungeli hat seine Pläne Ende vergangenen Jahres den Stadtverordneten vorgestellt. Damals plante er allerdings noch einen Dino-Park. Von diesem Vorhaben ist der Unternehmer wieder abgerückt, weil es nicht so gut zur Grube Messel passe, in der Fossilien kleinerer Urtiere gefunden wurden. Einige Dinosauriernachbildungen möchte er dennoch im Park aufstellen. „Nicht so viel Plastik“ Ansonsten will er den Park naturnah und mit „nicht so viel Plastik“ gestalten – mit einem großen Teich, Beobachtungsstationen, Laufstegen im Wald und zahlreichen Spielgeräten wie Rutschen. Auch einen Minigolfplatz, Ponyreiten und eine kleine Achterbahn kann sich der Vater von acht Kindern vorstellen, der vor Ideen nur so übersprudelt. Dauerhafte Verkaufsstände und ein Weihnachtsmarkt mit Produkten aus der Region gehören ebenso dazu wie ein Grillrestaurant. Zur Eröffnung, die zwei Jahre nach Baubeginn erfolgen könne, werde nicht alles fertig sein, kündigt Jungeli an. Der Park solle sich vielmehr „im Laufe der Zeit entwickeln“, wie das bei Freizeitparks üblich sei. Maskottchen soll nun eine Schildkröte im Ranger-Anzug werden. Natürlich gibt es in Messel auch Bedenken, vor allem Anwohner fürchten zusätzlichen Verkehr. Sie seien durch die vielen Lastwagenfahrten anderer Betriebe stark belastet, berichtet der Bürgermeister. Allerdings würde davon ein Teil entfallen, unter anderem weil in diesem Jahr die Abbaugenehmigung für das Werk von Gelsenrot ende. Zusätzliche Gewerbesteuereinnahmen vom Freizeitpark könnte die Gemeinde dann gut gebrauchen, sagt Buhrmester. Derzeit erziele die Gemeinde 1,1 Million Euro aus Gewerbesteuern bei einem Haushaltsvolumen von 11,8 Millionen Euro. Angaben zu den Kosten für den Park macht Unternehmer Jungeli nicht. „Das ist mein Hobby, und Hobbys kosten nun einmal etwas.“ So verrät er weder, wie viel er für das insgesamt 200.000 Quadratmeter große Grundstück gezahlt hat, noch die Höhe der geplanten Investitionen. Auch zu den Eintrittspreisen will er sich noch nicht konkret äußern. Dafür werde man sich an den Preisen anderer Freizeitparks in der Region wie der Lochmühle oder dem Taunuswunderland orientieren. Ohne einen Kredit wird der Park trotz Eigenleistungen seines Gartenbaubetriebs, der auch Container vermietet und Abrissarbeiten übernimmt, nicht zu stemmen sein. Deshalb hat Jungeli nach eigenen Angaben schon rund 20 Sponsoren angeworben, die sich mit Eigenleistungen beteiligen wollen. Das Freizeitgelände soll auf dem Teil entstehen, der nicht bewaldet ist, weil dort das Hotel stand. Die zentralen Gebäude für Gastronomie und Indoorangebote sollen einige Tausend Quadratmeter einnehmen. Außerdem sind zehn Baumhäuser und bis zu 40 Campingstellplätze vorgesehen. Der Park solle aber „nicht groß, sondern exklusiv“ werden, sagt Jungeli. Insgesamt sind nur 76 Parkplätze geplant, denn er möchte keinen Massenbetrieb. Deshalb soll es Zeitfenster von etwa vier Stunden für den Besuch geben. Besucher können auch mit Bahn und Bus anreisen. Der Bahnhof von Messel, an dem Züge von Darmstadt nach Aschaffenburg halten, liegt nicht weit entfernt. Die Bauvoranfrage läuft, alle Unterlagen sind eingereicht, wie Jungeli berichtet. Er hoffe nun auf eine schnelle Baugenehmigung, damit er noch in diesem Jahr mit den Bauarbeiten beginnen könne. Da er sich an dem existierenden Bebauungsplan orientiert hat, der für die Reitanlage erstellt wurde und ebenfalls eine Erlebnisgastronomie vorsah, erwartet er eine schnelle Genehmigung vom zuständigen Bauamt des Kreises. Auch Bürgermeister Buhrmester meint: „Das passt für die neuen Pläne.“ In der Zwischenzeit wird das Gelände vorbereitet. Mitarbeiter des Unternehmens Baule haben schon Wege freigeräumt und Müll beseitigt. Mehr als 20 Tonnen Abfall seien fortgeschafft worden, berichtet Jungeli. Die Entsorgung von Bitumen, Altreifen und anderem habe mehr gekostet als erwartet, gibt er zu. Bei den Arbeiten wurden Zisternen und ein Klärbecken entdeckt, sowie zahlreiche Tunnel, die einzubrechen drohen. Das Grundstück soll deshalb aus Sicherheitsgründen umzäunt werden. Aktuell bewacht es ein Securityunternehmen, auch Videoanlagen gibt es. „Dass bisher auf dem Gelände nichts passiert ist, war ein Wunder.“
