FAZ 21.12.2025
08:45 Uhr

Pistaziencreme: Die Königin am Frühstückstisch


Pistaziencreme hat längst ihren Platz am Frühstückstisch – und die Auswahl war nie größer.  Doch Grün ist nicht gleich Pistazien-Grün. Aber wie erkennt man, welche wirklich gut schmeckt?

Pistaziencreme: Die Königin am Frühstückstisch

Samstagvormittag ist Wochenmarktzeit. Zeit für Kaffee und Croissants. Die Kaffeebude, vor der ich dann hin und wieder sitze, bietet gar nichts anderes an. Dafür sind die Croissants besonders gut. Nicht weil sie – wie es jetzt kommen müsste – so schmecken wie in Paris, sondern weil sie, deutlich einfältiger, großzügig gefüllt sind mit Himbeercreme, Schokolade und Pistazie. Letzteres ist meine natürliche Wahl und die meiner Kinder. Pistazien-Croissants, und dann auch noch für Kinder, ich weiß: Gesund frühstücken geht anders. Es geht allerdings auch schlimmer. Um die Ecke der besagten Kaffeebude befindet sich ein Cookie-Laden, der es schafft, rohen Cookie-Teig und belgische weiße Schokolade auf einem Keks unterzubringen. Oder Toffee-Schokolade mit schmelzendem Salzkaramell-Kern. Oder bunte Streusel und weiße Schokolade. Ein Burger-Restaurant, an dem wir regelmäßig vorbeikommen, wirbt vor der Tür mit einem riesigen Eisbecher, mit Sahnehaube, darauf Brownie-Stückchen und Karamellsauce. Der Kommentar dazu: Cheat Day. Als rechtfertigten sechs Tage gesunde Ernährung am siebten die Dessertbombe. Kurzum: Gastronomie und Lebensmittelindustrie reichen uns immer neue, noch übertriebenere Geschmackskombinationen. Wie man Qualität wirklich erkennt So auch Dubai-Schokolade. Wir befinden uns im Jahr eins nach dem Hype. Dubai-Schokolade trat als ultimatives Geschmackserlebnis an, wegen der nussig-süßen Pistaziencreme, des nussig-bitteren Tahini und des feinknusprigen Engelshaars, und dabei handelte es sich nur um die Füllung. Die gute Nachricht: Die Pistaziencreme hat den Hype unbeschadet überstanden. Ihren Platz am Frühstückstisch hat sie so oder so. Die Auswahl war wahrscheinlich noch nie größer. Pistaziencreme steht im Supermarkt neben der Marmelade, sie ist häufig bio wie zum Beispiel die Produkte von Ecoterra und Naughty Nuts  oder vegan wie von Koro. Sie ist zugleich ein Feinkostprodukt, das dort hergestellt wird, wo es besonders schön ist: im Piemont wie die Creme von Cascina San Francesco oder in Südtirol wie die von Oberhöller. Aber welche schmeckt nun wirklich gut? Der Eisdielen-Trick hilft. Denn wie beim Eis gilt auch bei der Creme: Das Grün entscheidet. Ist es leuchtend, kann es keine reine Pistaziencreme sein. Grün-beige ist besser. Olivgrün deutet auf einen hohen Nuss-Anteil hin. So gesehen, ist das Grün in den Croissants unserer Lieblingsbude ganz schön grell.