Mikroskopisch kleine Tröpfchen können sich ganz allein, ohne Steuerung von außen, durch ein Labyrinth bewegen – mithilfe eines physikalischen Effekts. Das haben Forscher der TU Darmstadt mit Kollegen aus China herausgefunden. Die Wissenschaftler testeten sowohl am Computer als auch im Labor, wie sich Tröpfchen aus einfachen chemischen Flüssigkeiten verhalten, wenn sie am Eingang eines Labyrinths platziert werden. Die Tröpfchen begannen, sich spontan zu bewegen, und navigierten zuverlässig zum Ausgang des Labyrinths, selbst wenn dieses größer und komplexer wurde. Erklären lässt sich dies den Forschern zufolge dadurch, dass die winzigen Flüssigkeitskugeln kleine Mengen ihres Inhalts an die Umgebung abgeben. Diese würden von den Wänden des Labyrinths – auch von den Enden der Sackgassen – zurückgeworfen. Dadurch werde das Tröpfchen automatisch von blockierten Wegen weggelenkt. Die Ergebnisse zeigten, dass künstliche Materiesysteme selbständig navigieren könnten, ohne dafür wie biologische Systeme komplexe biochemische Mechanismen zu benötigen, sagt Studienautor Benno Liebchen. Die Entdeckung öffne den Weg zu neuen mikroskopischen Systemen, die dort eingesetzt werden könnten, wo herkömmliche Robotik an Grenzen stoße. So könnten etwa enge Umgebungen erkundet und kleine Frachten über komplizierte Wege an ihr Ziel gebracht werden.
