FAZ 18.12.2025
15:04 Uhr

Peter Arnett verstorben: Meister des Nah-Dran-Seins


Der weltberühmte CNN-Reporter Peter Arnett ist tot. Wie kein anderer stand er für den Live-Kult des amerikanischen Fernsehens im Krieg.

Peter Arnett verstorben: Meister des Nah-Dran-Seins

Peter Arnett saß am 17. Januar 1991 im Al-Rashid-Hotel in Bagdad, als die amerikanische Bombardierung der Stadt begann. Eine seltene, funktionierende Telefonverbindung machte es möglich, dass der CNN-Reporter stundenlang live vom Beginn des Zweiten Golfkrieges berichtete. Der Eindruck des Krieges schien in den Wohnzimmern rund um die Welt  so unmittelbar wie nie zuvor – neben der konzentrierten Stimme des Reporters, der das Geschehen einzuordnen versuchte, waren Explosionen und Sirenen zu hören. Manche nannten Arnetts Berichte aus dem Golfkrieg eine neue Ära des journalistischen Nah-Dran-Seins. Er gehörte zu den Journalisten, die diese Unmittelbarkeit zu einem, wenn auch nicht dem einzigen, zentralen Qualitätsmerkmal ihrer Arbeit machten. Gelobt wurde der seinerzeit wohl bekannteste Kriegsreporter der Welt, weil er für den Anspruch stand, Krieg nicht nur aus der Perspektive westlicher Militär-Briefings zu erzählen. Er berichtete auch aus Vietnam, dem Irak, aus Afghanistan, dem Libanon, Angola und El Salvador. Arnett interviewte auch Sadam Hussein und 1997 Osama Bin Laden, den späteren Drahtzieher der Anschläge vom 11. September 2001. Er stand wie kaum ein anderer für das amerikanische Live-Fernsehen, an dem sich fortan auch Reporter in anderen Ländern maßen, das aber auch dafür kritisiert wurde, Schnelligkeit und Nähe vor Analyse zu setzen. Ursprünglich kam Arnett aus Neuseeland. Dort wurde er 1934 in Riverton geboren und wuchs in Bluff auf, einer Hafenstadt auf der Südinsel. Seine Familie hatte sowohl englische Vorfahren als auch solche, die Māori waren. Pulitzerpreis für die Vietnam-Berichterstattung Arnett flog kurz, bevor er die Schule abgeschlossen hätte, von einem exklusiven Jungen-Internat, weil er gegen Schulregeln verstoßen hatte. Seinen Start als Journalist hatte er bei der Lokalzeitung „The Southland Times“. Später zog er nach Bangkok, berichtete für den „National Geographic“ und dann von 1962 bis 1965 für die Agentur Associated Press (AP) aus dem Vietnamkrieg, er blieb auch anschließend im Land. Fast zwei Jahrzehnte lang war Arnett schließlich Kriegsreporter für CNN, ließ sich in den USA einbürgern. Zu seinem Tod schrieb die „New York Times“, Arnett habe „Nachrichten geliefert und Regeln gebrochen.“ So berichtet das Blatt, dass Arnett in den Sechzigerjahren nach dem Ausfall des Telegrafenamts während eines Putsches in Laos in den Mekong gesprungen und nach Thailand geschwommen sei, um seinen Bericht zu übermitteln. Arnett veröffentlichte unter dem Titel „Live from the Battlefield“ ein Buch über seine Erlebnisse. Er war geschieden und hatte zwei Kinder. Der Reporter wurde 1966 mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnet, die Journalismus-Fakultät des neuseeländischen Southern Institute of Technology ist nach ihm benannt. Peter Arnett starb am 17. Dezember 2025 in Newport Beach, Kalifornien. Er wurde 91 Jahre alt.