Kaum ein anderer Krebs ist so schwierig zu behandeln wie das Glioblastom: Menschen, die an diesem Hirntumor erkranken, haben im Durchschnitt nur noch anderthalb Jahre zu leben. Varun Venkataramani hat möglicherweise einen neuen Ansatzpunkt gefunden, diese tödliche Krankheit zu bekämpfen. Dafür wird der 36 Jahre alte Mediziner am 14. März in der Paulskirche mit dem Paul-Ehrlich- und Ludwig-Darmstaedter-Nachwuchspreis geehrt. Die Auszeichnung ist mit 60.000 Euro dotiert. Venkataramani leitet eine Forschungsgruppe an der Universität Heidelberg. Schon während seiner Doktorarbeit hat er unter dem Elektronenmikroskop die Verbindung einer Glioblastomzelle mit einer Nervenzelle entdeckt. Das war überraschend, weil Glioblastome selbst nicht aus Nervenzellen, sondern aus entarteten Nähr- und Stützzellen bestehen. Der Wissenschaftler konnte zeigen, dass die Tumorzellen das Verhalten unreifer Nervenzellen imitieren und Stromimpulse an Nervenfasern abgreifen, wodurch sie ihre Teilung fördern und sich schneller ausbreiten. Mit einem Medikament namens Perampanel, das eigentlich zur Behandlung von Epilepsien entwickelt wurde, ließ sich die Signalübertragung in Laborexperimenten verhindern. Derzeit läuft eine Studie, die zeigen soll, ob diese Methode auch bei Glioblastom-Patienten funktioniert. Venkataramanis Forschungsgruppe hat nach Angaben der Paul-Ehrlich-Stiftung außerdem den Machbarkeitsnachweis für ein gentherapeutisches Verfahren erbracht, das eines Tages zur Diagnose und Therapie von Gliomen eingesetzt werden könnte – der häufigsten Klasse von Gehirntumoren, zu der auch das Glioblastom gehört. Dabei werden jene Nervenzellen, die mit dem Tumor verbunden sind, durch einen Farbstoff markiert und so für den programmierten Zelltod vorbereitet. Indem der Krebs auf diese Art sozusagen vom Stromnetz genommen wird, könnte sein Wachstum gestoppt werden.
