Vor der Kundenhotline der Bank sind alle Menschen gleich. Am Telefon könnte sich ja jeder ausgeben als Friedrich Merz, als Heidi Klum – oder eben auch als der Papst. Diese Erfahrung hat auch Leo XIV. im vergangenen Jahr gemacht, so schilderte es zumindest der Augustinermönch Tom McCarthy aus Naperville im US-Bundesstaat Illinois. Vor einigen Gemeindemitgliedern erzählte Pater Tom, wie der Papst zwei Monate nach seiner Ernennung bei seiner Bank in Süd-Chicago anrief, um seine Telefonnummer und seine Adresse ändern zu lassen. Mit seinem bürgerlichen Namen Robert Prevost habe er sich bei der Kundenhotline gemeldet und alle Sicherheitsfragen beantwortet, schilderte der Geistliche. Die Mitarbeiterin der Kundenhotline habe dem 70-Jährigen dennoch nicht helfen können: „Es tut mir leid, hier steht, Sie müssen persönlich vorbeikommen.“ Das werde er nicht einrichten können, soll Leo XIV. ihr entgegnet haben. Ob man da wirklich nichts machen könne? Doch die Mitarbeiterin sei hartnäckig geblieben. Also versuchte es der Papst mit Verweis auf sein Amt: „Würde es etwas ändern, wenn ich Ihnen sage, dass ich Papst Leo bin?“ Offenbar nicht: Wie Pater Tom berichtete, habe die Frau einfach aufgelegt.„Können Sie sich vorstellen, als die Frau bekannt zu sein, die bei Papst Leo einfach aufgelegt hat?“, fragte der Pater die lachende Kirchengemeinde. Die Anekdote schilderte Pater Tom bereits Ende April, ein Mitschnitt landete auf Tiktok und wurde schließlich in dieser Woche von der „New York Times“ aufgegriffen. Der Geistliche bestätigte der Zeitung per E-Mail die Echtheit des Videos. Demnach lernte er Papst Leo XIV. in den Achtzigerjahren in Chicago kennen. Beide waren in der Stadt aufgewachsen und später dort tätig. Die Sache mit der Bank ließ sich schlussendlich doch ohne Flug von Rom nach Chicago lösen. Ein befreundeter Priester regelte die Angelegenheit laut Pater Tom mit dem Chef der Bank: Wenn es ohne persönliches Erscheinen nicht gehe, müsse der Papst die Bank eben wechseln, erklärte er diesem. Die Bank habe den Papst jedoch unbedingt als Kunden behalten wollen – und die Kontaktdaten geändert. Nur eine Bitte hatte der befreundete Priester noch: „Gebt die Telefonnummer nicht heraus!“
