FAZ 10.12.2025
08:35 Uhr

Palma in der Weihnachtszeit: Man spricht Deutsch


Im Minirock Glühwein trinken: Palma feiert bei knapp zwanzig Grad die Vorweihnachtszeit. Und die Stadt strahlt wie ein Kunstwerk aus Lichtern. Doch gegen einen Weihnachtsmarkt gab es Proteste.

Palma in der Weihnachtszeit: Man spricht Deutsch

Durch den Parc de Sa Feixina weht der Geruch von Bratwurst und Glühwein, und die Palmen stehen Spalier. Die Palmen? Ja! Dabei wird auf diesem Weihnachtsmarkt in Palma so viel Deutsch gesprochen, dass man sie fast für eine Kulisse halten könnte – wäre da nicht das Meer. Außerdem streicht ein warmer Wind über die Haut. Es sind knapp zwanzig Grad, und eine junge Frau aus Wien sagt: „Ich wollte schon immer mal im kurzen Rock auf einen Weihnachtsmarkt gehen.“ Dafür verzichtet sie gern auf die Punsch-Atmosphäre, die habe sie ja bald wieder in der Wiener Dezemberkälte. Als weihnachtsmarktverwöhnter Deutscher sollte man in Palma nicht an den Nürnberger Christkindlesmarkt oder das prächtige Karussell auf dem Frankfurter Römerberg denken. Unübertroffen sind wohl die Dächer der Stuttgarter Stände, auf denen Kunstwerke thronen. Die mit Lichterketten geschmückten Holzbuden im Parc de Sa Feixina sind natürlich hübsch, aber kaum zu unterscheiden. Dafür plätschert ein Brunnen, die Palmen rauschen, Handschuhe braucht niemand, und es gibt Live-Musik. Kinder sausen lachend über die Eislaufbahn, und vor der Bühne wird zu „Feliz Navidad“ getanzt. Ein älteres Paar aus Nordrhein-Westfalen ist von der Atmosphäre ganz hingerissen. Die Frau sagt: „Ich war vor Jahren in Palma, als die Stadt gerade geschmückt wurde. Ich wollte unbedingt erleben, wie Palma in der Weihnachtszeit strahlt, und jetzt hat mir mein Mann diese Reise zum Geburtstag geschenkt.“ Der Markt im Parc de Sa Feixina findet in diesem Jahr zum ersten Mal statt, initiiert von zwei österreichischen Unternehmern. Doch diese Weihnachtsheiterkeit gefällt nicht jedem hier. Anfang November protestierten Anwohner der angrenzenden Viertel gegen den bis zum 6. Januar geöffneten Markt „Christmas in Palma“. Die „Mallorca Zeitung“ titelte: „Zu laut, zu lang, zu fremd“. Der Unmut der Bürger entzündete sich an der Zweckentfremdung des öffentlichen Parks und der befürchteten Lärmbelästigung. Die Stadt nahm die Sorgen der Bürger ernst und kam ihnen etwas entgegen: Musik darf im Parc de Sa Feixina nur freitags und samstags von 19.30 Uhr bis 21.30 Uhr gespielt werden. Doch vielleicht hat die beschwingte Atmosphäre inzwischen auch manchen Gegner versöhnt, und nun stoßen die einstigen Wutbürger mit Glühwein an und drehen eine Runde auf der Eislaufbahn. Wie eine Kunstinstallation Obwohl die Tage warm und sonnig sind, freuen wir uns auf den Einbruch der Dunkelheit. Erst dann wird die monatelange, knifflige Arbeit vieler Menschen sichtbar und Palma eine Stadt des Lichts. Gut 614 Kilometer Lichterketten und damit etwa 70 Kilometer mehr als im vergangenen Jahr wurden um Baumstämme und Äste gewickelt, über Straßen und Plätze gespannt und an Häuserfassaden befestigt. Hinzu kommen mehr als 3300 Lichtmodule. Riesige Kugeln, bunte Sterne und Schneeflocken konkurrieren mit Weihnachtsbäumen aus metallischen 3D-Gerüsten, die unter LED-Netzen verschwinden, um Aufmerksamkeit. Eine Stadt im Lichterrausch, die für die Nebensaison wirbt. Über die Plaça de Cort vor dem Rathaus spannt sich ein girlandenähnliches Lichterdach, ein goldener Sternenhimmel wie aus einem Märchen. Ikonisch ist die Weihnachtsbeleuchtung der Flaniermeile Passeig del Born. Die mit Platanen gesäumte Allee wirkt durch die in hoher Dichte arrangierten Lichterketten und die Kugeln wie eine Kunstin­stallation. Dagegen verblasst auch der sonst so selbstbewusste Louis-Vuitton-Schriftzug. Ohne den Trubel hätte dieser Ort etwas Meditatives. Da taucht zwischen all dem Licht ein großer Panda auf und wackelt so gelassen mit dem Kopf, als könne er Gedanken lesen. Hier, am Passeig del Born, liegt auch das luxuriöse Boutiquehotel Can Alomar, ein restaurierter Palast aus dem 19. Jahrhundert mit sechzehn Zimmern und Suiten. Abends trifft sich auf den beiden großen Terrassen ein gemischtes Publikum, trinkt Wein und Cocktails, und die Frauen führen ihren Schmuck vor. Die Sorgen sind überschaubar: Der passende Golfplatz für die nächste Partie muss noch gefunden werden, und neue Kunst für die Finca wäre auch schön. Praktischerweise bespielt die Gerhardt Braun Gallery nur wenige Schritte entfernt mehrere Räume. Ausflug nach AlaróViele Gäste kommen, um im Restaurant De Tokio a Lima zu essen, das die mediterrane Küche mit japanischen und peruanischen Einflüssen kombiniert. Mit dem Gedanken, dort häufiger zu essen, könnte man sich jedenfalls anfreunden. Einnehmend am Can Alomar ist, wie es Eleganz und Lässigkeit verbindet und dass dieses Prachthaus nicht in deutscher Hand ist – man hört oft Spanisch, Englisch und Französisch. Ausflug nach Alaró „Fahren Sie nach Alaró, und besuchen Sie dort den Weihnachtsmarkt! Den dürfen Sie sich nicht entgehen lassen“ hatte der Concierge empfohlen. Verzückt erzählte er von diesem am Südhang des Tramuntana-Gebirges gelegenen Ort. Also fahren wir am nächsten Vormittag in das nur dreißig Minuten entfernte Alaró. Der Himmel ist so blau, als kündige er einen Sommer- und keinen Wintertag an. Ein schmerzlich vermisstes Licht hebt die ohnehin gute Stimmung zusätzlich. Und die Schwärmerei des Concierges war nicht übertrieben. Alaró ist ein typisch mallorquinischer, von Gassen durchzogener Ort mit ocker- und sandfarbenen Häusern. Es herrscht ein ohrenbetäubender Lärm: Die Musiker tragen grüne Weihnachtsmützen und ziehen trommelnd Richtung Plaça de la ­Vila. Ein paar Kinder halten sich, hinter ihren Müttern versteckt, die Ohren zu. Auf dem zentralen Platz, eingerahmt vom Rathaus sowie der Kirche Església de Sant Bartomeu, findet der Markt statt. Außer einem aus Holz gefertigten und in Rot und Weiß geschmückten Weihnachtsbaum sowie einem Stand, der Glühwein für 3,50 Euro verkauft (in Palma kostet er meistens fünf Euro), hat er allerdings wenig Weihnachtliches an sich. Aber das muss er auch gar nicht. Die liebevoll hergerichteten Stände zeigen, dass dieser Markt etwas Besonderes ist. Verkauft wird Schmuck, Kunsthandwerk, Kleidung, Kosmetik, Spielzeug und allerlei anderes. Der selbst gebackene Zitronenkuchen, den ein paar Seniorinnen, die wohl tagelang in der Küche standen, im Angebot haben, schmeckt köstlich. Vor dem Weihnachtsbaum versammelt sich eine Gruppe Musiker und spielt den „Kleinen Trommler“. Sie ernten Applaus und staunende Kinderblicke. Als Fremde fühlt man sich inmitten dieser Herzlichkeit fast aufgehoben. In der Sonne ist es inzwischen so warm, dass ein T-Shirt ausreicht. Wir müssen trotzdem zurück nach Palma, aber der Blick auf die Uhr tröstet. Bald geht die Sonne unter – und wir folgen wieder dem Licht. Informationen über das Hotel Can Alomar unter www.canalomarhotel.com. Eine Nacht im Doppelzimmer Deluxe ist ab 314 Euro pro Nacht buchbar. Die sehr schöne Suite Can Alomar ist etwa 53 Quadratmeter groß und kostet pro Nacht ab 494 Euro. Der Weihnachtsmarkt Christmas in Palma im Parc de Sa Feixina endet am 6. Januar. Der Weihnachtsmarkt in Port Adriano findet vom 19. Dezember bis zum 7. Januar statt.