Gleich nach seiner finalen Landung im Skistadion von Bischofshofen war Domen Prevc auf den Schultern seiner slowenischen Teamkollegen Anze Lanisek und Rok Oblak zu sehen, dort oben streckte er seine Skier in die Luft. Zweiter wurde Prevc am Dreikönigstag und war dennoch der große Sieger an diesem eiskalten Abend im Pongau. Denn er hat die 74. Vierschanzentournee gewonnen – und das mit riesigem Vorsprung auf den Österreicher Jan Hörl, seinem ersten Verfolger in der Gesamtwertung. Später übergab der österreichische Vorjahressieger Daniel Tschofenig seinem Nachfolger die Trophäe für den Tournee-Triumph, den Goldenen Adler. „Extrem cool“ fand Tschofenig diese neue Rolle, denn „der Domen ist extrem super und genial gesprungen, er hat den Sieg total verdient“. Allerdings war auch Tschofenig ein Sieger am Dienstagabend, denn er hat das finale Springen dieser Tournee für sich entschieden. Erstes Brüderpaar, das die Tournee gewonnen hat Prevc selbst war in den Minuten nach seinem großen Erfolg sehr bewegt und sagte: „Für mich ist ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen. Davon habe ich schon als kleiner Junge geträumt, erst recht nachdem mein Bruder Peter vor zehn Jahren die Tournee gewonnen hat.“ Domen und Peter Prevc sind seit Dienstagabend das erste Brüderpaar, das diese Reise über die vier Schanzen für sich entschieden hat. Mehr noch: Mit Domen und Nika Prevc führen zwei Geschwister die Weltcup-Gesamtwertung bei den Männern und Frauen an – auch das hat es noch nie gegeben. „Dass ich jetzt den Goldenen Adler in Empfang nehmen konnte, haut mich fast um, ich bin voller Emotionen“, sagte Domen Prevc. Dieser Erfolg und überhaupt diese erstaunliche Serie von sieben Siegen in den vergangenen zehn Weltcup-Springen „kommt aber nicht einfach so zustande. Das ist das Ergebnis von harter Arbeit und Hingabe für den Sport“, erklärte er. Bei der Tournee war der 26 Jahre alte Slowene der große Schanzen-Souverän. Die ersten beiden Wettkämpfe in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen gewann er, die beiden anderen in Innsbruck und Bischofshofen beendete er auf Platz zwei. Das bedeutet auch, dass Prevc mit dieser Überform auch der Top-Favorit für die Skiflug-WM in zweieinhalb Wochen in Oberstdorf ist. Zumal diese Spielart des Skispringens diesem ästhetischen Segler sehr liegt. Auch bei den Olympischen Spielen Anfang Februar auf den Schanzen von Predazzo ist der Einzel- und Teamweltmeister von Trondheim 2025 in beiden Einzel-Wettkämpfen favorisiert. Nichts zu holen für die deutschen Springer Im Schatten von Prevc, dem Tagessieger Tschofenig und dem Tournee-Zweiten Hörl agierten bei dieser Tournee die deutschen Springer. Am Mittwoch reichte es für den Thüringer Felix Hoffmann nach Rang drei in Oberstdorf und zwei fünften Plätzen in Garmisch und Innsbruck zu Platz zehn, was in der Tournee-Gesamtwertung Rang sechs ergab. Hoffmann litt allerdings schon in Innsbruck und auch in Bischofshofen an einer Reizung im linken Knie, die ihn unterhalb der Kniescheibe bei der Landung schmerzte. Die Verletzung wird zeitnah mittels einer MRT-Untersuchung gecheckt, danach entscheidet sich, ob Hoffmann auch beim nächsten Weltcup in Zakopane dabei ist, oder ob er pausieren muss. Auch Philipp Raimund sprang am Dienstag deutlich sichtbar mit einem Handicap. Eine Erkältung mit Halsschmerzen und starkem Husten raubte ihm viel von seiner Kraft. Bundestrainer Stefan Horngacher erzählte, dass Raimund beim Aufwärmen in einer Turnhalle schon erschöpft auf einer Matte gelegen habe. Daraufhin habe Horngacher gesagt: „Philipp, so kannst du nicht springen.“ Raimund habe gesagt: „Doch, ich möchte es unbedingt angehen.“ Am Ende erreichte er nach einem starken ersten und einem schwächeren zweiten Sprung Rang zwölf in der Tages- und Position acht in der Tourneewertung. Horngacher schickte Raimund gleich nach dem Wettkampf zur Regeneration ins Bett. Der Coach geht aber davon aus, dass er seinen Topspringer auch in Zakopane einsetzen wird. Dort werden außerdem seine formschwachen Athleten Pius Paschke, Karl Geiger und Andreas Wellinger zum Einsatz kommen. Geiger und Wellinger schafften es in allen vier Tournee-Sprüngen nicht in den zweiten Durchgang. Geiger scheiterte sogar an der Qualifikation für den Auftaktwettkampf in Oberstdorf. Zwei dieser drei Springer benötigt Horngacher neben Hoffmann und Raimund für den Vierer-Mannschaftswettkampf bei der Skiflug-WM vor heimischem Publikum in Oberstdorf. „Alle drei haben hier Fortschritte gemacht, ich gehe davon aus, dass sie sich noch weiter nach vorn arbeiten werden“, sagte Horngacher. Wellinger und Paschke werden Mitte Januar die Weltcupreise nach Sapporo nicht mitmachen. Sie sollen in Spezialtrainingseinheiten weiter an ihrer Form arbeiten. Geiger wiederum soll in Japan abheben – ihm fehlt im Gegensatz zu Hoffmann, Raimund, Paschke und Wellinger noch die Norm für die Olympia-Qualifikation.
