Im Grunde genommen ist Olympia ein übergroßer Laufsteg. Klar, es geht um sportliche Leistungen der Teilnehmer, und die Wettkampfanzüge, die sie dabei tragen, müssen vor allem funktional sein. Aber schon bei der Eröffnungsfeier in Mailand am Freitagabend zeigte sich, dass Olympia auch ein Schaulaufen ist, wie man es sonst nur von der italienischen Fashion Week kennt, die in diesem Jahr dann auch tatsächlich kurz nach den Olympischen Spielen in Mailand stattfinden wird. Dass der Look einer Mannschaft nicht unbedeutend ist, haben andere Nationen verstanden. Die Outfits für Eröffnungs- und Abschlussfeier des amerikanischen Teams wurden von Designer Ralph Lauren entworfen, die des italienischen Teams von Giorgio Armani, der im September vorigen Jahres verstarb und den glanzvollen Auftritt der Sportler vor heimischer Kulisse nicht mehr miterleben konnte. Und die Deutschen? Nach ihrem Auftritt bei der Eröffnungsfeier am Freitagabend bekam die frühere Eiskunstläuferin Katharina Witt, die im ARD-Studio den Abend kommentierte, einen Lachanfall und rang den „Angler-Outfits“, mit denen die deutsche Mannschaft auflief, noch etwas Positives ab: Die Mischung aus „Poncho, Tagesdecke und Luftmatratze“ könnten immerhin im Anschluss noch vielfältig eingesetzt werden. Das war vielleicht ein bisschen viel der Häme, zumal die deutschen Sportler die Ponchos und Hüte selbst mit Humor nahmen, als beim Einlaufen in Cortina d’Ampezzo Bobfahrer Joshua Tasche sich vor seinen Teamkollegen auf den Boden warf und wie ein Fisch am Haken zappelte, während die übrigen Athleten pantomimisch eine Angel einholten. Trotzdem muss man sich fragen, warum Adidas als Ausstatter von immerhin zwölf Nationen bei den olympischen Spielen ausgerechnet bei dem deutschen Team auf ein so abwegiges Outfit setzte, das optisch gesehen an einen regnerischen Tag auf dem Fahrrad erinnerte und ganz gewiss nicht an die malerische Kulisse von schneebedeckten Bergen. Immerhin gab es auch andere Nationen, die entweder mit nichtssagenden oder eben misslungenen Outfits aufwarteten, wie etwa Belgien mit seinen grellgelben Postboten-Jacken, Kanada mit wattierten Ahornblatt-Capes und Frankreich, eigentlich ein Land der Mode, mit unförmigen Parkas und Hosen, die statt im satten „Bleu de France“, das man von den Fußballtrikots der Nationalmannschaft kennt, in fadem Hellblau gehalten waren. Die Farbe der Spiele, das zeigte sich auch bei den Outfits für die Wettbewerbe und Siegerehrungen, ist Weiß, was schlicht und frisch zugleich wirkt. Auch die deutschen Rennanzüge für die alpinen Ski-Wettbewerbe sind weiß, mit schwarz-rot-goldenen Streifen an Armen und Beinen. Ein gelungenes Outfit, genauso wie die grauen Jacken, die deutsche Sportler zur Siegerehrung mit gelben oder roten Wollmützen tragen. Deutsches Design stand stets für Schlichtheit und Funktionalität. Daran sollten sich die Olympia-Ausstatter künftig orientieren und nicht mit formlosen Schnitten und seltsamem Mustermix experimentieren.
