Der flüchtige Ex- Wirecard -Vorstand und Milliardenbetrüger Jan Marsalek und sein bulgarisch-russischer Spionagering waren offenbar mit einem Geldwäschenetzwerk verbunden, das illegale Gelder in Milliarden Dollar transferiert hat. Das geht aus einem Bericht der britischen Kriminalpolizeibehörde National Crime Agency (NCA) hervor, der am Freitag veröffentlicht wurde. Das Geldwäschenetz hat demnach Verbindungen sowohl zu Drogenkartellen und Waffenhändlern als auch zu russischen Geheimdiensten und sanktionierten Unternehmen. In Großbritannien operierte es in 28 Städten. „Gegen eine Gebühr sammeln die Geldwäscher ‚schmutziges‘ Bargeld aus dem Drogenhandel, dem Waffenhandel und der organisierten Einwanderungskriminalität ein und wandeln es in ‚saubere‘ Kryptowährung um“, erklärte die NCA. Solche „Cash-zu-Krypto“-Tauschgeschäfte seien integraler Bestandteil eines globalen „kriminellen Ökosystems“, das lokale Drogenbanden, Sanktionsumgehung und die höchsten Ebenen der organisierten Kriminalität umfasse, „einschließlich der Bereitstellung von Geldwäschediensten für den russischen Staat“. Geld für den Spionagering Das Netz der Kriminellen operierte demnach in gut dreißig Ländern. Inzwischen sind 128 Verdächtige verhaftet worden. Die NCA hat 25 Millionen Pfund (28,5 Millionen Euro) in Bargeld und Kryptowerten beschlagnahmt. Partnerbehörden konnten 24 Millionen Dollar und 2,6 Millionen Euro in Bargeld sicherstellen. Als Kryptowährung wurde offenbar vor allem Tether genutzt. Der Kurs dieser Kryptowährung schwankt nur wenig. Aufsehenerregend ist, dass nun eine Verbindung zu Marsalek und seinem bulgarisch-russischen Spionagering erkennbar wird. Die Geldwäscher operierten über zwei russische Unternehmen namens TGR und Smart Group. Letztere wurde von der aus Sibirien stammenden Unternehmerin Ekaterina Zhdanova geleitet, die in Moskau als High-Society-Lady galt. Nach Angaben der NCA haben russische Geheimdienstmitarbeiter Smart Group für die Finanzierung von Marsaleks Bulgaren-Gruppe um Orlin Roussev genutzt. Die Mitglieder des Spionagerings wurden inzwischen zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Zhdanova sitzt in Untersuchungshaft in Frankreich. Wie die NCA weiter berichtet, hat TGR-Chef George Rossi über sein Unternehmen Altair Holding SA eine Mehrheit an der kirgisischen Bank Keremet erworben. Diese half bei Zahlungen der russischen Staatsbank Promsvyazbank , was wiederum Unternehmen der russischen Rüstungsindustrie nutzten. Die neuen Enthüllungen über Marsalek zeigen eine weitere Facette seines vermuteten kriminellen Wirkens. Der 45 Jahre alte Österreicher war 2010 bis 2020 Vorstand des deutschen Finanzdienstleisters und Dax-Konzerns Wirecard, der 2020 Insolvenz angemeldet hatte. Im Juni des Jahres tauchte Marsalek unter. Das Wiener Innenministerium prüft, ihm wegen seiner Aktivitäten für ausländische Geheimdienste die österreichische Staatsbürgerschaft zu entziehen.
