Am Morgen nach dem spektakulären Rettungseinsatz der Feuerwehr verhält sich Lilak wie immer. Zoodirektor Thomas Kauffels ist am Fastnachtsdienstag gegen 7.15 Uhr selbst als Erster in den Stall im Elefantenhaus des Kronberger Opel-Zoos gegangen, wie er sagt. Um den Pflegern den ersten Anblick zu ersparen, falls das 55 Jahre alte Tier wieder hilflos am Boden gelegen hätte wie am Morgen davor. Oder wenn sogar Schlimmeres passiert wäre über Nacht. Aber Lilak sei ganz normal nach vorne ans Gitter gekommen, habe Futter genommen. Es geht ihr offensichtlich wieder gut. Am Rosenmontag hatten die Tierpfleger die Elefantenkuh bei Dienstantritt am Boden liegend im Stall vorgefunden. Aus eigener Kraft konnte sie sich nicht aufrichten. Das gelang nur mithilfe der Kronberger Feuerwehr. Etwa 15 Einsatzkräfte seien angerückt, berichtet Kauffels am Dienstagmorgen. Sie hatten Luftkissen und Löschwasserschläuche dabei. Mit dem Gerät konnten Feuerwehrleute und Tierpfleger das 3,7 Tonnen schwere Tier stabilisieren und hochziehen. Dabei seien die Feuerwehrleute nicht direkt an den Elefanten herangegangen, sagt Kauffels. Das hätten die Pfleger und die Zootierärztin übernommen, während die Feuerwehrleute sie unterstützten und technisch anleiteten. Die Aufzeichnungen der Überwachungskameras hatten zuvor gezeigt, dass die Kuh um 5.20 Uhr auf die Seite gefallen und seitdem nicht mehr aufgestanden war. Den Sturz beschreibt Kauffels als unglücklich, ähnlich, wie das auf Glatteis geschehen könne. Für die Verantwortlichen im Zoo kam das Ereignis völlig unerwartet. Noch am Sonntag sei Lilak wie gewohnt mit der jüngeren Elefantenkuh Kariba und dem kleinen Elefantenkalb Kaja auf der Lauffläche des Elefantenhauses unterwegs gewesen und habe sich um das Jungtier gekümmert. Nach der dramatischen Entdeckung vom Rosenmontagmorgen war Eile geboten. Wenn Elefanten zu lange liegen, kann das die Funktion der Organe einschränken. Auch im Schlaf liegen die Tiere normalerweise nur wenige Stunden. Als gutes Zureden und Leckereien von Pflegern und Tierärztin wenig ausrichten konnten, entschied sich der Zoo, die Feuerwehr zu rufen. Wie der Zoodirektor sagt, hat es vor einigen Jahren schon einmal einen vergleichbaren Einsatz gegeben. „Das sind auch unsere Elefanten“ Das Verhältnis zur Feuerwehr in der kleinen Stadt im Taunus sei ohnehin eng, viele der Ehrenamtlichen würden die Tiere im Zoo von klein auf kennen. Einer habe gesagt: „Das sind auch unsere Elefanten.“ Kauffels dankte den Einsatzkräften mit den Worten: „Ohne die technischen Möglichkeiten und die Erfahrung der Feuerwehr wäre eine solche Herausforderung für uns nur schwer zu meistern.“ Nach dem aufregenden Tag habe niemand vom Personal bei Lilak übernachtet, sagt Kauffels. Das hätte nur unnötige Unruhe unter den Tieren verursacht. Auch bei der Geburt von Elefantenbaby Kaja Ende Mai vergangenen Jahres sei aus demselben Grund kein Mensch dabei gewesen. Um die werdende Mutter Kariba kümmerte sich damals übrigens Lilak. Die für einen Elefanten hochbetagte Kuh ist schon immer an Karibas Seite. Sie hat sogar Karibas Geburt im Berliner Tierpark vor 20 Jahren miterlebt. Im Jahr 2020 sind die beiden Kühe dann in den Opel-Zoo gekommen. Lilak ist 1971 in Afrika geboren und der einzige Wildfang unter den sechs Elefanten in Kronberg. Seit der Geburt der inzwischen knapp ein Dreivierteljahr alten Kaja nimmt sie die Rolle der Matriarchin der Herde aktiv ein. Für das Jungtier fungiert sie als eine Art Großtante und hat, wie Kauffels noch kürzlich berichtete, noch einmal richtig Energie entfaltet. Auch am Dienstagmorgen sieht also alles wieder gut aus im Elefantenhaus. Aber der Zoodirektor weiß aus Erfahrung, dass die Verantwortlichen nie sicher sein könnten. „In einem Betrieb, in dem geboren wird, wird auch gestorben.“
