Es gibt Besonderheiten der Kommunalwahl, am 15. März, da hilft nicht einmal ein Kommunalwahlkompass bei der Orientierung. Wenn es ums Kumulieren und Panaschieren geht, dann entscheidet allein der persönliche Kompass, ob man einzelne Kandidaten bevorzugt. In Frankfurt dürften bis zu 93 Kreuze einzeln an Kandidaten verteilt werden. Aber für die grundsätzliche Orientierung bei der Entscheidung für eine Liste ist Voto ein geeigneter Kommunalwahlkompass. Er wird von der Rhein-Main-Zeitung der F.A.Z. in Zusammenarbeit mit der TU Darmstadt und dem Forscherteam um Christian Stecker angeboten. Schon vor fünf Jahren wurde der Kommunalwahlkompass als erste auf Lokalpolitik spezialisierte Wahlentscheidungshilfe eingesetzt. „Kommunalpolitik ist Demokratie vor der Haustür – aber die Informationslage ist oft unübersichtlich. Voto schafft Orientierung“, sagt Stecker, der das Projekt in einem Team mit Thilo Dieing, Paul Manger und Sina Wensing an der TU Darmstadt koordiniert. Voto dient unter www.faz.net/wahlkompass als Onlinewerkzeug bei der Orientierung in der Kommunalpolitik. Wähler können dort für 27 Kommunen ihre Ansichten mit denen der Parteien abgleichen, die zur Kommunalwahl antreten. Die großen Städte des Rhein-Main-Gebiets wie Frankfurt, Darmstadt und Wiesbaden sind bereits online, weitere folgen in den nächsten Tagen. Am Ende der nur wenige Minuten dauernden interaktiven Befragung weist Voto aus, wie hoch der Grad der Übereinstimmung mit den einzelnen Parteien und Wählergruppierungen ist. Als Grundlage dienen Einschätzungen der Parteien selbst, die dieselben Fragen zu den wichtigsten Themen der jeweiligen Kommune beantwortet haben, die auch mit der Expertise der Redakteure der Rhein-Main-Zeitung entwickelt wurden. Motivation zu mehr Wahlbeteiligung Das Prinzip ist einfach und ähnelt dem bundesweit bekannten Wahl-O-Mat, der schon seit mehr als 20 Jahren von der Bundeszentrale für politische Bildung angeboten wird. Kernstück ist ein Katalog von Fragen, den die Nutzer leicht durchklicken können. Es sind Fragen zu konkreten kommunalpolitischen Themen wie Verkehrspolitik, Städtische Bühnen und Multifunktionsarena in Frankfurt oder Spielplätze in Darmstadt. Es gibt fünf Antwortmöglichkeiten: von starker Zustimmung bis zu starker Ablehnung. Mittels eines weiteren Buttons kann man angeben, ob ein Thema als besonders wichtig erachtet wird. Ist dies der Fall, wird die Antwort stärker gewichtet. Die Forscher haben ihr Tool entwickelt, um zu einer größeren Beteiligung an Kommunalwahlen zu motivieren, indem die Komplexität der Themen und politischen Angebote reduziert wird. Während Wahlprogramme üblicherweise von nur wenigen Wahlberechtigten durchgelesen würden, seien solche Spielzeuge deutlich niedrigschwelliger angelegt und förderten somit die Auseinandersetzung mit politischen Grundpositionen. Zugleich ziehen die Wissenschaftler aus der Beteiligung am Voto Schlüsse für ihre wissenschaftliche Arbeit. Die Auswertung der anonymen Antworten bietet interessante Einblicke in die Konfliktlagen in einzelnen Städten. Die Politikwissenschaftler verweisen auf Studien, die zeigen, dass Wahlhilfen keinen messbaren Einfluss auf die Wahlentscheidung haben, aber die Kenntnisse der Bürger über Themen und Positionen verbessern. Dennoch sei die parteipolitische Neutralität der Wahlhilfe wichtigstes Ziel. Aus Sicht von Demokratie wie auch Wahlforschung sei bedauerlich, dass sich in der Nutzung der Wahlhilfe ähnliche Verzerrungen wie bei der Wahlteilnahme selbst ergäben – Höhergebildete und Gutverdienende nähmen häufiger teil.
