FAZ 05.02.2026
15:58 Uhr

Olympische Winterspiele: Probleme auf der Eishockey-Baustelle


In der Eishalle von Mailand wirkt manches zum Start der Winterspiele provisorisch. Auch das Spiel der deutschen Eishockey-Frauen kommt bei der Auftakt-Niederlage gegen Schweden ausbaufähig daher.

Olympische Winterspiele: Probleme auf der Eishockey-Baustelle

Die deutschen Eishockey-Frauen sind mit einer Niederlage in die Olympischen Spiele gestartet. Am Donnerstag unterlagen sie vor 2455 Zuschauern in einem für das Turnier umgebauten Gebäude auf dem Mailänder Messegelände gegen Schweden 1:4 (1:1, 0:2, 0:1). Die Spielstätte, auf der in den kommenden Tagen auch die Männer ins Geschehen eingreifen, liegt weit außerhalb der Innenstadt; das Eis-Oval war von dunklen Folien umhüllt, und ein Teil der Tribünen auf provisorischen Metallgerüsten errichtet. Manches erinnerte eher an eine Baustelle als an eine Sportstätte. Weil in den nächsten zwei Wochen viele Partien anstehen, waren die Spielerinnen schon vor der offiziellen Eröffnungsfeier im Einsatz – zur Mittagszeit und unbeeindruckt von den Rahmenbedingungen, die von den Organisatoren mit dem Nachhaltigkeitskonzept der Großveranstaltung begründet werden. Sobald das Olympische Feuer am 23. Februar erloschen ist, rücken in der Halle wieder die Handwerker an, um sie für eine Fachausstellung für Yachthändler herzurichten. Das deutsche Team dominierte die Anfangsphase, verteidigte aufmerksam und ging in seiner ersten Powerplaysituation durch Nina Jobst-Smith in Führung. Die 24-Jährige, die mit ihren Eltern in Kanada lebt und in der vor zwei Jahren neu geschaffenen nordamerikanischen Profiliga für Frauen bei den Vancouver Goldeneyes unter Vertrag steht, überwand Torhüterin Ebba Svensson Träff (10. Minute). „Wir haken es ab“ Die Schwedinnen reagierten auf den Rückstand mit einer Tempoverschärfung und erhöhten in der neutralen Zone und beim Kampf um den Puck an der Bande den Druck, der nicht folgenlos blieb, denn er führte bei der Auswahl von Bundestrainer Jeff MacLeod zu Unordnung im Defensivverhalten und zu wenig präzisen Zuspielen. Eine der Ungenauigkeiten machte sich Lina Ljungblom zunutze, die wie Jobst-Smith ebenfalls in Übersee aktiv ist und für Montreal Victoire aufläuft. Nach ihrem Treffer in der zwölften Minute verschoben sich die Kräfteverhältnisse zugunsten der Schwedinnen, deren konsequentes Forechecking den Deutschen nicht behagte. Ljungblom erzielte in Überzahl auch das 2:1 für den Weltranglistensechsten (28.). Und nachdem Emily Nix wegen eines als überhart von den Referees bewerteten Checks gegen Mira Jungåker auf die Strafbank musste, nahmen die deutschen Probleme weiter zu: Jungåker, die nach dem Zusammenprall rasch wieder auf den Beinen stand, ließ Torhüterin Sandra Abstreiter, der die Sicht verdeckt war, mit einem Distanzschuss keine Abwehrmöglichkeit (40.). Die Versuche, die Niederlage durch eine Schlussoffensive abzuwenden, wurden zum einen von der ungenügenden deutschen Chancenverwertung und dem Tor Thea Johanssons (52.) konterkariert, die damit die letzten Zweifel beseitigte, wer hier und heute das bessere Ende haben würde. Daria Gleißner kommentierte das Abschneiden mit deutlichen Worten, wobei sie Wert darauf legte, dass sie ungeachtet der Enttäuschung optimistisch ist, dass es mit dem Erreichen der K.-o.-Phase etwas werden kann. „Wir müssen uns mehr durchsetzen und mehr Angriffe abschließen. Wer Tore schießen will, braucht Schüsse“, sagte die Kapitänin. „Wir haken es ab, arbeiten es auf und machen es besser“, lautete ihr Fazit, bei dem die 32-Jährige vom ECDC Memmingen zugleich den Blick voraus auf die zweite Vorrundenpartie (der danach noch drei folgen) gegen Japan an diesem Samstag (12.10 Uhr) richtete: Ein weiterer Misserfolg gegen die Asiatinnen, gegen die sie Ende Januar in der Olympiageneralprobe im oberbayerischen Ort Peiting in der Verlängerung 2:3 unterlegen waren, würde die Hoffnungen auf einen positiven Turnierverlauf noch nicht zunichtemachen, aber empfindlich schmälern.