FAZ 12.02.2026
16:30 Uhr

Olympische Winterspiele: Der peinlichste Sportchef aller Zeiten


RAI-Sportchef Paolo Petrecca hat bei der Eröffnung der Olympischen Winterspiele mit seiner grotesken Kommentierung den ganzen Sender blamiert. Redakteure  und Reporter sind außer sich. Und jetzt gibt es einen besonderen Streik.

Olympische Winterspiele: Der peinlichste Sportchef aller Zeiten

Bei den Olympischen Winterspielen Mailand-Cortina droht ein massenhafter Protest von Journalisten Italiens öffentlich-rechtliche Senderfamilie RAI in eine Krise zu stürzen. Der Auslöser ist die katastrophale Berichterstattung über die olympische Eröffnungsfeier am vergangenen Freitag. Paolo Petrecca, der Direktor von RAI Sport, hatte sich zahlreiche peinliche Ausrutscher in seiner Livekommentierung geleistet, die für einen landesweiten Aufschrei sorgten. Aus Laura Mattarella wurde die IOC-Präsidentin Kirsty Coventry Die Redaktion von RAI Sport teilt die Empörung und fühlt sich ohne eigenes Verschulden blamiert. Der Sender habe die schlechteste Leistung während eines der am meisten erwarteten Ereignisse aller Zeiten an den Tag gelegt. Anfang der Woche kündigte die Sportredaktion deshalb an, nach dem Ende der Spiele am 22. Januar in dreitägigen Streik zu treten. Sie teilte außerdem mit, ihre Signaturen ab sofort von allen Beiträgen, Liveschaltungen und Kommentaren zu den Wettkämpfen zurückzuziehen, bis die RAI erkenne, welchen Schaden der Direktor angerichtet habe: „Schaden an den Fernsehzuschauern, die die Gebühren zahlen, der RAI als Unternehmen und der gesamten Redaktion, die wie immer mit Leidenschaft an diesem großen Ereignis arbeitet“. Paolo Petrecca, der Giorgia Melonis „Brüdern Italiens“ angehört und seinen Posten vor allem der politischen Nähe zur Ministerpräsidentin verdanken soll, ist seit zehn Monaten Leiter der Sportredaktion. Er hatte die dreieinhalbstündige Übertragung aus dem San-Siro-Fußballstadion in Mailand mit den Worten „Willkommen im olympischen Stadion“ eröffnet und Kirsty Coventry, Präsidentin des Internationalen Olympischen Komitees, mit Laura Mattarella, Tochter des italienischen Präsidenten, verwechselt. Es folgten so viele weitere Fauxpas, dass der Fall von vielen internationalen Zeitungen aufgegriffen wurde. Spaniens Sportzeitung „Marca“ zitierte Petrecca mit den Worten, die Spanier seien „immer sehr leidenschaftlich“, Frankreichs „Le Figaro“ bezeichnete die Berichterstattung als „die schlimmste Demütigung von RAI Sport“. Personelle Konsequenzen blieben bisher jedoch aus. Unwürdiger Auftritt für die RAI Die Journalistengewerkschaft der RAI, USIGRAI, erklärte sich mit der Sportredaktion solidarisch. Die Berichterstattung über die Eröffnungsfeier sei „ein schwerer Schlag für das Image der RAI und die Würde aller Journalistinnen und Journalisten, die sich täglich dafür einsetzen, einen öffentlichen Dienst anzubieten, der diesen Namen verdient“, heißt es in ihrer Mitteilung. Sie hat für diesen Freitag zu einem „Unterschriftenstreik“ aufgerufen – die Berichterstatter sollen in allen Nachrichten, Radiosendungen, Informationsprogrammen der RAI ihre Namen weglassen. Am Ende jedes mindestens fünfminütigen Beitrags soll eine Erklärung verlesen werden, die den Grund des Protests erklärt. Bei RAI Sport läuft dieser Streik schon, am Freitag soll er auf alle Programme ausgeweitet werden. Paolo Petrecca stand schon mehrfach wegen journalistischer „Meisterleistungen“ in der Kritik. Er ist seit 2001 für die RAI tätig. Auf seinem früheren Posten als Chef von RAI News 24 hatte er bei dem Prozess gegen den Staatssekretär Andrea Delmastro von den „Brüdern Italiens“ einen Freispruch verkündet, bevor das Gericht sein Urteil gesprochen hatte – es lautete „schuldig“. Am Abend der französischen Präsidentschaftswahlen eröffnete Petrecca die Abendnachrichten mit dem Hinweis auf ein Kulturfestival, bei dem seine Partnerin auftrat.