Vor 50 Jahren war der Winter noch ein echter Winter und die Olympischen Winterspiele noch an einem einzigen Ort. Innsbruck 1976 brachte den Deutschen die „Gold-Rosi“, eine Bronzemedaille im Divisionsverfahren, und den Österreichern Gold für einen Nationalhelden. Wir blicken zurück. Tag 1 – Harte Nächte in Innsbruck Im Jahre 1976 n. Chr. redet ganz Innsbruck von den Olympischen Winterspielen. Ganz Innsbruck? Nein! Ein von empfindsamen Athleten bevölkertes Olympisches Dorf hört nicht auf, Widerstand zu leisten gegen die Gastgeber. Bewohner beschweren sich, dass die Militärbetten, die ihnen hingestellt wurden, viel zu hart seien. Die deutschen Eissportler lassen dem Meckern Taten folgen und besorgen sich zusätzliche Kopfkissen. Gewisse deutsche Funktionäre und Boulevardblätter heizen die Stimmung an, indem sie behaupten, der Gastgeber bekämpfe Olympiateilnehmer anderer Länder mit unfairen Mitteln. Die in Linz erscheinenden „Oberösterreichischen Nachrichten“ bezichtigen die Piefkes daraufhin einer „Hetzoffensive“. Allerdings ist auch der Bobpilot Werner Delle Karth unzufrieden mit dem Bettenlager in seiner Heimatstadt. „Morgens ist mir ganz schwindlig“, sagt der Innsbrucker und lässt sich von daheim eigenes Bettzeug bringen. Den olympischen Eid spricht Delle Karth am Mittwoch, 4. Februar 1976, bei frühlingshaftem Wetter recht ausgeruht. Die Militärbetten passen zu Innsbrucks Motto, sich dem aufgekommenen Gigantismus der Olympiastädte zu widersetzen und „einfache Spiele“ zu veranstalten. Von der scheinbaren Bescheidenheit zeugt auch das schlichte Maskottchen: „Schneemandl“ trägt roten Tirolerhut zur Karottennase. Außer einfach sollten die XII. Olympischen Winterspiele auch billig sein. Hatte die Hauptstadt Tirols doch schon als Ausrichterstadt 1964 viel Geld in Sportstätten investiert. 1976 ist Innsbruck für Denver eingesprungen, nachdem die auserwählte US-Stadt hingeschmissen hatte. Nicht gekleckert, sondern geklotzt wird bei der Sicherheit. 2500 Polizisten bewachen die 1261 Olympiateilnehmer und ihren Tross. In Alarmstimmung versetzt hat Innsbruck der Terroranschlag bei den Sommerspielen 1972 in München sowie die Geiselnahme bei der Ministerkonferenz erdölexportierender Länder in Wien sechs Wochen vor der Eröffnungsfeier. Dass von Terroristen mehr Gefahr für Leib und Leben ausgeht als von harten Matratzen, sehen selbst die sensibelsten Wintersportler ein. (kle.)
