FAZ 27.09.2026
14:19 Uhr

Olympia-Bewerbung: „Gigantischer Booster“


Dominik Krause hat zahlreiche Skeptiker aus der eigenen Partei zugunsten der Olympiabewerbung überzeugen können. Münchens grüner Oberbürgermeister sieht in dieser auch eine Chance, andere Projekte umzusetzen.

Olympia-Bewerbung: „Gigantischer Booster“

Dominik Krause, seit Mai grüner Oberbürgermeister von München, hat derzeit einen Lauf. Jüngst schaffte er als Anfänger den Anstich auf dem Oktoberfest mit zwei Schlägen. Er revidierte damit den Wiesn-kritischen Eindruck, den er einst mit seiner flapsigen Behauptung, es handele sich dabei um die „weltweit größte offene Drogenszene“, erweckt hatte. Auch sportpolitisch kann sich der 36 Jahre alte gebürtige Münchner, der mit seinem Verlobten im Stadtteil Obergiesing-Fasangarten lebt, nicht beklagen. Jüngst kam die Kunde, dass München für 2028 das Champions-League-Finale bekommt und 2031 die Leichtathletik-WM ausrichten darf. Seit Samstag ist nun auch klar, wem die Mitglieder des Deutschen Olympischen Sportbundes die besten Chancen geben, 2036 oder 2040 oder 2044 die Olympischen Spiele in Deutschland auszurichten: München. Und als ob das alles noch nicht genug wäre, bekommt Krause auch noch Lob von Ministerpräsident Markus Söder. Der CSU-Chef sagte jüngst nach einer Kabinettssitzung, zu der Krause eingeladen war, seit dieser OB sei, habe die Bewerbung „noch einmal neuen Schwung erfahren“. Im Wahlkampf vermied Krause Angriffe auf den politischen Gegner Söder, gewiss kein Grünen-Fan, hat imponiert, dass Krause im März den SPD-Platzhirsch Dieter Reiter in der Stichwahl geschlagen hat und dass er schon diverse Male machtpolitischen Instinkt zeigte. Als die Staatsregierung die Finanzierung der Kinderbetreuung neu ordnete, entstand fälschlicherweise der Eindruck, der 100-Euro-Zuschuss des Freistaats falle weg. Krause, ein studierter Physiker, nutzte das umgehend für eine Instagram-Botschaft, in der er suggerierte, dass das ziemlich klamme München sich auch wegen des neuen Gesetzes vom kostenlosen Kindergarten verabschieden müsse. Sozialministerin Ulrike Scharf (CSU) warf ihm daraufhin „Fake News“ vor. Innerhalb der Grünen ist Krause eher links einzusortieren, zu seinen Steckenpferden gehören die Klima- und Energiepolitik. Im Wahlkampf vermied er aber Frontalangriffe auf die Gegner. In seiner Partei sehen viele Olympia und das dahinterstehende Internationale Olympische Komitee kritisch. Dennoch hat Krause sich voll hinter die Bewerbung gestellt. Er sieht darin auch eine Chance, Verkehrs- und Wohnraumprojekte schneller umzusetzen, sprach von einem „gigantischen Booster“. Für die von ihm angestrebte Umwandlung von leeren Büros in Wohnungen hat der Stadtrat, dem Krause seit 2014 angehört, bereits eine „Umbauagentur“ mit zwölf Stellen beschlossen. Söder bescheinigte ihm auf diesem Feld „extremst ehrgeizige Ziele“. Der Freistaat sei dabei gerne Partner. Zur Besiegelung des neuen „gemeinsamen Spirits“ (Krause) lud der Oberbürgermeister Söder auf die Wiesn ein – zu einer Fahrt auf dem „Olympia-Looping“, Seit an Seit.