FAZ 18.02.2026
16:50 Uhr

Olympia-Aus im Eishockey: „Wir hatten einen Lapsus nach dem anderen“


Starke Besetzung, schwache Abwehr: Das deutsche Eishockey-Team scheitert sang- und klanglos an der Slowakei. Aus dem Traum von einer Medaille wird nichts, weil sich Fehler durch das Turnier ziehen.

Olympia-Aus im Eishockey: „Wir hatten einen Lapsus nach dem anderen“

Als der Moment der Enttäuschung unabänderlich feststand, fielen die letzten Schritte schwer. Die Spieler mit dem Bundesadler auf der Trikotbrust, die sich zweieinhalb Stunden vergeblich gemüht hatten, um sich gegen die Auswahl der Slowakei durchzusetzen, wussten, welchen Weg sie als Erstes nach dem 2:6 (0:1, 1:3, 1:2) einschlagen mussten. Beim Ertönen der Schlusssirene, die die schmachvolle Niederlage besiegelte, stand ein Sextett in Schwarz-Rot-Gold mit hängenden Köpfen auf dem Eis. Dann hievte sich der Rest der Mannschaft über die Bande, als hätten es Gewichte an den Schlittschuhen hängen. Auch sie trippelten zu Torwart Philipp Grubauer, den das Team zu oft im Stich gelassen hatte. „Leider sind wir verdient raus. Das tut weh“ Die Eishockey-Nationalmannschaft verpasste durch den Misserfolg den Einzug ins Halbfinale und konnte nicht, so wie sie es mehr oder weniger deutlich formuliert hatte, nach einer Medaille bei den Olympischen Spielen greifen. Es wäre die dritte nach dem Silber von Pyeongchang 2018 und dem Bronze-Wunder von Innsbruck 1976 gewesen. Aus und vorbei: „Wir haben zu viele Fehler gemacht, das wird auf diesem Level bestraft“, sagte Leon Draisaitl am Mittwochnachmittag. Sie hätten das „nie“ umsetzen können, was sie vorgehabt hatten, fügte der Kapitän an: „Leider sind wir verdient raus. Das tut weh.“ Slowakei mit ein paar Tagen Pause, die Deutschen nicht Die Deutschen waren einem Irrglauben aufgesessen. Viele Gelegenheiten, um durchzuatmen, zu analysieren und sich neu auszurichten, um sich auf den Auftritt vorzubereiten, waren ihnen nicht vergönnt gewesen. Der Spielplan gestattete ihnen kaum 24 Stunden Erholung im Anschluss an den Sieg über Frankreich (5:1), mit dem sie sich über die Play-off-Runde für die weitere Teilnahme an dieser Hochglanzveranstaltung qualifizierten, der von Draisaitl nach dem Eintreffen in Norditalien ein „Once-in-a-Lifetime“-Charakter bescheinigt worden war. Die Slowakei besaß mehr Möglichkeiten zur Vorbereitung auf das, was der beste deutsche Eishockeyspieler als eine Art einmalige Gelegenheit bezeichnet hatte. Die Slowaken beendeten die Tabellenphase in der Gruppe B am Samstag als Erste – und hatten danach Pause. Doch in der Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) überwog der zweckoptimistische Pragmatismus, die ungleichen Voraussetzungen nicht als Nachteil zu betrachten. Sie seien dadurch besser im Wettkampfmodus, lautete die Vorhersage, die sich als falsch herausstellte. Die Slowaken, die in der aktuellen Weltrangliste als Neunte unmittelbar hinter den Deutschen geführt werden, kamen in Windeseile in den nötigen Rhythmus und waren kaum zu bremsen. Nicht zuletzt Draisaitl hatte geglaubt, es werde besser laufen. „Ich bin das gewohnt, relativ viel auf dem Eis zu stehen“, hatte der Kapitän, der in der nordamerikanischen Profiliga mit den Edmonton Oilers Jahr für Jahr binnen sechs Monaten mindestens 82 Spiele absolviert, gesagt. Draisaitl aus dem Spiel, die Deutschen im Verteidigungsmodus Moritz Seider prophezeite gleichklingend: „Wir sind alle Athleten genug, um ein Superspiel abreißen zu können.“ Leichter gesagt als getan. Der Olympia-Dritte von 2022, an dem die Deutschen seinerzeit in der Viertelfinal-Qualifikation 0:4 gescheitert waren, startete defensiv aufmerksam und verschaffte Grubauer nahezu ohne Unterlass eine Menge Arbeit; die Schussbilanz von 17:5 bis zur ersten Drittelpause drückte die Überlegenheit aus. Die Slowaken hatten ihre Hausaufgaben gemacht und wussten, dass sie Draisaitls Kreise durch eine intensive Zweikampfführung einengen könnten. Auch dass Tim Stützle in der Vorrunde eine Blessur an der Hand erlitten hatte, übersehen sie nicht. Sie beharkten ihn so intensiv, dass dem 24-Jährigen mitunter der Schläger aus der Hand fiel (11. Minute). Die Deutschen befanden sich fast durchgängig im Verteidigungsmodus. Und nachdem Kai Wissmann an der Bande die Scheibe nicht behaupten konnte, gerieten sie in Rückstand: Erik Cernak nahm von der blauen Linie Maß, wobei Pavol Regenda im Slot gewinnbringend abfälschte (19.). Nach der ersten Pause verdüsterte sich das Bild für Harold Kreis und sein Profis weiter. Missgeschicke, bei denen jeweils kein Nebenmann nah genug dran war, um rettend einzugreifen, führten zum 0:2 (25. Minute) und 25 Sekunden später zum 0:3. Zunächst rutschte Lukas Kälble aus, wodurch Milos Kelemen freistehend vor Grubauer schießen konnte, anschließend leistete sich Jonas Müller einen Fehlpass, den sich Oliver Okuliar zunutze machte. Dalibor Dvorsky baute gegen die Deutschen, die auch nach einer Auszeit des Bundestrainers vergeblich um Stabilität bemüht waren, den Vorsprung aus (32.). Lukas Reichels Tor ließ den Zwischenstand vor dem letzten Drittel ein wenig schmeichelhafter (35.) erscheinen, ehe wieder Regenda zuschlug (5:1, 41.). „Wir haben viel zu viel zugelassen, wir hatten einen Lapsus nach dem anderen“, stellte Nico Sturm fest, „das zog sich durch das ganze Turnier. Die Art und Weise, wie wir gespielt haben, ist enttäuschend.“ Ihr zweiter Treffer durch Frederik Tiffels (50.) änderte nichts an der schonungslosen Erkenntnis, dass das Team abermals angesichts der individuellen Qualität seiner Einzelspieler zu wenig aufs Eis brachte. Tomas Tatar erzielte per Empty-Net-Goal den Endstand (57.). Während die Spannung in der Eishockey-Arena Santagilulia nun mit dem Final-Wochenende auf ihren Höhepunkt zusteuert, sind die Deutschen nur noch Statisten und schon an diesem Donnerstag raus aus dem Olympischen Dorf.