FAZ 09.02.2026
08:42 Uhr

Olympia 2030 im Ausland: Eisschnellläufer empören sich über Macrons Plan


Frankreichs Präsident legt keinen Wert auf Eisschnelllaufwettbewerbe in seinem Land bei den nächsten Olympischen Winterspielen 2030. Die Besten der Sportart fühlen sich schlecht behandelt.

Olympia 2030 im Ausland: Eisschnellläufer empören sich über Macrons Plan

Die Entscheidung des Präsidenten der Französischen Republik und der Organisatoren der Olympischen Winterspiele 2030 in Frankreich, die Eisschnelllaufwettbewerbe im Ausland austragen zu lassen, ruft bei den besten Eisschnellläufern der Welt scharfe Kritik hervor. Die Absprache zwischen Emmanuel Macron und den Organisatoren der Winterspiele, der zufolge die Eisschnelllaufwettbewerbe entweder im niederländischen Heerenveen oder in Turin stattfinden sollen, aber keinesfalls in Frankreich, kritisierten die Medaillengewinner im Rennen über 5000 Meter einhellig. „Es wäre dann wie jedes andere Rennen“ „Ich bin ziemlich dagegen“, sagte Silbermedaillengewinner Metodej Jilek aus der Tschechischen Republik auf eine Frage der F.A.Z. „Das enttäuscht mich ein bisschen. Wir würden die ganze Atmosphäre von Olympia verpassen. Es wäre dann wie jedes andere Rennen. Du schläfst dann im Hotel, weit weg von allen anderen, wie in jedem normalen Weltcup. Alle Eisschnellläufer, die dann das erste Mal dabei sind, verpassen eine Menge.“ David Lappartient, der Präsident des Internationalen Radsport-Verbands UCI, hatte in der vergangenen Woche am Rande der 145. Session des Internationalen Olympischen Komitees gesagt, Macron habe ihm gesagt, Frankreich könne sich den Bau einer Eisschnelllaufhalle nicht leisten. Die Organisatoren hätten das O. K. des Präsidenten, mit den Hallenbetreibern in Heerenveen und Turin zu verhandeln. Zugleich strebt Lappartient an, Cyclocross, die moderne Form des Querfeldeinradrennens bei den Spielen in den französischen Alpen olympisch werden zu lassen. Der Norweger Sander Eitrem, der das Rennen über 5000 Meter in olympischer Rekordzeit (6:03,95 Minuten) mit mehr als zweieinhalb Sekunden vor Jilek gewann, verwies auf einen möglichen Vorteil für Konkurrenten: „Volle Zustimmung. Hier (in Mailand; d. Red.) ist die Bahn neu, hier hat keiner einen Vorteil. Es wäre schade, wenn es im Thialf (Heerenveen; d. Red.) oder auf anderen Bahnen stattfindet, auf denen wir schon gelaufen sind.“ Riccardo Lorello, der völlig überraschend Bronze gewann, sieht die Lösung in Mailand, wo die Eisschnelllaufwettbewerbe auf einer temporären Bahn in zwei Messehallen stattfinden, sogar als Vorbild für die Franzosen: „Das Schönste an Olympia ist doch, dass wir alle da sind. Es verteilt sich auf die einzelnen Wettkampfstätten, aber hier spürt man den Sportgeist. Hier sind alle Eissportarten an einem Ort. Es wäre wirklich schade, wenn das beim nächsten Mal verteilt und auseinandergerissen wird.“ Voraussichtlich wird bis zum Sommer feststehen, welches Wettkampfprogramm bei den Winterspielen 2030 ausgetragen wird.