FAZ 29.12.2025
09:02 Uhr

Offene Weihnachtsmärkte: Ein Ort für nachweihnachtliche Stimmung


Weihnachten ist vorbei. Aber die Weihnachtsstimmung dauert mindestens bis Silvester. Deshalb haben die verlängerten Märkte in Offenbach, Wiesbaden, Mainz oder Gießen ihre Berechtigung.

Offene Weihnachtsmärkte: Ein Ort für nachweihnachtliche Stimmung

Beispielsweise für Kinder ist Weihnachten nicht mit dem zweiten Weihnachtsfeiertag abgeschlossen. Sie haben ja schließlich Ferien, die Weihnachten im Namen tragen. Also dauert Weihnachten für sie zumindest bis Anfang Januar, das Sternsingen rund um den 6. Januar gehört als Abschluss ja auch noch zu Weihnachten. Und deshalb ist der kindliche Wunsch, einen Crêpe auf dem Weihnachtsmarkt essen zu gehen, keineswegs abwegig oder gar pietätlos. Gerade jetzt, in den ruhigeren Tagen nach dem vorweihnachtlichen Stress im Job oder beim Besorgen der letzten Weihnachtsgeschenke, sind die Eltern schließlich entspannter und empfänglicher für Kinderwünsche. In Wiesbaden lassen sie folgerichtig den Kinder-Sternschnuppenmarkt, den für die Kleinsten eingerichteten Teil des großen Weihnachtsmarktes, noch bis zu diesem Dienstag offen. In Mainz sind es die kleineren Märkte der sogenannten Weihnachtsstadt an Orten wie dem Schillerplatz und im Innenhof des Kurfürstlichen Schlosses, wo ebenfalls am Tag vor Silvester noch einmal ein Jahresausklang unter freiem Himmel im Familien- oder auch im Freundeskreis möglich ist. In Frankfurt gibt es Möglichkeiten beispielsweise auf dem Dach des Einkaufszentrums Skyline Plaza, wohin auch eine Eislaufbahn und Eisstockschießen bis in den Januar locken. Überall stehen die Verzehrstände im Mittelpunkt. Für die Händler mit klassischer Weihnachtsware wie Christbaumschmuck ist der Heiligabend der logische Jahresabschluss. Respekt vor Totensonntag als Grenze Natürlich geht es auch bei den Bratwurst-, Mandel- und Glühweinständen darum, Geld zu verdienen. Und eine gewisse Skepsis gegenüber verlängerter Weihnachtstümelei ist ohnehin gestattet, weil natürlich jeglicher Trubel mit dem eigentlichen Sinn der Adventszeit in Konkurrenz steht und Weihnachten irgendwann auch seinen Zauber einbüßt. Aber die Märkte sind der Atmosphäre in den Städten dienlich auch an den von Umtauschaktionen geprägten Tagen zwischen Weihnachten und Silvester. Und sie tun den Menschen gerade an den sonnenreichen und zugleich frostig-kalten Wintertagen gut. Das ist Grund genug, das Konzept nicht zu verurteilen, solange es mit einem gewissen Maß gepflegt wird. Es ist umgekehrt ein Wert an sich, wenn Städte wie Frankfurt nach wie vor den Totensonntag respektieren als jenes Datum, vor dem der Weihnachtsmarkt nicht öffnen darf. Eine fürsorgliche Verknappung dient letztlich allen und vor allem der Vorfreude auf die nächste Weihnachtsmarktsaison. Am 23. November ist es endlich wieder so weit.